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Emeritierter Weihbischof Dick: Geistlicher Vater und passionierter Theologe

Geprägt von Joseph Ratzinger, bot er den Irrlehren der Zeit Paroli: Am Sonntag verstarb der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick.
Kölner Weihbischof Klaus Dick
| Das Pontifikat seines Freundes Benedikts XVI. bedeutete für Weihbischof Dick, diesen zutiefst redlichen Priester, Freude und Leid zugleich.

30 Minuten lang läutete die „Pretiosa“ des Kölner Doms am Sonntagnachmittag anlässlich des Todes des emeritierten Kölner Weihbischofs Klaus Dick. Kurz vor seinem 96. Geburtstag war er am Sonntag gestorben, 28 Jahre – von 1975 bis 2003 – diente er dem Erzbistum Köln als Weihbischof.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki würdigt den Verstorbenen: „Mit tief empfundener Trauer gedenke ich des heute verstorbenen emeritierten Kölner Weihbischofs Dr. Klaus Dick. Über viele Jahrzehnte war er voller Hingabe und mit unerschütterlichem Gottvertrauen in unserem Erzbistum tätig. Für seinen unerschöpflichen Dienst für die Kirche von Köln bin ich ihm sehr dankbar. Im festen Vertrauen und Glauben an die Auferstehung Christi bin ich davon überzeugt, dass er jetzt in Gott seine Vollendung findet."

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Das Lehren lag dem herzlichen Theologen in den Genen: Klaus Dick kam als Sohn eines Lehrerehepaar – die Mutter hatte in den 20er Jahren promoviert – in Köln-Ehrenfeld zur Welt. Der Zweite Weltkrieg überschattete seine Jugend und bestärkte ihn in dem Wunsch, Priester zu werden. Während seines Freisemesters in München lernte der junge Theologiestudent einen fast gleichaltrigen Kommilitonen kennen, der ihn theologisch prägen sollte und dem er lebenslang freundschaftlich verbunden blieb: Joseph Ratzinger. Beide wählten denselben Doktorvater. Bei Gottlieb Söhngen promovierte Dick über den heiligen Kardinal John Henry Newman.

Geradlinig und theologisch brillant

Nach der Priesterweihe 1953, die ihm Kardinal Frings spendete, übertrug das Erzbistum ihm bald eine Aufgabe, die seinen pädagogischen Fähigkeiten Entfaltungsspielraum bot. Als Repetent und Direktor des Collegium Albertinum erlebte der junge Geistliche die turbulenten Konzils- und Nachkonzilsjahre. Dass er sich in dieser Zeit nicht verbiegen ließ, sondern geradlinig und theologisch brillant die Stimme der katholischen Tradition im Erzbistum wurde, nahmen ihm manche übel.

Auf das Collegium Albertinum folgten mehrere Jahre als Pfarrer in Bonn und Wuppertal. Als Nachfolger eines Geistlichen, der sein Amt aufgegeben wuchs Dick in die Rolle hinein, die er fortan im Erzbistum souverän ausfüllte und die nach seiner Bischofsweihe 1975 sein Bild in der Öffentlichkeit prägte: ein empathischer und gastfreundlicher Seelsorger, der mit fundiertem theologischem Urteil den Irrlehren der Zeit Paroli bot und sich liebenswürdig und mit unerschöpflichem Seeleneifer der Einzelseelsorge widmete. Seine Beichtkinder blieben ihm über Jahrzehnte hinweg treu.

Er überzeugte Gläubige aller Generationen

Als Priester, der in Zeiten innerkirchlicher Verwirrung seine Berufung als geistliche Vaterschaft und nicht als Moderator verstand und zugleich passionierter Theologe war, überzeugte er Gläubige aller Generationen. Unzählige Seminaristen suchten seinen Rat und ließen sich von ihm durch die Klippen des Theologiestudiums lotsen. Neben seinen Verpflichtungen als Weihbischof und Domdechant engagierte sich der pflichtbewusste Rheinländer auch als Bundesseelsorger des Malteser-Hilfsdienstes und im Kardinal-Höffner-Kreis.

Das Pontifikat seines Freundes Benedikts XVI. bedeutete für diesen zutiefst redlichen Priester Freude und Leid zugleich: So hoch Dick die Theologie des Papstes aus Bayern schätzte, so sehr litt er mit dem Freund unter dem deutschen antirömische Affekt, der diesem aus der Heimat entgegenschlug. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Weihbischof in einem Kloster in Lindenthal, hörte Beichte und führte seelsorgerliche Gespräche. 

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