Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Replik auf Angriff auf Gebetshaus

Bernhard Meuser verteidigt Johannes Hartl

Meuser sieht im Angriff des liberalen Theologen Thomas Halagan auf Hartl vom Gebetshaus einen Vernichtungswillen gegenüber allen geistlichen Bewegungen, die auf Verkündigung setzen.
Bernhard Meuser verteidigt Johannes Hartl
Foto: Archiv | Der Theologe und Publizist Bernhard Meuser war Verlagsleiter des Pattloch Verlages; er initiierte verschiedene katechetische Werke, wie den YOUCAT und ist Gründer der Initiative "Neuer Anfang".

Bernhard Meuser hat in einer am Donnerstag bei "neueranfang.online" veröffentlichten Replik auf einen Text des Theologen Thomas Halagan aus dem Bistum Essen Johannes Hartl vom Gebetshaus Augsburg verteidigt. In seinem Text fragt er, ob Halagans Worte ein „Großangriff auf eine ganze Gruppe von Kirchenerneuerern oder schlicht Neid“ seien.  Halagan hatte diese Woche auf dem Internetportal „feinschwarz“ einen Artikel über „Abgründe eines kirchlich-populistischen Erfolgmodells“ veröffentlicht, in dem Hartl diffamiert wird.

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Der Text von Halagan lese sich so, „als könnte es Halagan nicht ertragen, dass Hartl etwas ist (ein theologischer ,Kopf‘), etwas hat (weltweiten Erfolg und viel Zustimmung gerade bei jüngeren Menschen), etwas gilt (als Autor, Leader und Sprecher), das Halagan nicht ist/hat/gilt“, schreibt Meuser. Er bezieht sich dabei auf ein Zitat von Helmut Schoeck, der in seinem Buch „Der Neid. Eine Theorie der Gesellschaft“ Neid so definiert: Neidisch sei der Mensch, „der es nicht ertragen kann, dass ein anderer etwas ist, kann, hat, gilt, das er selbst entbehrt, und der deshalb einen Lustgewinn darin findet, es beim anderen zerstört zu sehen, ohne es selber dadurch zu bekommen“.

Angriff auf eine weit verästelte, christenreiche Bewegung

Dabei sei laut Meuser nicht Hartl allein Zielscheibe des Angriffs durch den Essener Theologen, sondern „eine ganze, weit verästelte, christenreiche Bewegung“ — vom Gebetshaus über die Loretto-Gemeinschaft über Einzelne und Gruppen mit Heilungscharisma bis hin zu kontemplativen Klöstern.

Die meisten dieser Initiativen würden, so Meuser, bewusst die kirchenpolitische Auseinandersetzung meiden, „weil sie gerade Wichtigeres zu tun haben“. Sie sollten allerdings wissen, „dass es strukturell einflussreiche Kirchenkräfte gibt, die daran arbeiten, dass sie alle eines Tages nicht mehr dazugehören. Zur Kirche.“

Meuser: Hinter Halagans Vorwürfen steckt Angst

Dies erinnere an ein Ereignis aus dem Jahr 2018 als Liberale wie Magnus Striet und Ursula Nothelle-Wildfeuer eine „Breitseite gegen „Mission Manifest“ und die MEHR-Konferenz abfeuerten“. Mit der gleichen altruistischen Geste stelle Halagan heute „eine immer größer werdende Gruppe von Christen“, die ganz auf Jesus setzten, unter Sektenverdacht. Für Meuser steckt Angst dahinter; die Angst, die Deutungshoheit oder den Lehrstuhl zu verlieren. die Angst vor einem Zusammenbruch der „Bastionen struktureller Kirchenmacht“. 

Was nun wirft Halagen Hartl vor? Die Liste ist lang. Unter anderen kritisiert er mangelnde Wissenschaftlichkeit, die angebliche Konstruktion von Feindbildern wie „die Frauen, den Islam, die Gesellschaft, die Queeren oder neuerdings die Gen-Z“, von denen „ein behauptetes ‚christliches Wir‘ abgrenzbar“ werde. Er spricht von Theologie-Populismus, Pauschalisierung, Reduktion, Diskriminierung und eben „der für Populismus typischen Konstruktion eines ‚gefährlichen Gegenübers‘“. 

