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Auf dem linken Auge blind

Die ZdK-Präsidentin geht auf Distanz zum Ex-DBK-Vorsitzenden Zollitsch. Der zurückgetretene Bischof Bode erhielt bis zuletzt Lob. Das liest sich für Betroffene wie Hohn.
Irme Stetter-Karp geht auf Distanz zum Ex-DBK-Vorsitzenden Zollitsch
Foto: Sebastian Gollnow (dpa) | ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp distanzierte sich nun in starken Worten vom früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch.

Die Wucht des Freiburger Missbrauchsgutachtens bringt das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in Verlegenheit. Dessen Präsidentin Irme Stetter-Karp distanzierte sich nun in starken Worten vom früheren Vorsitzenden der Deutsche Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Dieser sei „ein Heuchler, der bei der Aufarbeitung von Missbrauch das Kirchenrecht komplett ignoriert, die Öffentlichkeit belogen und Missbrauchstäter geschützt habe.“ Den von Zollitsch 2010 nach der Aufdeckung des Skandals organisierten Gesprächsprozess in der Kirche bezeichnete sie als Ablenkungsmanöver, mit dem die Probleme verkleistert werden sollten.

Die Aufarbeitung ist noch nicht zu Ende

Zweifellos haben sich die Hoffnungen, die vor zehn Jahren in den Dialogprozess gesetzt wurden, als unbegründet entpuppt. Aber hat das Zentralkomitee das Messen mit zweierlei Maß tatsächlich überwunden? Während des Synodalen Wegs scheinen manche auf dem linken Auge erblindet zu ein. Das überschwängliche Lob des Laienkomitees für den inzwischen zurückgetretenen Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode liest sich wie ein Hohn auf die Missbrauchsbetroffenen in dessen Bistum. Dem Mitstreiter auf dem Synodalen Weg wird „Mut als Bischof“, „visionäre Kraft für eine Erneuerung der Kirche“ nachgerühmt, die „neben vielem anderem“ bleiben werde. Weiter weg sein von der Opferperspektive kann man kaum. 

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Und die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in deutschen Bistümern ist noch nicht zu Ende. Insbesondere die Untersuchung im Bistum Trier wird für das Zentralkomitee weitere Fragen aufwerfen: Wie stellt sich das Gremium zu Kardinal Marx, einst Bischof in Trier, und Bischof Bätzing, vormals Generalvikar in Trier, wenn sich herausstellt, dass die bunten Fahnen des Synodalen Wegs aus Sicht der Betroffenen im Bistum Trier, eben nicht alles zudecken? Sollen Missbrauchsbetroffene künftig schweigen, wenn die Wunden der Vergangenheit angesichts mancher selbstbewusster bischöflicher Protagonisten des Synodalen Wegs wieder aufbrechen, um das lautstarke Reformlied auf die Kirche von morgen nicht zu stören?

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