Tradition

Kardinal Sarah sieht sich getäuscht

Projektprofil wurde verschleiert. „From Benedict’s Peace to Francis‘s War“ soll publiziert worden sein, ohne einige der Autoren über das wahre Profil des Projekts zu informieren. Autoren teilweise im Widerspruch zum Lehramt.
Kardinal Robert Sarah
Foto: Koichi Kamoshida (EPA) | Kardinal Robert Sarah, hier im Bild bei einem Besuch in Japan, sieht sich von den Machern des Buches „From Benedict’s Peace to Francis‘s War“ getäuscht.

Wie das katholische Magazin Famille Chrétienne berichtet, sollen manche Autoren nicht gewusst haben, wer alles zu dem von Peter Kwasniewski, Professor für Theologie und Philosophie, herausgegebenen „From Benedict’s Peace to Francis’s War“ beigetragen hat. So seien laut dem Magazin der emeritierte Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Robert Sarah, sowie der Chefredakteur von „La Nef“, Christophe Geffroy, „nicht auf dem Laufenden darüber gehalten worden“, dass in derselben Publikation auch ein Text von Erzbischof Vigano enthalten ist, „einem erklärten Gegner von Papst Franziskus“, wie Famille Chrétienne schreibt.

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Gesammelte Texte 

Die Neuerscheinung versammle 70 Texte von 45 Verfassern und sei eine Zusammenstellung von Reaktionen auf das jüngste Motu Proprio des Papstes „Traditionis custodes“. Mit diesem am 16. Juli 2021 veröffentlichten Text hat Franziskus – so das Magazin – „das Motu Proprio Summorum Pontificum von Papst Benedikt aufgehoben und die Möglichkeit, die Messe gemäß der außerordentlichen Form des römischen Ritus zu feiern, erheblich eingeschränkt“. Das Buch bestehe aus „zahlreichen, sehr unterschiedlichen Beiträgen, die zumeist Artikeln aus Zeitungen oder Blogs entnommen sind, darunter Texte der Kardinäle Robert Sarah, Gerhard Ludwig Müller, Raymond Burke, Walter Brandmüller und Joseph Zen. Man findet hier auch sehr polemische Texte, insbesondere ein Pamphlet des ehemaligen Nuntius von Papst Franziskus in den Vereinigten Staaten, Carlo Maria Vigano, einem der heftigsten Kritiker des Papstes, der so weit ging, den Rücktritt des Papstes zu fordern“.

Kein Streit

Eine Kardinal Sarah sehr nahestehende Quelle habe gegenüber der Presseagentur I.MEDIA erklärt, dass der Prälat nur den Abdruck eines im Figaro veröffentlichten Gesprächs akzeptiert habe, das für den Band ins Englische übersetzt wurde. Kardinal Sarah, so habe die Quelle versichert, „wollte und will keinen Streit“. Wenn er „den Namen von Vigano gesehen hätte, dann hätte er sofort abgelehnt“. Als Sarah darüber hinaus vom „kampflustigen“ Wesen und Titel der Publikation erfahren habe, sei er „sehr betrübt“ gewesen.

Außerdem versichere die Quelle weiter, dass der Kardinal seine Zustimmung gegeben habe, ohne sich vorzustellen, dass seine Worte „instrumentalisiert“ würde von einer „politisierten Gruppe“, mit der er „absolut uneins“ sei.

Kardinal nicht informiert

Der französische Journalist und Chefredakteur des katholischen Monatsmagazins „La Nef“, von dem ebenfalls einige Beiträge in dem Werk veröffentlicht wurden, habe gegenüber I.MEDIA erklärt, dass auch er erst beim Empfang des fertigen Buchs von der Mitautorschaft von Erzbischof Vigano erfahren habe. Er betont: „Man hat mir vorgeschlagen, mehrere meiner Artikel aufzunehmen, die das Motu Proprio Traditionis custodes betrafen – ich habe nicht gedacht, mich inmitten dieser Namen wiederzufinden, darüber war ich nicht informiert gewesen“.

Er bedauere, so Famille Chrétienne weiter, das Vorhandensein mehrerer Texte, „die ihre Autoren in Widerspruch zum Lehramt der Kirche stellen, die beispielsweise das Zweite Vatikanische Konzil ablehnen“. Diese Schriften, so bedauere Geffroy, „geben Papst Franziskus darüber hinaus Recht, wenn er die traditionellen Milieus als im Widerspruch zum Zweiten Vatikanischen Konzil und zur reformierten Messe von Paul VI. stehend beschreibt“. Geffroy habe den Herausgeber des Bandes zudem über seine Unzufriedenheit informiert. I.MEDIA habe Kwasniewski kontaktiert, bis jetzt habe er nicht geantwortet, schreibt Famille Chrétienne. DT/ks

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