Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung München

US-Publizist Weigel plädiert für Abschaffung der Kirchensteuer

Die Kirchensteuer erhalte eine Bürokratie am Leben, der es an Leidenschaft und missionarischer Energie fehle, so der amerikanische Publizist George Weigel im Gespräch mit der „Tagespost“. Auch zum Fall Viganò bezieht er Stellung.
George Weigel kritisiert Kirchensteuer
Foto: Archiv | „Die Katholiken in Deutschland sind sehr großzügig. Sie können den wesentlichen Teil der kirchlichen Arbeit mit freiwilligen Spenden finanzieren", meint George Weigel.

Der amerikanische Publizist George Weigel kritisiert die deutsche Kirchensteuer. Im Gespräch mit der „Tagespost“ erklärt der Leitende Wissenschaftler des „Ethics and Public Policy Center“ in Washington, man solle ernsthaft darüber nachdenken, die Kirchensteuer abzuschaffen. „Deren Hauptfunktion scheint zu sein, eine riesige kirchliche Bürokratie am Leben zu erhalten, der es an Leidenschaft und missionarischer Energie fehlt.“

Kirchensteuer fördert häufig "Katholizismus-Light"

Darüber hinaus diene die Kirchensteuer zu häufig dem Zweck, einen „Katholizismus-Light“ zu fördern. „Die Katholiken in Deutschland sind sehr großzügig. Sie können den wesentlichen Teil der kirchlichen Arbeit mit freiwilligen Spenden finanzieren.“ Ein Bürokratie-Abbau innerhalb der katholischen Kirche könne zudem die Neuevangelisierung voranbringen, so Weigel, Biograf von Papst Johannes Paul II.

"Einem großen Teil der kritischen Stimmen
zu Viganò gehe es darum, den Boten
vernichten zu wollen, weil
die Botschaft unangenehm ist"
George Weigel, US-Publizist

Im Gespräch mit der „Tagespost“ äußert sich Weigel auch zum italienischen Erzbischof Carlo Viganò, der immer wieder mit Kritik am Umgang des amtierenden Papstes mit der Missbrauchskrise für Schlagzeilen sorgt. Viganò sage die Wahrheit, wenn er behaupte, Papst Franziskus vor dem ehemaligen Kardinal Theodore McCarrick gewarnt zu haben. „Einem großen Teil der kritischen Stimmen zu Viganò gehe es darum, den Boten vernichten zu wollen, weil die Botschaft unangenehm ist.“

Papst Franziskus hatte McCarrick im Juli vergangenen Jahres aus dem Kardinalsstand entlassen. McCarrick soll über einen längeren Zeitraum hinweg mindestens zwei minderjährige Jungen sexuell missbraucht haben. Zudem soll er sich über Jahrzehnte hinweg an Priestern und Seminaristen vergangen haben.

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Erzbischöfe Johannes Paul Johannes Paul II. Kardinäle Katholikinnen und Katholiken Katholische Kirche Kirchensteuer Papst Franziskus Paul II. Päpste

Weitere Artikel

Kardinal Christoph Schönborn über das Ende der europäischen Vorherrschaft, die Krise des Synodalen Wegs und die Frage, was die Kirche wirklich erneuert.
08.10.2026, 07 Uhr
Stephan Baier
Wie aus der Schwester des Märtyrers Jacques Hamel und der Mutter des Mörders Freundinnen wurden. Das Meeting in Rimini startet mit emotionalem Höhepunkt – und morgen kommt der Papst.
21.08.2026, 19 Uhr
Guido Horst
Erzbischof Georg Gänswein wird 70. Hier spricht er über die Aussöhnung mit Papst Franziskus, den schwierigen Neubeginn im Baltikum und seine Pläne für eine Seligsprechung von Benedikt XVI.
29.07.2026, 14 Uhr
Benjamin Leven

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Gott will glückliche Menschen, schreibt Erzbischof Georg Gänswein. Gott lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Doch die Gäste haben vermeintlich Wichtigeres vor.
10.10.2026, 21 Uhr
Georg Gänswein