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Benedikt-Film: Eine polemische Anklage gegen die Kirche

"Verteidiger des Glaubens" ist ein extrem manipulativer Film, der unkritisch die üblichen Klischees ausbreitet, und im Grunde den katholischen Glauben vorführen will.
Papst Benedikt XVI. im Jahr 2014
Foto: Imago Images | „Jeder, der nur ein wenig Ahnung von der Person und vom Werk Ratzingers hat, kann nur den Kopf schütteln", so Peter Seewald über den Film.

3sat zeigt am Montag, den 21. Dezember um 22.25 Uhr den Film „Verteidiger des Glaubens“ über den emeritierten Papst Benedikt XVI – ein Film, der sich als polemische Anklage gegen die katholische Kirche entpuppt.

Als Diskussionsbeitrag nicht ernst zu nehmen

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Die Interviewpartner des Filmemachers Christoph Röhl machten deutlich, so der Ankündigungstext des Senders, „welche Rolle er beim Aufbau eines Machtsystems im Vatikan unter Papst Johannes Paul II. spielte und inwiefern er damit erheblich zu dem Vertrauensverlust beitrug, unter dem die katholische Kirche bis heute leidet“. Insbesondere in den Missbrauchsskandalen sei Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt um den Schutz des Ansehens der Kirche, nicht um das Schicksal der Opfer gegangen. 
 
Im Interview mit der „Tagespost“ sagte Peter Seewald, als der Film Mai 2019 ins Kino kam, der Film disqualifiziere sich durch seine manipulative, die Wahrheit verfälschende Machart: „Jeder, der nur ein wenig Ahnung von der Person und vom Werk Ratzingers hat, kann nur den Kopf schütteln. Der Film ist als Diskussionsbeitrag nicht ernst zu nehmen.“ Der Film zeige keine positiven Seiten des Papstes.

Die bekanntesten Ratzinger-Gegner versammelt

Verteidiger des Glaubens“ ist ein extrem manipulativer Film, der unkritisch die üblichen Klischees ausbreitet, und im Grunde den katholischen Glauben vorführen will. Das beginnt schon damit, dass Röhl das „Trauma“ bemüht, das Ratzinger als Theologieprofessor in Tübingen während der 1968er Revolte erlitten haben soll. In den Worten der „Vatikan-Expertin“ Christa Pongratz-Lippitt hört sich dies nach Küchenpsychologie an: „Es scheint ihn so traumatisiert zu haben, dass er seine Haltung zum Konzil änderte.“

Röhl versammelt in seinem Film die bekanntesten Gegner Ratzingers, etwa Professor Hermann Häring, der seit Jahrzehnten einen Kreuzzug gegen ihn führt. Röhl stellt ihn als Ratzinger-Schüler vor – in Wahrheit war er der Assistent von Hans Küng. Außerdem wurden die Statements von Georg Gänswein in einer Umkehrung dessen, was er eigentlich sagen wollte, so zusammengeschnitten, dass sie ins Schema des Films passen... oder einfach mitten im Satz weggeschnitten.

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