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Der selige Niccolò Albergati OCart

Vom Einsiedler zum Kardinal in diplomatischem Auftrag: der selige Kartäuser war ein Mann vieler Talente.
Niccolò Albergati OCart blieb auch als Bischof den kartäusischen Idealen treu:
Foto: IMAGO/Filippo della Valle | Blieb auch als Bischof den kartäusischen Idealen treu: der selige Niccolò Albergati.

Südlich von Florenz liegt ein Klosterkomplex, der 600 Jahre von Kartäusermönchen bewohnt wurde, die in strenger Abgeschiedenheit, Schweigen und Gebet leben. Im 19. Jahrhundert wurde die Kartause von Florenz im Zuge der Säkularisierung aufgehoben, dann von Zisterziensern übernommen und seit 2017 von einer Gemeinschaft aus Priestern und Laien als Museum verwaltet. Zur Kartause gehören mehrere Kapellen, von denen eine das Grab von Kardinal Niccolò Albergati beherbergt, der dem Kartäuserorden angehörte und 1744 von Papst Benedikt XIV. seliggesprochen wurde. Sein liturgischer Gedenktag ist der 10. Mai.

Niccolò Albergati wurde 1375 in Bologna als Sohn einer adligen Familie geboren und war dabei, zum Doktor der Rechtswissenschaft zu promovieren, als er eines Nachts unterwegs von einem heftigen Gewitter überrascht an die Pforte des Kartäuserklosters seiner Stadt klopfte, um dort zu übernachten. Als er die Glocke hörte, die die Mönche zum Nachtoffizium rief, ging er in die Kirche und fühlte sich vom Gebet und Gesang der Mönche so angezogen, dass er beschloss, seine Karriere aufzugeben und Kartäuser zu werden. 1395, mit 20 Jahren, trat er in die Kartause von Bologna ein. Er wurde 1402 zum Priester geweiht und fünf Jahre später zum Prior gewählt. Unter seiner Leitung erlebte die Kartause von Bologna eine Blütezeit, so dass er zum Visitator aller Kartausen seiner Provinz ernannt wurde.

Am 14. Juli 1417 wurde Niccolò Albergati, nachdem er von seinem Ordensoberen die Erlaubnis erhalten hatte, außerhalb der Klausur zu leben, zum Bischof von Bologna geweiht. Er folgte weiterhin der strengen Disziplin der Kartäuser, trug das einfache Ordensgewand und ernährte sich wie bei den Kartäusern üblich vegetarisch. Wie zuvor sein Kloster, brachte er die Diözese zu großer Blüte, indem er eine geistliche Kirchenreform durchführte. Sein erfolgreiches Wirken blieb auch in Rom nicht unbemerkt, und so ernannte Papst Martin V. den Kartäuserbischof im Jahr 1410 zum Apostolischen Nuntius in Frankreich und drei Jahre später zum Kardinal, mit dem Auftrag, sein Reformwerk in Bologna fortzusetzen.

Diplomat mit geistlicher Weisheit

Anfang 1431 berief Martin V. das Konzil von Basel ein, um die Reform, die überall innerhalb der Kirche notwendig war, in richtige Bahnen zu lenken. Nachdem er am 2. Februar desselben Jahres verstorben war, wurde das Konzil am 21. Juli trotzdem eröffnet, gegen den Willen des neuen Papstes Eugen IV., der wenig Interesse daran zeigte und es im November wieder auflöste. Als das Konzil die päpstliche Auflösungsbulle ignorierte und unbeirrt weitertagte, ergab sich die Streitfrage, ob der Papst über dem Konzil stehe oder das Konzil über dem Papst. In dieser schwierigen Lage wählte Eugen IV. Niccolò Albergati aus, ihn als Apostolischer Nuntius auf dem Konzil zu vertreten. Tatsächlich gelang es dem Kartäuser, durch seine starke Persönlichkeit, seine diplomatischen Fähigkeiten und seine geistliche Weisheit darauf hinzuwirken, dass das Konzil am 19. April 1449 zu einem friedfertigen Abschluss gebracht werden konnte. Ein enger Berater Albergatis war dabei Tommaso Parentuccelli, der dem Kartäuser später als Bischof von Bologna nachfolgen sollte und anschließend als Nikolaus V. den Stuhl Petri bestieg, wobei er den Namen nach seinem Vorbild Albergati wählte.

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Am Konzil von Ferrara, das wegen einer Pestepidemie nach Florenz verlegt werden musste, nahm Albergati in diplomatischer Mission ebenfalls teil. Auch der Friede von Arras, eine wichtige Etappe zur Beilegung des Hundertjährigen Krieges, war zum Teil Albergati zu verdanken. Als er Eugen IV. den Friedensvertrag zeigte, soll dieser so erfreut gewesen sein, dass er den Kartäuser fragte, welchen Wunsch er ihm erfüllen könne, woraufhin dieser geantwortet haben soll, er würde gerne wieder als Mönch in die Kartause zurückkehren. Dazu kam es jedoch nicht, sondern Albergati verstarb am 9. Mai 1443 in Siena an einem Nierenleiden, während er Eugen IV. auf einer Reise begleitete.

Niccolò Albergatis Leichnam wurde zunächst in Bologna beigesetzt und nach seiner Seligsprechung in die Kartause von Florenz überführt; zahlreiche Reliquien von ihm werden in anderen Kartäuserklöstern aufbewahrt.

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