WIEN

Bischöfe für redlichen Diskurs mit dem Islam

Österreichs Bischofskonferenz sieht „Vormarsch islamistischer Spielformen politischer Religion“.

Erzbischof Franz Lackner
Erzbischof Franz Lackner präsentierte am Freitag in Wien die Ergebnisse der Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz, die in dieser Woche erstmals als Videokonferenz tagte. Foto: Stephan Baier

Auch nach dem islamistisch motivierten Terroranschlag in Wien, der am Allerseelen-Abend vier Menschen das Leben kostete, wollen Österreichs Bischöfe, die in dieser Woche erstmals virtuell tagten, „weiterhin den Weg der respektvollen Begegnung und des ehrlichen Dialogs mit dem Islam gehen“. Es müsse zugleich „ein redlicher Diskurs über die Gefahr von politisch instrumentalisierter Religion im Allgemeinen und zum Vormarsch islamistischer Spielformen politischer Religion geführt werden“, heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz, die am Freitag in Wien vorgestellt wurde.

Der Terroranschlag habe Österreich tief erschüttert und werfe Fragen auf. Er ziele darauf, die Gesellschaft zu spalten und das Zusammenleben zu zerstören, heißt es in der Erklärung der Bischöfe. Und weiter: „Nie darf der Namen Gottes benutzt werden, um Mord, Vertreibung, Terrorismus und Unterdrückung zu rechtfertigen. Daher ist jede religiöse Führungspersönlichkeit aufgerufen, wahrer Dialogpartner und Friedensstifter zu sein.“ Die Bischofskonferenz weist „jegliche pauschale Diffamierung von Religion“ zurück.

Impfen als Gewissensfrage, nicht als Pflicht

Angesichts der Corona-Pandemiebekennt sich Österreichs Bischofskonferenz zur Eigenverantwortung und weist Eingriffe des Staates in die Religionsfreiheit zurück. So habe man im Vorfeld des zweiten Lockdowns mit staatlichen Stellen die nötigen Maßnahmen vereinbart. Die Religionsfreiheit sei ein „sehr hohes Gut, das durch unsere Verfassung besonders geschützt ist. Eingriffe in dieses Grundrecht wie beispielsweise ein Aussetzen von öffentlichen Gottesdiensten sind so schwerwiegend, dass sie sehr gut begründet sein müssen, um nicht verfassungswidrig zu sein“, heißt es in einer Stellungnahme der Bischofskonferenz, deren Herbstvollversammlung als Videokonferenz stattfand. Die Kirchen bleiben in Österreich offen. Gottesdienste finden unter strengen Sicherheitsauflagen statt, allerdings werden Taufen, Erstkommunionen, Firmungen und Trauungen verschoben.

Auf eine Frage dieser Zeitung meinte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, ein Aufschub von Taufen und Trauungen sei „nicht auf Jahre, aber auf Wochen oder Monate“ möglich. Die Bischöfe hätten „die Regierenden sehr eindringlich gebeten, dass der Glaubensvollzug nicht eingeschränkt wird“.

Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg

(Erzbischof Franz Lackner - Foto: Stephan Baier)

Zu den jüngsten Nachrichten über einen baldigen Impfstoff meint die Bischofskonferenz in ihrer am Freitag vorgestellten Erklärung, „dass geeignete Impfstoffe immer auch weltweit zu vertretbaren Preisen zur Verfügung gestellt werden müssen“. Es dürfe hier keine nationalen Egoismen geben. Bei der Bereitschaft zur eigenen Impfung sollten sich Christen „durch Eigenverantwortung, Rücksicht und Solidarität auszeichnen“. Auf eine Frage der „Tagespost“ sprach sich Erzbischof Lackner jedoch gegen eine Impfpflicht aus: „Wir bauen hier auf Eigenverantwortung.“ Er vertraue auf „das soziale Gewissen der Christen“.

Große Einbußen bei Kollekten und Sammlungen

Als „eine Art Fastenzeit“ beschrieb Erzbischofs Lackner in der Pressekonferenz am Freitag in Wien die Corona-Zeit für die Gläubigen. Als er selbst an Ostern in Salzburg „in den leeren Dom hineingepredigt“ habe, habe er gedacht: „Man hat uns das Volk genommen.“ In jeder Not liege aber auch eine Gnade. In unseren Breiten gebe es auch unter Gläubigen allzu oft die Haltung eines Rechtsanspruchs. „Gott aber möchte manchmal mit weniger mehr tun“, hielt der Vorsitzende der Bischofskonferenz dem entgegen.

Von der „Tagespost“ auf die finanziellen Konsequenzen der Corona-Maßnahmen für die Kirchenfinanzen gefragt, bestätigte Erzbischof Lackner, dass es bereits „sehr große Einbußen“ bei den Kollekten und Sammlungen gebe. Der Einbruch bei der Kirchensteuer komme nach Angaben der kirchlichen Finanzexperten erst im kommenden Jahr. DT/sba

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