Neviges

Jakob Rennertz: „Wir wollen der Kirche dienen mit Aufbrüchen“

Jakob Rennertz ist 21 Jahre alt. Auf seine Initiative hin gibt es zu Pfingsten zum ersten Mal ein Loretto-Fest der Jugend in dem nordrheinwestfälischen Marienwallfahrtsort Neviges.
Jakob Rennertz
Foto: J. Rennertz | Jakob Rennertz brennt dafür, dass Menschen eine Erfahrung der Liebe Gottes machen.

In Neviges findet erstmals ein Pfingstevent der Loretto- Gemeinschaft statt. Es ist eines der vielen kleinen Pfingstaufbrüche in der katholischen Kirche. Ein Interview mit dem Veranstalter.

Wie bist Du auf Loretto und das Pfingstfest gekommen? Warst Du in den vergangenen Jahren in Salzburg dabei?

Ich war nie in Salzburg dabei. Ich habe mich vor zwei Jahren, kurz vor Corona, in Medjugorie nochmal ganz besonders bekehrt. Seitdem brenne ich total dafür, dass Menschen, vor allem der Kirche Fernstehende, eine Erfahrung der Liebe Gottes machen, die sie neugierig darauf werden lässt, sich mit dem Herrn, mit der Kirche und ihrer Lehre auseinanderzusetzen. Als ich erfahren habe, dass das Fest der Jugend dezentral von verschiedenen Veranstaltern organisiert wird, habe ich den Ruf verspürt, mich irgendwo einzubringen, damit andere Menschen eine Erfahrung Gottes machen können. Ich hatte diese Sehnsucht im Herzen, dass auch bei uns, in der Region Rheinland-Ruhrgebiet, Erweckung stattfindet.

Wie hat sich das Team dann zusammengefunden?

Es ist ein Zusammenschluss von einzelnen Personen und Gemeinschaften. Ich selbst stehe dem Apostelhaus Ratingen, einer Initiative des Regnum Christi, nahe. Von dort habe ich viele Freunde begeistern können. Dann sind wir schnell auf die „Brennenden Herzen“ zugegangen. Sie sind eine Gemeinschaft, die angeschlossen ist an die Zisterzienser in Heiligenkreuz, aber auch bei uns im Kloster Bochum-Stiepel. Außerdem konnten wir die Focus-Missionare gewinnen, die in der Studentenseelsorge in Düsseldorf wirken.

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Stattfinden wird das Pfingstfest in dem Wallfahrtsort Neviges, wo die Abbés der Gemeinschaft St. Martin wirken. Diese bereichern uns ebenfalls. Natürlich sind wir von Loretto geprägt, von ihnen haben wir das Konzept. Da ist ganz viel fruchtbarer Austausch. Was wir alles lernen dürfen von ihrer Erfahrung und ihrem Wissen, ist unglaublich.

Die Priestergemeinschaft ist offen dafür? St. Martin ist eher dafür bekannt, dass sie, gerade in der liturgischen Form, eher traditionell sind. Loretto hingegen ist in der liturgischen Form offen und arbeitet viel mit Freikirchen zusammen.

Ja, das durften wir in der Vorbereitung so erfahren. Es gibt eine unglaubliche Bandbreite an Spiritualitäten. Wir stehen hier nicht vor Herausforderungen, sondern bereichern uns gegenseitig. Viele lieben das charismatische Element, den Lobpreis, das Wirken des Heiligen Geistes. Die Priestergemeinschaft stellt uns die Räume zu Verfügung und wird auch dem Hochamt Sonntagfrüh vorstehen. Sie unterstützen das Event in einer Freiheit, in einer Gastfreundlichkeit, die unbeschreibbar ist.

Wie reagieren Pfarreistrukturen auf das Pfingstfest?

Ich bin sehr dankbar, dass wir im Erzbistum Köln auf offene Hände stoßen. Wir haben auch Kardinal Woelki eingeladen, der den Wunsch geäußert hat, zu kommen. Er ist unglaublich interessiert an dem Fest, was uns sehr freut. Auch der Generalvikar und die Diözesanjugendseelsorgearbeit unterstützen uns. Das ist unglaublich schön, welche Offenheit wir da erleben. Dessen waren wir uns vorher gar nicht bewusst.

Wir als Mitorganisatoren des Pfingstfestes wollen nicht abseits der Kirche stehen. Vielleicht machen wir Dinge anders, als man sie von der Pfarrei kennt. Aber wir wollen dieser Kirche dienen mit Aufbrüchen, mit tiefem Glauben, mit Gebet für die Kirche und unsere Hirten. Natürlich gibt es Personen, die sich in dieser Spiritualität nicht Zuhause fühlen, aber es ist ja alles freiwillig. Deshalb erleben wir ganz selten Ablehnung.

Was werden Besucher, die schon beim Fest der Jugend in Salzburg waren, wieder vorfinden?

Wir werden viele Punkte des Programms übernehmen. Die geistlichen Höhepunkte sind einmal der Abend der Barmherzigkeit, ein Abend der Umkehr, wo wir dazu aufrufen werden, die Beichte in Anspruch zu nehmen. Ebenfalls werden wir eine Lebensübergabe anbieten. Menschen können nach vorne kommen und dort ihr Leben in die Hände Gottes geben. Zusätzlich, wie schon selbstverständlich, wollen wir die Sakramente feiern, Katechesen und Impulse anbieten.
Besonders ist auch der Moment, wo man Freundschaften schließt. Wo man Leute kennen lernt, und in eine Tiefe kommt, die man mit seinen Freunden in der Schule oder am Arbeitsplatz gar nicht erreicht.

Habt ihr auch Spielraum, eigene Programmpunkte einzubauen oder ist alles von Loretto vorgegeben?

Nein, das erlebe ich als sehr gesund. Es gibt Programmpunkte, die werden dringlichst empfohlen. Dann gibt es einen Programmvorschlag, den wir großteils übernommen haben. Drittens, gibt es Raum für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Ich weiß von Veranstaltungen, wo Wallfahrten oder Partys stattfinden.

Was werdet Ihr in Neviges speziell anbieten?

Wir werden zu einem großen Teil das Programm von Loretto übernehmen. Sicherlich wird sich aufgrund des Wallfahrtsortes und des dort vorhandenen Gnadenbildes, ein Bild der unbefleckten Empfängnis der Muttergottes, eine Spiritualität um Maria ergeben. Statt wie in Salzburg beim Gebet für Stadt und Land auf die Festung zu steigen werden wir auf den Kreuzberg gehen, weil es ein sehr geistlicher Ort ist.

Erlebst Du unter den Jugendlichen Enttäuschung, dass es diesmal nicht das eine große Event im Salzburger Dom geben wird?

Ja, da gibt es beide Stimmen. Es gibt Menschen, für die war das Fest der Jugend in Salzburg so prägend, die haben dort den Glauben gefunden, für die gehört zum Pfingstfest diese Erfahrung der riesigen Gemeinschaft und auch dieses gesalbten Ortes von Salzburg. Wiederum andere sehen es als Chance, dass das Event diesmal vor der Haustür stattfindet. Sie können sich selbst mehr einbringen oder Freunde leichter mitnehmen. Es ist eine Bereicherung, diesen Schritt jetzt in die Welt zu gehen, das Aussenden der Idee und der Erweckungsbewegung, Zuhause erfahren zu dürfen.

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