Katholikentag

Bischof Bätzing für mehr Synodalität

Bischof Bätzing ruft bei einem Podium auf dem Katholikentag zu mehr Synodalität und einer größeren Beteiligung der Laien in der Kirche auf.
Bischof Georg Bätzing im Gespräch mit  Anna-Nicole Heinrich und Moderator Michael Kappes
Foto: Oliver Gierens | Bischof Georg Bätzing (r.) wirbt im Gespräch mit EKD-Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich (M.) und Moderator Michael Kappes für eine Ausweitung synodaler Strukturen in der katholischen Kirche.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, hat sich auf dem Katholikentag in Stuttgart erneut für mehr Synodalität, also die Mitwirkung von Laien an der Leitung der Kirche, ausgesprochen. Auf dem Podium mit dem Titel „Mehr Beteiligung wagen! Synodale Formen und Erfahrungen in den Kirchen“ kamen am Samstagnachmittag Vertreter verschiedener Konfessionen zusammen, um sich über synodale Strukturen in ihren jeweiligen Kirchen auszutauschen.

 

So machte Bätzing deutlich, dass Synodalität bereits im Zweiten Vatikanischen Konzil angelegt sei und seitdem bereits auf Ebene der Pfarreien und Bistümer durch Pfarrgemeinde- oder Diözesanpastoralräte ständig praktiziert werde. Außerdem gebe es die Möglichkeit von Diözesansynoden, wie er sie in Trier bereits als Generalvikar erlebt habe, sowie von Partikularkonzilen wie der Würzburger Synode in den 1970er Jahren.

Weiterentwicklung der Synodalität für viele eine „angstbesetzte Perspektive“

Zudem habe sich Papst Franziskus im Jahr 2015 in seiner „bahnbrechenden“ Rede zum 50-jährigen Jubiläum der Bischofssynoden im Jahr 2015 nachdrücklich für eine Weiterentwicklung des synodalen Prinzips ausgesprochen, so Bischof Bätzing. Für viele, so der Limburger Bischof, sei das eine „angstbesetzte Perspektive“. Dabei sei das „Bild des pilgernden Gottesvolkes“, welches das Zweite Vatikanische Konzil formuliert habe, nichts anderes als eine Übersetzung für Synode.

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Nachdrücklich forderte der Vorsitzende der Bischofskonferenz eine Fortsetzung des „Synodalen Weges“ in der deutschen Kirche und eine Umsetzung der Beschlüsse. Aufgrund mehrerer entsprechender Fragen aus dem Publikum rief Bätzing die Gläubigen auf, sich in die Debatte einzumischen: „Erinnern Sie ihre eigenen Bischöfe daran, was auf dem Synodalen Weg beschlossen worden ist.“ Die Kritiker seien sehr gut vernetzt und „sehr lautstark“. „Bringen Sie sich ein und sagen Sie es laut“, so Bätzing.

 

Für die Evangelische Kirche in Deutschland erklärte die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, dass die Synoden in den evangelischen Landeskirchen nicht nur beraten dürften, sondern auch konkrete Entscheidungskompetenzen hätten. Erzpriester Stefanos Athanasiou von der orthodoxen Metropolie der Schweiz erinnerte hingegen daran, dass eine Synode nicht nur ein rein parlamentarischer, sondern vor allem ein theologischer Prozess sei. Voraussetzung dafür sei die „Heiligkeit“, so der orthodoxe Erzpriester. Eine Mehrheit allein sei nicht der Garant des Weges, so Athanasiou.

Lesen Sie weitere Hintergrundberichte und Reportagen vom Katholikentag in Stuttgart in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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