Katholikentag

„Evangelisierung betrifft alle Gläubigen“

Wie kann man in der heutigen Gesellschaft noch über Gott sprechen? Damit beschäftigt sich ein Podium auf dem Katholikentag.
Podium zum Thema Evangelisierung
Foto: Oliver Gierens | In Deutschland sei es oft schwierig, über den Glauben zu sprechen, zudem stelle sich für viele Menschen in der Gesellschaft die Frage nach Gott nicht mehr, so Barbara Fischer (rechts).

„Neu wach werden für Evangelisierung“ – unter diesem Motto berichteten am Samstagmorgen auf dem Katholikentag in Stuttgart vier Menschen aus der Praxis, wie sie in ihrem Lebensumfeld von Gott Zeugnis geben. Die Charismatische Erneuerung hatte zu dieser Diskussion eingeladen – und war mit ihrer Pastoralen Mitarbeiterin Barbara Fischer auch selbst auf dem Podium vertreten. „Rede nicht über Gott, ohne dass Du danach gefragt wirst, sondern lebe so, dass man dich fragt“, brachte sie ihr Motto auf den Punkt.

Schwierig, über den Glauben zu sprechen

In Deutschland sei es oft schwierig, über den Glauben zu sprechen, zudem stelle sich für viele Menschen in der Gesellschaft die Frage nach Gott nicht mehr, so Fischer. Sie erlebe in vielen Gemeinden, dass Priester in ihren Predigten zu selten ein persönliches Zeugnis geben würden, stattdessen oft zu theoretisch predigten. Aber man dürfe auch nicht mit den Fingern auf Priester zeigen – Evangelisierung betreffe alle Gläubigen.

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Ein konkretes Projekt stellte Katharina Weiß von der Abteilung Evangelisierung im Bistum Augsburg vor. Bei der „Missionarischen Woche“, die immer in einer konkreten Pfarrei vorbereitet und durchgeführt würden, gingen Missionare zu zweit auf Hausbesuche, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Dabei kämen – trotz mancher Ablehnung – oft interessante Gespräche zustande, würden teilweise Lebensgeschichten erzählt. Es gelte, deutlich zu machen, dass man nichts von den Menschen wolle, sondern ihnen klar zu machen: „Ihr bekommt etwas von mir.“ So würden alle Besuchten eine Kerze erhalten, die oft wie ein Eisbrecher wirke.

„Wir machen das, weil wir Gott lieben“

Ferdinand von Degenfeld vertrat als Regionalverantwortlicher den Verein „Divine Renovation“. Er berät Pfarreien in punkto Mission. Es gehe darum, „Kulturveränderungen“ in den Gemeinden anzustoßen. „Die Verwaltung des Status quo reicht nicht mehr“, machte von Degenfeld deutlich. Die Gesellschaft, die automatisch christlich sei, existiere nicht mehr. Der Verein gehe in „stinknormale“ Pfarreien und versuche, den Pfarrer sowie die Leitungsteams zu erreichen – zum Teil mit gutem Erfolg. „Wir sehen in der Kirche, was passiert, wenn wir den Herrn endlich handeln lassen.“

Das bestätigt auch Mikhael Mitri. Der Elektrotechniker stammt ursprünglich aus dem Libanon, wohnt in Nürnberg und hat nach eigenen Angaben in einer persönlichen Lebenskrise zum Glauben an Gott gefunden. Beim Projekt „Streets of Gostenhof“ organisiert er mit einigen Mitstreitern in einem sozial schwierigen Umfeld Lebensmittel für Bedürftige, spricht Menschen auf der Straße auf ihren Glauben an. „Wir machen das, weil wir Gott lieben“, machte Mitri deutlich.

Lesen Sie weitere Hintergrundberichte und Reportagen vom Katholikentag in Stuttgart in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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