Rechtspopulismus und Nährboden spirituellen Missbrauchs?

Das bringt er dann in „Zusammenhang mit den rechtspopulistischen Strömungen Deutschlands und Trends der Rechtsradikalisierungen der westlichen Gesellschaften“. Die Zusammenkunft von „vorgegebener Wissenschaftlichkeit der Inhalte und einer anti-rationalistischen religiösen Praxis“ berge „ernstzunehmende Einfallstore für die Kommunikation (nicht nur) populistischer Inhalte“.

Hartl sei bestrebt, „sich von der Gemeinschaft der Kirche mit ihrer ausdifferenzierten Theologie abzuwenden und sich ganz auf die individuelle Beziehung zu Jesus zu berufen“. Es gehe nicht um „Vergemeinschaftung, sondern vielmehr als Katalysator individueller euphorischer Gemütszustände“, wirft er Hartl vor und im Grunde allen Erneuerungsbewegungen. Solche Bewegungen dürfen nach Halagan „wissenschaftlich und amtstheologisch nicht weiter unbeachtet bleiben“. Ihr liege eine „toxische Religiosität zugrunde, die letztlich einen Nährboden für spirituellen Missbrauch bereitet“.

Verhohlener Vernichtungswillen

Meuser sieht hinter Halagans Attacke einen verhohlenen Vernichtungswillen, den Ruf nach Inquisition und kontert mit dessen Worten: „Nach meinem Dafürhalten dürfen „Halagan & friends“ wissenschaftlich und amtstheologisch nicht unbeachtet bleiben. Es könnte sich bei ihnen ein toxischer Begriff von Glauben und Kirche festsetzen, der den Nährboden für spirituellen Missbrauch bildet und Menschen, die einen jesuanischen Anspruch auf missionarische Ansprache haben, vom Heil fernhält.“

Wahr sei, dass der heilige Geist im Gebetshaus eine zentrale Rolle spiele und dort leidenschaftlich verkündigt werde, so Meuser. „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen“, zitiert er den heiligen Ausgustinus und setzt ein weiteres Zitat aus dem apostolischen Schreien „Evangellii Gaudium“ oben drauf: „Gewinnen wir den Eifer zurück, mehren wir ihn und mit ihm die innige und tröstliche Freude der Verkündigung des Evangeliums, selbst wenn wir unter Tränen säen sollten […] Die Welt von heute, … möge die Frohbotschaft … von Dienern des Evangeliums [hören], deren Leben voller Glut erstrahlt, die als erste die Freude Christi in sich aufgenommen haben.“

Echte Zeugen braucht die Kirche

Es sei das Zeugnis, das zähle, wie es Vorbilder der Vergangenheit gezeigt hätten, stellt Meuser fest. Hartl befinde sich damit in guter Gesellschaft „der schier endlosen Kette großer und erfolgreicher Verkündiger von Paulus an“. Jesus selbst, so habe es der Philosoph Helmut Müller festgestellt, sei „Religionspopulist“ gewesen, „der mit unbedingtem Wahrheitsanspruch in eine schon damals komplexe Gesellschaft geboren wurde“.

Hartl könne man zudem „Vernunftfeindlichkeit schlecht unterstellen“. Bei ihm finde sich sowohl der intensive Schriftbezug, „wie zunehmend eine kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Philosophie“. Wie andere vor ihm habe Hartl es verstanden, „das Abgründige, Unfassbare, sie selbst unendlich Übersteigende elementar herunterzubrechen und glaubwürdig zu proklamieren“. Von solchen Leuten könne die Kirche nicht genug haben, so Meuser.  DT/dsc


Der Artikel von Thomas Halagan kann hier nachgelesen werden: https://www.feinschwarz.net/abgruende-eines-kirchlich-populistischen-erfolgsmodells/

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