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Geht der „Rufer in der Wüste“?

Die Nachricht, dass Papst Franziskus den Rücktritt Kardinal Sarahs als Präfekt der Gottesdienstkongregation angenommen hat, sorgte für unterschiedliche Bewertungen in den katholischen Medien. Man darf sicher sein, dass Sarah auch künftig nicht schweigen wird.
Kardinal Robert Sarah
Foto: KNA | Als Kurienkardinal im Ruhestand wird der rüstige Westafrikaner noch mehr Zeit haben, für die Erneuerung der Kirche aus der Begegnung mit Gott zu werben.

Kardinal Robert Sarah ist in den Ruhestand getreten. Die überraschende Nachricht verbreitete sich am Wochenende wie ein Lauffeuer und fand denkbar unterschiedliche Bewertungen in den katholischen Medien.

Er wollte die Reform der Liturgiereform weiterführen

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Unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. war Sarah für die Mission und die humanitären Hilfsprogramme des Heiligen Stuhls verantwortlich; und als Papst Franziskus ihn 2014 zum Präfekten der Gottesdienstkongregation ernannte, wollte Sarah Benedikts „Reform der Liturgiereform“ weiterführen. 

Doch bereits nach kurzer Zeit signalisierte ihm der Papst sogar öffentlich, dass aus der Vorarbeit der Kongregation und ihrer Konsultoren nichts mehr werden sollte: Keine Förderung der Zelebration „versus orientem“, Stärkung der Bischofskonferenzen bei der Übersetzung liturgischer Texte – und eine Umbesetzung der Kongregation mit Mitgliedern, die den Reformidealen Ratzingers und Sarahs seit alters her kritisch gegenüberstanden. Schroffer konnte ein Papst eine Präfekten nicht ausbremsen. 

Gefragter geistlicher Lehrer

Fortan trat Sarah zunehmend als geistlicher Schriftsteller auf und stürmte mit seinen Bestsellern wie „Gott oder Nichts“ die Ranglisten nicht nur in Frankreich. Mit den radikalen Forderungen des Evangeliums und einer anspruchsvollen Spiritualität zog er gerade in Frankreich junge Menschen an und wurde zum gefragten geistlichen Lehrer, der in einer Kirche, die an innerer Auszehrung leidet, zum „Rufer in der Wüste“ wurde. 

Man darf sicher sein, dass der 75-jährige Sarah künftig nicht schweigen wird, wenn er sogar in der Kirche Gott immer mehr verschwinden sieht. Als Kurienkardinal im Ruhestand wird der rüstige Westafrikaner noch mehr Zeit haben, für die Erneuerung der Kirche aus der Begegnung mit Gott zu werben. Einer Begegnung, die für Sarah aus dem Gebet, der Stille und in den abgeschiedenen Räumen der Kirche - den Klöstern - erwächst, damit die Kirche auch morgen noch kraftvoll in der Welt Zeugnis zu geben vermag.

Lesen Sie ein Porträt von Kardinal Sarah in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Simon Kajan

Kirche