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Der selige Stanislaw Kubski

Der polnische Priester starb auf einem Invalidentransport von Dachau nach Schloss Hartfiel. 1999 seliggesprochen, ist sein Gedenktag der 18. Mai.
Seliger Stanislaw  Kubski
Foto: IN | Der selige Stanislaw Kubski.

„Wir begegneten uns auf der Krankenstation des Lagers, Abteilung Häftlinge, die mit Krätze angesteckt waren. Er ist barfuß, im Schnee bei Temperatur um minus 12 Grad Celsius. Unsere Augen treffen sich. Klar begrüßt er mich: ,Laudetur Jesus Christus. Sei gegrüßt. Du bist auch hier? Gemeinsam wird es uns besser gehen.‘ Wir teilen eine Schlafstelle, genauer gesagt einen kleinen stinkenden Strohsack. Auf seinem abgemagerten Körper war keine gesunde Stelle.“

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So erinnerte sich der Priester Stanislaw Galecki an die Begegnung mit seinem Landsmann Stanislaw Kubski im Konzentrationslager Dachau im Winter 1940. Anders als Galecki, der die Lagerhaft überlebte, starb Kubicki auf einem Invalidentransport. 1999 seliggesprochen, ist sein Gedenktag in der Kirche der 18. Mai.

Kraft aus der Anbetung

Stanislaw Kubski wurde am 13. August 1876 in Ksiaz im Regierungsbezirk Bromberg, der damals zum Königreich Preußen gehörte, als Sohn polnischer Bauern geboren. Er besuchte das Gymnasium in Wagrowiec und trat 1897 in das Priesterseminar Poznan und Gniezko ein. Am 13. November 1900, im Alter von 25 Jahren, wurde er zum Priester geweiht, war anschließend als Kaplan in der Stadt Srem und dann als Pfarrer in Gniezko tätig, wo er auch als Stadtrat politische Verantwortung übernahm.

1919 bis 1921, im polnisch-sowjetischen Krieg, diente Kubski als Militärseelsorger und übernahm dann eine Pfarrei in der Stadt Inowroclaw. Er kümmerte sich um alle Gesellschaftsschichten, war wegen seiner Freundlichkeit und Güte sehr beliebt und gründete Wohltätigkeitsvereine. Seine geistliche Stärke empfing er vor allem aus der eucharistischen Anbetung, zu der er auch seine Kapläne anhielt. 1927 organisierte er, inzwischen als Dekan der Stadt, einen Eucharistischen Kongress in Inowroclaw und stand einem Verein vor, der die eucharistische Anbetung förderte. Im Priesterseminar und an den Schulen wirkte er als geistlicher Berater und Visitator. 1935 nahm er als offizieller Vertreter seiner Stadt am Eucharistischen Kongress in Budapest teil.

Sofort verhaftet

Am 2. September 1939, nur einen Tag nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wurde Pfarrer Kubski verhaftet, mit erhobenen Händen durch Inowroclaw geführt und gezwungen, die ganze Nacht kniend im Kasernenhof zu verharren. Seine Pfarrkirche wurde geschlossen und in eine Lagerhalle umgewandelt. Nach zweimonatigem Aufenthalt in einem Übergangslager wurde er im November in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er als Häftling registriert und dann nach Buchenwald überführt und zu Schwerstarbeit in einem Steinbruch gezwungen wurde.

Nachdem er sich 1940 dort die Hand gebrochen hatte, kam er nach Dachau zurück, wo die oben erwähnte Begegnung mit dem späteren Überlebenden Galecki stattfand.
Stanislaw Kubski erholte sich von diesen Qualen nicht mehr. Er wurde krank, der unzureichend versorgte Knochenbruch heilte nicht richtig, sein Körper war voller Wunden und Geschwüre. Trotzdem blieb er äußerlich heiter und ausgeglichen und betete, wann immer er konnte, den Rosenkranz mit Hilfe eines verknoteten Bindfadens.

Trost im Gebet

Als die in Dachau inhaftierten Priester in der Karwoche 1942 mit Strafexerzieren schikaniert wurden, ertrug er, wie der Überlebende Dezydery Wroblewski berichtete, „all die Schmerzen und Qualen mit einer Engelsgeduld. Er fand im Gebet Trost und Ermutigung und bestärkte die anderen mit guten Worten“.

Ende April 1942 wurde der 65-Jährige, auf 39,5 Kilo abgemagert, für arbeitsunfähig erklärt und kam auf die Liste eines sogenannten Invalidentransports – ein Euphemismus für den Tod durch Vergasung. Er trug dieses Todesurteil ruhig und mit Vertrauen auf Gott. Am 18. Mai bestieg er zusammen mit 59 weiteren Priestern einen Transport zum Euthanasiezentrum Schloss Hartheim in der Nähe von Linz, starb allerdings noch während des Transports unter ungeklärten Umständen; sein Leichnam wurde vermutlich im Münchner Krematorium verbrannt. Die Urne mit der Asche des seligen Stanislaw Kubski steht heute im Ehrenhain für die Opfer des Nationalsozialismus im Münchner Friedhof am Perlacher Forst.

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Claudia Kock Friedhöfe Jesus Christus Pfarrer und Pastoren Priesterseminare

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