Kommentar um "5 vor 12"

Bätzing zeigt Synodalität die rote Karte

Der DBK-Vorsitzende will keine öffentlichen Debatten mehr um den Synodalen Weg führen. Er habe auf Briefe bislang aus purer Höflichkeit geantwortet.
DBK-Vorsitzender Georg Bätzing
Foto: Nicolas Armer (dpa) | Für Bätzing wäre es klüger, sich jetzt mit Kritik auseinanderzusetzen, als wenn am Ende ein gewaltiges Nein aus Rom wie eine Bombe einschlägt

Das mit dem Briefeschreiben hat sich dann wohl erledigt. Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat es nicht so mit synodalen Brieffreundschaften. Er will künftig keine öffentlichen Schreiben mehr beantworten, hat er dem Erzbischof von Denver, Samuel J. Aquila, angekündigt. Dies entspreche „der üblichen Gepflogenheit.“ Auf den ersten offenen Brief habe er noch aus Respekt den Mitbrüdern gegenüber geantwortet. Reine Höflichkeit. Nur: Auf Aquilas persönlichen Brief hat Bätzing nie geantwortet. Ist es synodal, sich nur dann mit kritischen Stimmen auseinanderzusetzen, wenn man gerade höflich sein will? So strategisch richtig der Schritt in die Offensive (keine öffentlichen Briefe mehr) aus seiner Sicht sein mag, so entlarvend ist er: Mit dem Finito für öffentliche Debatten hat Bätzing jeder Synodalität offiziell die rote Karte gezeigt und noch einmal klargemacht: Nichts soll ihn davon abhalten, den eingeschlagenen Weg bis zum bitteren Ende fortzusetzen.

Von Transparenz und Synodalität kann keine Rede sein

Dabei wäre es geradezu notwendig, die weltweite communio in den Prozess mit einzubeziehen — dies zu tun hatte Bätzing mehrfach gelobt —, denn sie wird das deutsche Süppchen mit auslöffeln müssen. Wenn nun Kritik am Synodalen Weg, Bedenken und Sorgen nicht öffentlich ausgesprochen, gehört und durchdacht werden dürfen, kann von Transparenz und Synodalität schlichtweg keine Rede sein. Das zeigt auch die Tatsache, dass Bätzing nicht auf Aquilas konkrete Einwände eingeht, sondern vor allem wieder den Missbrauch vorschiebt. 

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Warum will Bätzing keine Öffentlichkeit? Aus Angst davor, dass zu viele mitbekommen, was sich hinter dieser „Missbrauchsaufarbeitung“ und den Lobenshymnen auf den Synodalen Weg wirklich verbirgt? Nämlich ein radikaler Umbau der Kirche durch meist linksliberale Funktionäre, die sich als Relikt des 19. Jahrhunderts mit Bischöfen zusammengeschlossen haben, um eine Lehre nach Zeitgeist und eigenem Gusto maßzuschneidern. Das Narrativ von komplexen systemischen Ursachen des Missbrauchs soll dabei helfen.

Warum will er auch die kirchliche Sexualmoral kippen?

Dann fragt man sich aber, warum Bätzing auch die kirchliche Sexualmoral kippen will? Ist die Sexualmoral für ihn auch eine systemische Ursache? Was antwortet man den Opfern, die sagen, sie hätten sich gewünscht, die Täter hätten sich an der kirchlichen Lehre orientiert? Dass sich das mit dem Missbrauch erledigt hat, sobald freier Sex mit jedem und zu jeder Zeit erlaubt und als menschenfreundliches Freiheitsidyll verkauft wird? Trugschluss! Er wird zunehmen, während die lebenslange Hingabe an einen Menschen und die Offenheit für Nachwuchs gegeißelt werden wird. Dann gelten alle, die der Lehre der Kirche treu bleiben — Papst Franziskus eingeschlossen —, als missbrauchsfördernde Lebensfreude-Killer. Die neuen Ketzer der Postpostmoderne. 

Es wäre klüger, sich jetzt mit Kritik auseinanderzusetzen, als wenn am Ende ein gewaltiges Nein aus Rom wie eine Bombe einschlägt, alle Hoffnungen der Synoden-Architekten zu Nichte macht und die Gräben innerhalb der katholischen Kirche nur noch weiter aufreißen. Apropos Rom: Wäre mal interessant, wie die Reaktion des DBK-Vorsitzenden ausfallen würde, wenn päpstliche Post ins bischöfliche Haus flattert: Tut mir leid, ich beantworte keine Briefe?

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