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Weihbischof Graf: Kirche birgt göttliches Geheimnis

Die Kirche verliert nur scheinbar an Relevanz: Regensburger Weihbischof erinnert bei Pfingstprozession an die Kraft des Heiligen Geistes und das Gebet mit Maria.
Weihbischof Graf betont bei der Pfingstprozession in Maria Vesperbild die Bedeutung der Gottesmutter für die Kirche.
| Weihbischof Graf betont bei der Pfingstprozession in Maria Vesperbild die Bedeutung der Gottesmutter für die Kirche.

Man könnte meinen, Maria Vesperbild hat den Heiligen Petrus als Patron. Dem ist bekanntlich nicht so. Dennoch scheint der Himmelspförtner der „Schwäbischen Hauptstadt Mariens“ an den Prozessionstagen Pfingsten und Mariä Himmelfahrt besonders gewogen zu sein und bescherte ihr gutes Wetter. Somit war nicht nur die Wallfahrtskirche lange vor Messbeginn mit Pilgern, Blaskapelle, Fahnenabordnungen, den Mitgliedern des Ordens vom Heiligen Grabe zu Jerusalem und Journalisten gut gefüllt, ebenso waren die bestuhlten Plätze vor den beiden Außenbildschirmen besetzt. Dort durften auch die Stände von Radio Horeb und der Katholischen Sonntagszeitung nicht fehlen.

Nach dem feierlichen Einzug des liturgischen Dienstes mit einer stattlichen Anzahl an Ministranten und Klerus begrüßte der neue Wallfahrtsdirektor Michael Menzinger alle Pilger, vor allem den Gast aus der Diözese Regensburg, Weihbischof Josef Graf. Dieser freute sich über die Einladung: Es sei eine Ehre für ihn als Marienverehrer, da Maria Vesperbild ein sehr bekannter und großer Wallfahrtsort sei.  

„Religion ja, Kirche nein“?

Ihm habe, erzählte Weihbischof Graf in der Predigt, ein ehemaliger Klassenkamerad per WhatsApp die Worte geschrieben: „Was ist mit der Kirche los?“ Ausgehend hiervon legte Graf die unruhigen Zeiten der Kirche durch Missbrauchsskandale und kirchenpolitische Verwerfungen dar. Wie in seiner Gymnasialzeit in den 60er und 70ern sei der Slogan „Jesus ja, Kirche nein“, wieder zu hören. Heute sogar in einer radikalisierten Form als „Religion ja“, allerdings eine esoterische Religion nach eigenem Geschmack. Sogar „Religion ja, Gott nein“, wenn es darum gehe, vor einem Gott zu sein, dem man verantwortlich sei und der auf eine Antwort warte. Aus seiner eigenen familiären Erfahrung berichtete er, dass Menschen, die sich am Arbeitsplatz zu ihrem Glauben und Engagement in der Kirche bekennen, nicht nur Unverständnis entgegengebracht, sondern sogar der Vogel gezeigt werde. Solche Treue zur Kirche könne schmerzhaft sein. 

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Die Kirche aber berge ein göttliches Geheimnis, das etwas zu geben habe, dass die Welt sich selber nicht geben kann. Am Pfingsttag kommt der Heilige Geist auf die Apostel herab, als sie nach der Himmelfahrt Jesu „zusammen mit den Frauen und Maria einmütig im Gebet verharrten“. Die Kirche sei also von ihrem pfingstlichen Ursprung her zutiefst eine Gebetsgemeinschaft. Diskussionen und Beschlüsse gelängen am besten, wenn sie mit Maria eine Gebetsgemeinschaft bilde. Niemand könne besser mit und für uns beten wie Maria.  Die Marientheologie auf und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe besonders herausgestellt, dass Maria und die Kirche zusammengehören. „Maria ist Mutter und Urbild der Kirche“, betont Graf. Kirche sei die Sendung Jesu, die in den Jüngern weitergehe, die bis heute weitergehe. Das sei der apostolische Auftrag, die Aufgabe des kirchlichen Amtes bis heute.

Christusnachfolge ist Kreuzesnachfolge

Der Weihbischof rief die Gläubigen dazu auf, am Glauben der Kirche festzuhalten und der Kirche die Treue zu halten. Das Zeugnis und der in Freude gelebte Glaube jedes einzelnen Christen sei wertvoll. Auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis werde der Glaube an den Heilige Geist und die Kirche ganz eng zusammengerückt. Heiliger Geist und Kirche seien nicht voneinander zu trennen. Christusnachfolge ist Kreuzesnachfolge, für die gesamte Kirche wie auch für den Einzelnen. „Hier an diesem Ort der Schmerzensmutter dürfen wir alle unsere Lebenskreuze bringen“, so Graf. Sie bete und bitte wie damals mit den Aposteln mit und für uns.

Nach den Fürbitten und dem feierlichen zelebriertem Hochgebet, strömten die Gläubigen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche zu den Kommunionbänken. Im Anschluss an das Pontifikalamt formierte sich die Prozessionsaufstellung mit der Herz-Mariä-Statue im Zentrum für die Prozession mit Gesang, Gebet und Litaneien durch den „Dom der Natur“. Hier wurde sichtbar, was die Gemeinde im Gottesdienst gesungen hatte: „Da schreitet Christus durch die Zeit, in seiner Kirche Pilgerkleid, Gott lobend, Halleluja.“ Im Zentrum dieses Domes, der Fatima-Grotte, sprachen die Gläubigen am Ende der Feier gemeinsam die Marienweihe. Nach dem Pontifikalsegen erklang die Papsthymne, womit der offizielle Teil des Abends ausklang. Die Gläubigen hingegen verharrten noch länger vor der Madonna, um „mit ihr eine Gebetsgemeinschaft zu bilden“.

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