WIEN

Islamistischer Terror erschüttert Wien

IS-Sympathisant mordet in unmittelbarer Nähe der Wiener Synagoge. Kardinal Schönborn mahnt, auf Hass nicht mit Hass zu antworten. Allgemeine Betroffenheit in Österreich.
Gestern abend gab es in der Wiener Innenstadt einen Terroranschlag
Foto: photonews.at/Georges Schneider via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Gestern abend gab es in der Wiener Innenstadt einen Terroranschlag bei dem fünf Menschen getötet wurden und zumindest 18 Menschen teils schwer verletzt wurden.

Mindestens fünf Todesopfer und 18 Schwerverletzte forderte ein Terroranschlag in der Wiener Innenstadt am Montagabend. Der mit einem Sturmgewehr bewaffnete Attentäter, der selbst zu Tode kam, soll Sympathisant der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gewesen sein. Er feuerte offenbar wahllos in umliegende Lokale. Der Sprengstoffgürtel, den er trug, war nach Polizeiangaben eine Attrappe. Am letzten Abend vor dem Corona-bedingten Lockdown Österreichs war der 1. Bezirk Wiens stark belebt.

Nahe der Synagoge

Lesen Sie auch:

Der Terroranschlag, der in unmittelbarer Nähe der bereits geschlossenen Wiener Synagoge begann, hatte insgesamt sechs Tatorte. Das Innenministerium konnte am Dienstagvormittag nicht ausschließen, dass weitere Attentäter auf freiem Fuß seien. Der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister wollte sich am Dienstagmorgen nicht darauf festlegen, ob es sich um einen antisemitischen Terroranschlag handelte. Es sei ein Angriff auf Menschen und die Menschlichkeit, ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben in Wien gewesen, so Hofmeister. Alle Synagogen Österreichs sind vorerst geschlossen.

Gebet für die Opfer

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, rief bereits in der Nacht zum Gebet für die Opfer des Anschlags und für die Einsatzkräfte auf: „In diesen dramatischen Stunden bete ich mit vielen anderen, die über die Medien die tragischen Ereignisse im Herzen unserer Stadt mitverfolgen, für die Opfer, die Einsatzkräfte und dass es zu keinem weiteren Blutvergießen kommt.“ Die Schüsse unmittelbar vor dem Stadttempel der Israelitischen Glaubensgemeinschaft erinnerten ihn an das blutige Attentat auf die Synagoge im Jahr 1981. Am Vormittag sagte Kardinal Schönborn gegenüber dem ORF: „Wir hatten 40 Jahre keinen Terror in Österreich.“ Hass dürfe auf keinen Fall die Antwort sein, denn Hass führe wieder zu Hass.

Allgemeine Betroffenheit

„Tief betroffen und fassungslos“, zeigte sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) auf Facebook. „Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei den Betroffenen, ihren Familien und den Einsatzkräften. Mögen Sie den Einsatz wohlbehalten überstehen“, heißt es in der ersten IGGÖ-Stellungnahme. Die Islamische Glaubensgemeinschaft bot den Sicherheitsbehörden uneingeschränkte Kooperation an. DT/sba

Lesen Sie eine ausführliche Einordnung des Terroranschlags von Wien am Donnerstag in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

Weitere Artikel
Sehnsüchtig warten die Christen im Irak auf den Besuch des Heiligen Vaters. Doch nicht nur die Corona-Pandemie, auch der Terror könnte die Reise ins Wanken bringen.
22.01.2021, 11  Uhr
Stephan Baier
Themen & Autoren
Vorabmeldung Antisemitismus Islam Islamischer Staat Islamistischer Terror Synagogen Terroranschläge Terrorismus

Kirche

Hannelore Baier zeigt in „Überwachung und Infiltration“ die Unterdrückungsstrukturen des kommunistischen Regimes in Rumänien am Beispiel der Evangelischen Kirche auf.
04.07.2022, 07 Uhr
Jürgen Henkel
Wer lernt, überlebt: Was die Kirche in Deutschland vom Weltfamilientreffen mitnehmen sollte.
02.07.2022, 07 Uhr
Franziska Harter
Forschungsprojekt bringt einen Fall aus dem Erzbistum Paderborn ans Licht. Nach Angaben des Erzbistums hat Becker, zu jener Zeit Personaldezernent, gemäß der damaligen Rechtslage gehandelt.
01.07.2022, 11 Uhr
Meldung
Kirchliche Stimmen begrüßen die Aussicht auf besseren Lebensschutz Ungeborener – Deutscher Familienbischof kritisiert Härte der Auseinandersetzung .
03.07.2022, 19 Uhr
Maximilian Lutz
Der klassische römische Ritus ist weder tot noch in seiner Existenz gefährdet. Daran ändert auch das neue Papstschreiben nichts.
30.06.2022, 11 Uhr
Regina Einig