Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Synodale Verlogenheit

Der Rücktritt Bischof Bodes verdeutlicht die Lebenslüge des Synodalen Wegs. Denn der berührte nie den Kern des Problems.
Rücktritt Bischof Bodes verdeutlicht die Lebenslüge des Synodalen Wegs
Foto: Friso Gentsch (dpa) | Bischof Bode muss nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Diözese Osnabrück oder die Kirche insgesamt „systemische Fehler“ aufgewiesen haben.

Der von Papst Franziskus angenommene Rücktritt des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode macht nochmals deutlich, was die Lebenslüge des Synodalen Wegs war. Bode muss nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Diözese Osnabrück oder die Kirche insgesamt „systemische Fehler“ aufgewiesen haben. Sondern dafür, dass er ganz persönlich und völlig ohne Empathie für die Opfer Missbrauchsverbrechen derart auf die leichte Schulter genommen hat, dass den Betroffenen die Haare zu Berge standen. 

Der Synodale Weg blieb immer an der Oberfläche

Jeder, der eine Vergewaltigung durch einen Kleriker durchleiden musste, wird später immer aussagen, dass er von Pfarrer XY oder Person N. N. missbraucht worden ist. Nicht von einer Kirche mit „systemischen Fehlern“. Wären die von Bode als „historisch“ bezeichneten „Beschlüsse“ des Synodalen Wegs schon früher gängige Praxis gewesen, hätten in der Diözese Osnabrück Laien gepredigt und Sakramente gespendet, gleichgeschlechtliche Paare den kirchlich Segen erhalten und synodale Räte das Leben der Pfarreien dominiert, wären die Missbrauchsverbrechen genauso geschehen und hätte Bischof Bode ebenso nachlässig gehandelt. 

Lesen Sie auch:

Der Synodale Weg blieb immer an der Oberfläche. Den Kern des Problems, den Verlust des Glaubens an den auferstandenen und in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn, hat er nie auch nur angekratzt. Es ging dem Synodalen Weg immer nur um die Neuverteilung einer Macht, die es in der Kirche gar nicht geben darf, da sie nur Vollmachten kennt. 

Bereits Kardinal Reinhard Marx hatte dem Papst seinen Rücktritt angeboten, um Verantwortung für die „systemischen Fehler“ der Kirche zu übernehmen. Selten hat Franziskus ein Rücktrittsangebot so schnell zurückgewiesen wie damals (während er Kardinal Rainer Maria Woelki jetzt schon über ein Jahr über dessen Zukunft im Ungewissen hält), denn Schuld kann immer nur persönlich sein. Indem die deutschen Bischöfe mehrheitlich dieser Fehlkonstruktion des Synodalen Wegs aufgesessen sind, haben sie ein Monstrum genährt, das mit Sicherheit kein Segen bringt. Wegen des Synodalen Wegs ist kein einziger in die Kirche zurückgekehrt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Guido Horst Franz-Josef Bode Kardinäle Papst Franziskus Pfarrer und Pastoren Päpste Rainer Maria Woelki Reinhard Marx Vergewaltigung

Weitere Artikel

Sie haben Fragen, er hat es nicht eilig: Nach der Empfehlung des Münchner Erzbischofs zugunsten von Segensfeiern für irreguläre Beziehungen regt sich erstmals Unmut im Klerus.
23.07.2026, 07 Uhr
Jakob Ranke
Welche Handlungsoptionen haben Papst Leo XIV. und die chinesischen Katholiken für den Glauben? Eine Analyse zur Lage der katholischen Christen in der Volksrepublik China.
17.09.2026, 17 Uhr
Katharina Wenzel-Teuber
Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Franziskus hatte Argentinien gemieden, Leo trifft Milei: Der offizielle Plan für die Reise von Leo XIV. nach Uruguay, Argentinien und Peru liegt vor.
21.09.2026, 16 Uhr
Meldung
Der polnische Franziskaner-Minorit Piotr Maria Januszewsk bereitet sich auf den Einsatz in der Seelsorge vor: Warum sich er sich für ein Leben in Deutschland entschieden hat.
21.09.2026, 13 Uhr
Susanne Hartfiel
Ein ehemaliger Schüler der Ordensschule Notre-Dame de Bétharram behauptet, von Bischof Pierre-Marie Théas sexuell missbraucht worden zu sein. Zu Ermittlungen wird es wohl nicht kommen.
21.09.2026, 06 Uhr
Meldung
Nachdem die Szene im Internet als eucharistisches Wunder gedeutet wurde, stellt Pfarrer Brent Bowman klar: Er habe eine „persönliche geistliche Erfahrung“ gemacht.
18.09.2026, 10 Uhr
Dorothea Schmidt