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Die Verstummten

Der Evangelische Kirchentag taumelt unter dem Druck der Realpolitik – ausgerechnet die Frauen wirken wie verstummt.
Katrin Göring-Eckardt  bekannte, sie werde immer frommer, je länger sie Politik mache.
Foto: IMAGO/Dwi Anoraganingrum (www.imago-images.de) | Katrin Göring-Eckardt bekannte, sie werde immer frommer, je länger sie Politik mache.

Der Evangelische Kirchentag in Nürnberg ist ohne substanzielle christliche Botschaft zu Ende gegangen. An Diskussionsstoff herrschte wahrlich kein Mangel. Die politische Großwetterlage überflutete die Veranstalter geradezu mit erstrangigen Fragen: Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, die Debatte, ob die ausgesetzte Wehrpflicht in Deutschland angesichts der Weltkriegsgefahr noch angemessen ist, die Zukunft des christlichen Pazifismus – all das dies schrie geradezu nach Antworten im Geiste Jesu und im Sinne der Bibel. Doch just das Paradepferd des Kirchentags – die Bibelarbeit – offenbarte die kranke protestantische Seele. Es fehlten schlicht die glaubwürdigen und kompetenten Protagonisten. Der Kirchentag schwelgte in Unterwerfungsritualen gegenüber der Politprominenz. So machte der aus der Kirche ausgetretene Bundeskanzler erwartungsgemäß nicht durch Schriftkompetenz von sich reden, sondern durch einen Migrantenwitz. 

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Ohne Käßmann

Unter dem Druck der Realpolitik schienen die Protestanten regelrecht zu verstummen. Katrin Göring-Eckharts Statement, sie werde, je länger sie Politik mache, immer frömmer, ging unter. Niemand hakte nach. Wie sich Christen selbst verzwergen, führten gerade die Frauen vor. Noch 2019 hatten sie sich beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund vernehmbar in die von der Mee-too-Bewegung angestoßene Sexismus-Debatte eingeschaltet. In Nürnberg duckten sie sich viel zu oft weg. Die Pazifistin Margot Käßmann, ein Urgestein der Kirchentage, war erst gar nicht gekommen und entzog sich kritischen Debatten.

Kein weiblicher Widerspruch

Wo blieb der lautstarke solidarische Protest gegen das Unrecht an den Frauen in der Ukraine? Nicht bloß auf Opfer des Ukrainekriegs muss eine Bibelarbeit mit der durch Russlandconnections aufgefallenen Ministerpräsidentin von Meckenburg-Vorpommern Manuela Schwesig (SPD) wie eine glatte Fehlbesetzung gewirkt haben. Es regte sich auch kein weiblicher Widerspruch, als der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz das Forum für persönliche Angriffe auf den Mitbruder in Köln benutzte. Was tun, wenn Altherrengeschwätz auf dem Kirchentag mehr öffentliche Aufmerksamkeit erregt als die Botschaft Jesu? Das ökumenische Feuer scheint im Protestantismus erloschen. Nur eine Rückkehr zur biblischen Quelle könnte es wieder anfachen.

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