Es ist warm geworden in Italien – verrückterweise mehr im Norden als im Süden, aber in diesen Zeiten wird so manches auf den Kopf gestellt. Getreu seiner Neigung, sich möglichst weit weg vom Vatikan zum Gespräch zu treffen, schlägt Monsignore vor, sich auf der anderen Seite Roms im „Parco Archeologico“, dem „Archäologischen Park“ in der Nähe der Via Appia antica, zu treffen und einen Spaziergang durch die Wiesen zu machen, auf denen die Reste der römischen Aquädukte zu sehen sind. An den warmen Tagen ist dieser Park sehr beliebt, schon in den frühen Morgenstunden treffen die ersten Familien ein, um sich einen ruhigen Platz zu suchen. Der Nachteil: Hier gibt es kein gescheites Restaurant und zur Stärkung müssen wir mit der Pizzeria „Fermentum“ Vorlieb nehmen. Sie liegt genau da, wo ein Aquädukt schräg in der Erde verschwindet. Die alten Römer kannten das Prinzip der kommunizierenden Röhren nicht und bauten ihre Wasserleitungen immer so, dass sie überall den gleichen Neigungswinkel hatten – weshalb sie Erhebungen unter der Erdoberfläche durchquerten.
Wir tun das, was im „Fermentum“ jeder macht: Wir bestellen zwei Pizzen und dazu ein Bier. Sitzplätze im Freien gibt es reichlich und Monsignore legt eine Seite des „Osservatore Romano“ auf den Tisch. Die Zeitung des Papstes hatte doch glatt die Verve, die Ansprache im Wortlaut abzudrucken, die der römische Synodenkardinal Mario Grech auf dem Würzburger Katholikentag gehalten hat. Im „Osservatore“ steht der Text selbstverständlich auf Italienisch.
Zu viele Kardinäle?
Monsignore kann sich ein Lächeln nicht verkneifen: Er hat einen Absatz der Rede Grechs gelb markiert, der völlig unverständlich ist. Mit DeepL ist schnell eine Übersetzung ins Deutsche erstellt und der Satz, mit dem sich der Herr des römischen Synodengeschehens auf dem Würzburger Podium vorstellte, lautet so: „Ich bin hier, um in den Beziehungen im Namen des Auferstandenen sein Wiedererscheinen unter uns, sein Sich-Offenbaren als Wort und sein Sich-Hingeben als Weg zu erkennen; daher bin ich hier als Zeichen jenes synodalen Prozesses, der die gesamte Kirche betrifft, und somit als eine einfache synodale Notiz.“ „Eine synodale Notiz“, spöttelt Monsignore und meint, er wäre glücklich, wenn der synodale Weltprozess wirklich nur eine Notiz bliebe. Aber nein – er dauert bis 2028, bis im Vatikan eine international beschickte Kirchenversammlung stattfinden soll, von der keiner weiß, was eine solche Versammlung überhaupt ist. Monsignore schneidet den harten Rand der Pizza ab und schiebt ihn auf den Tisch – der weiche Rest des Pizzafladens schwappt immer noch über den Tellerrand. Ob die hier keine großen Teller haben, die so eine Pizza auch halten können?
Einem altgedienten Kurialen soll Papst Leo gesagt haben, es gebe in Rom „zu viel junge Kardinäle“, wie Monsignore zu berichten weiß. Einer ist schon weg, der Almosenmeister Konrad Krajewski, der jetzt als Erzbischof in Polen die Kunst einer ordentlichen Buchhaltung erlernen muss. Zwei weitere „junge“ Kardinäle seien ebenfalls angezählt: Mauro Gambetti, der Erzpriester von Sankt Peter, und der Litauer Rolandas Makrickas, der Erzpriester von Santa Maria Maggiore, der die Grabstätte von Papst Franziskus bauen ließ. Beide seien sehr geschäftstüchtig, lächelt Monsignore, er sei ganz gespannt, welche Verwendung der Papst für sie finden würde. Die Rechnung ist so bescheiden wie unser Mahl und wir verzichten darauf, dem „Fermentum“ irgendwelche Punkte zu geben – das lief jetzt außer Konkurrenz. Es ging uns ja nicht ums Essen, sondern um die romantische Parkanlage, die sich hier vor den heißen Sommerwochen noch in saftigem Grün präsentiert.
Das Bistro „Fermentum“ liegt am Rande des Archäologischen Parks im Südosten Roms in der Via Lemonia, Hausnummer 214.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.










