In der Kathedrale Notre-Dame de Paris ist am Sonntag die „Kirchliche Provinzversammlung“ der Île-de-France eröffnet worden. Die Bischöfe der Region Paris und Umgebung reagieren damit auf ein Phänomen, das die katholische Kirche in Frankreich verändert: die stark wachsende Zahl erwachsener Katechumenen, die um die Taufe bitten. In einem europäischen Umfeld, das seit Jahrzehnten von Säkularisierung geprägt ist, verstehen die Bischöfe diesen Zustrom als Zeichen der Hoffnung.
Anlass der Versammlung ist ein historischer Anstieg der Taufbewerber. In der Kirchenprovinz, zu der die Diözesen Paris, Nanterre, Versailles, Pontoise, Meaux, Créteil, Évry-Corbeil und Saint-Denis gehören, hat sich laut der Homepage der Diözese Paris die Zahl erwachsener Katechumenen in wenigen Jahren mehr als verdoppelt: von 1.249 im Jahr 2021 auf 3.158 im Jahr 2026. Das entspricht einem Plus von 153 Prozent. Auch über die Region hinaus zeigt sich derselbe Trend: In ganz Frankreich wurden in der Osternacht 2026 mehr als 21.000 Erwachsene getauft. Ähnliche Entwicklungen werden aus den Vereinigten Staaten und England gemeldet, in geringerem Maße auch aus den Niederlanden und Belgien.
Unterschiedliche Lebenswege, große Glaubensbegeisterung
Inhaltlich zeichnen sich drei Arbeitsfelder ab. Zunächst geht es um Aufnahme und Integration. Die Kirche will nicht bei freundlicher Begrüßung stehen bleiben, sondern klären, wie neue Christen in den Gemeinden wirklich ihren Platz finden. Zweitens steht die Begleitung zu den Sakramenten und in ein christliches Leben hinein im Mittelpunkt. Die Vorbereitung soll nicht mit der Taufe enden; Taufe, Firmung und Eucharistie sollen als zusammengehörige Sakramente der christlichen Initiation neu in den Blick kommen. Drittens stellt sich die Frage, wie die Ankunft neuer Gläubiger die Gemeinden selbst verändert. Die neuen Christen bringen unterschiedliche Lebenswege und oft eine große Glaubensbegeisterung mit. Sie sollen nicht einfach in bestehende pastorale Gewohnheiten eingepasst werden.
Die Vorbereitung begann am 25. Januar, dem Fest der Bekehrung des heiligen Paulus. Seitdem haben sich mehr als 30.000 Menschen an der Konsultationsphase beteiligt. Bereits 3.300 Fragebögen wurden ausgewertet. Zwei Drittel der Rückmeldungen kamen aus Pfarreien und kirchlichen Bewegungen; beteiligt waren Priester, Gläubige, Begleiter, Katechumenen und Neugetaufte. Auch junge Menschen nahmen teil: Mehr als 200 Gruppen nutzten einen eigenen Jugendfragebogen.
Eröffnung in Notre-Dame bewusst liturgisch geprägt
Die Eröffnung in Notre-Dame war bewusst liturgisch geprägt. Eine große Prozession mit Delegierten aus den Diözesen zog in die Kathedrale ein. Das Evangeliar wurde feierlich inthronisiert, um deutlich zu machen, dass Christus selbst die Beratungen leiten soll. Die Delegierten legten ein feierliches Glaubensbekenntnis ab und riefen mit dem alten Gebet „Adsumus Sancte Spiritus“ den Heiligen Geist um Führung an.
Nun beginnt die Arbeitsphase. Die Versammlung tagt am 10./11. Oktober 2026, am 16./17. Januar 2027 und am 29./30. Mai 2027. Danach sollen gemeinsame Leitlinien formuliert werden. Nach der Abstimmung der Bischöfe und der römischen Anerkennung ist die Veröffentlichung offizieller Dekrete zu Allerheiligen 2027 vorgesehen. Ziel ist nicht nur, mehr Erwachsene zu taufen, sondern sie so zu begleiten, dass sie dauerhaft in der Kirche Heimat finden und deren Leben mitprägen.
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