Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Toulon

Frankreichs Seminare füllen sich

Nach einem positiven Trend bei Taufen und Konversionen macht sich auch ein wachsendes Interesse am Priesterberuf bemerkbar. Besonders in einem Bistum zeigt sich die Wende.
Der vormalige Koadjutor und heutige Bischof von Fréjus-Toulon, François Touvet
Foto: JB Autissier via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der vormalige Koadjutor und heutige Bischof von Fréjus-Toulon, François Touvet (im Bild), sieht allein für diesen Herbst in seiner 600.000-Katholiken-Diözese vier neue Kandidaten für sein Seminar.

Nach prekären Jahrzehnten schöpfen die Bischöfe Frankreichs Hoffnung. Nach einem positiven Trend bei Taufen und Konversionen zur katholischen Kirche macht sich nun auch ein wachsendes Interesse am Priesterberuf bemerkbar. Erstmals gibt es wieder 175 Anmeldungen, ein deutliches Plus im Vergleich zu den 146 Propädeutikern im vergangenen Herbst, die bereits als deutliche Stabilisierung interpretiert wurden. Dafür spricht auch, dass die Propädeutikkurse für die künftigen Priesterkandidaten in Ars, Paris oder Versailles für diesen Herbst schon jetzt ausgebucht sind. Allein das Propädeutikum im südfranzösischen Aix bringt es mittlerweile auf 23 Anmeldungen aus verschiedenen Diözesen.

Lesen Sie auch:

Besonders deutlich lässt sich die Trendwende im provenzalischen Bistum Fréjus-Toulon ablesen. Nach Spannungen um das besonders absolventenreiche Priesterseminar „La Castille“ stand das Bistum zeitweise unter Leitung eines Bischofs-Koadjutors. Der Vorwurf: Bischof Dominique Rey habe es an Sorgfalt bei Auswahl und Eignungsprüfung mangeln lassen. Die meisten Kandidaten kamen nicht aus der Region Var und wiesen in den Augen von Kritikern ein zu traditionelles Profil auf. Es kam zur Ernennung eines Koadjutors und zur Emeritierung des Bischofs. Das Seminar sollte demnach noch im vergangenen Pontifikat geschlossen werden. Doch daraus dürfte doch nichts mehr werden.

Priestermangel und Überalterung des Klerus

Der vormalige Koadjutor und heutige Bischof von Fréjus-Toulon, François Touvet, sieht allein für diesen Herbst in seiner 600.000-Katholiken-Diözese vier neue Kandidaten für sein Seminar. Seit sechs Jahren habe man nicht mehr so viele Neuanfänger gezählt, und diese seien damals nicht alle aus dem Var gekommen, schreibt Touvet in einem der „Tagespost“ vorliegenden Schreiben an alle französischen Bischöfe. Daher habe er beschlossen, das Propädeutikum wieder zu eröffnen und das Seminar für andere französische Bistümer zu öffnen. Und die Studien sollen mit einer Kooperation mit der Katholischen Universität von Lyon weiter professionalisiert werden.

Diese positiven Nachrichten können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Priestermangel und Überalterung des französischen Klerus unübersehbare Herausforderungen mit sich bringen. So gingen die Zahlen der Priesterweihen auch in Frankreich in den vergangenen Jahren zurück. Von 142 Priesterweihen im Jahr 2000 auf 125 im Jahr 2020. Nach 90 im Jahr 2025 wurde in diesem Jahr sogar ein Tiefpunkt mit nur 84 Priesterweihen erreicht. Priesterweihen, zu denen auch Ordinationen für Gemeinschaften und manche Orden gezählt werden.

Ein Vergleich zu Deutschland fällt trotzdem deutlich aus. Während es in Deutschland im Jahr 2000 mit 154 Priesterweihen für die Bistümer noch deutlich mehr Ordinationen als in Frankreich mit 142 gab, hat sich das spätestens in den vergangenen zehn Jahren ins Gegenteil verkehrt. Während die deutschen Bischöfe 2015 58 Priesterweihen feiern durften, hatten ihre französischen Mitbrüder 120 Ordinationen. In diesem Jahr sind es 30 in Deutschland, in Frankreich immerhin 84. Der Blick auf die Zahl der Eintritte in die Priesterseminare stellt den Kontrast jedoch noch schärfer dar: Im Jahr 2000 hatten die Priesterseminare der deutschen Bistümer noch 211 Neueintritte, die französischen Priesterseminare 165. Bereits im Jahr 2020 standen 54 Neueintritte in Deutschland 156 Neueintritte in Frankreich gegenüber.

Stärkere Präsenz von Orden und geistlichen Gemeinschaften

Diese relative Stabilität der französischen Zahlen rührt auch aus der stärkeren Präsenz von Orden und geistlichen Gemeinschaften. So hat sich die Communauté Saint Martin zu einer Reserve für den französischen Weltklerus entwickelt. Mit etwa zehn oder mehr Priesterweihen jährlich trägt sie wesentlich zu Dynamik und Profil des jüngeren Klerus bei. Daneben stützen eine Reihe anderer Gemeinschaften wie die Communauté Emmanuel in vielen Diözesen den Weltklerus. Das gilt beispielsweise auch für die Diözese Fréjus-Toulon mit ihrem emeritierten Diözesanbischof Rey.

Die neuen Zahlen über den offenbar anhaltenden Zustrom in die diözesanen Seminare in Frankreich fügen diesem Bild eine neue Schattierung hinzu. War die Stabilität zuletzt vor allem Gemeinschaften geschuldet, wird sich nun zeigen müssen, ob die französischen Priesterseminare die neue Dynamik, die ihre alten Institutionen erfasst, aufnehmen können. Für Deutschland kann das bedeuten, dass auch altgewordene Institutionen Berufungen ansprechen können. Es muss sich dann zeigen, ob sie sie auch tragen wollen. Die Kirche Frankreichs kann jedenfalls hoffen, dass sich eine weitere Stabilisierung abzeichnet.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Simon Kajan

Kirche

Bei der dritten Ausgabe des Altöttinger Benedikt-XVI.-Forums steht Heilung im Mittelpunkt. Wie kann der Glauben dabei helfen? Ein Bericht.
07.07.2026, 15 Uhr
Athinea Andryszczak
Der neue Eichstätter Bischof Würtz hat sich bei den Synodalversammlungen anders positioniert als sein Vorgänger Hanke. Als Mainstreamtheologen sollte man ihn aber nicht abqualifizieren.
07.07.2026, 12 Uhr
Regina Einig