Trump

US-Medien: Trump ist weg, die Mediennutzer auch

Donald Trump hat das Weiße Haus verlassen. Prompt verlieren US-Zeitungen und Fernsehkanäle einen beträchtlichen Teil ihrer Leser und Zuschauer. Der Abwärtstrend liegt aber nicht nur am Ex-Präsidenten.

Donald Trump and Media
CNN hat es hart erwischt: Während das linksliberale Aushängeschild im Januar 2021 sogar dem konservativen Konkurrenz-Kanal und Platzhirsch Fox News den Rang ablaufen konnte, brachen die Einschaltquoten zur besten Sendezeit in den letzten Wochen um drastische 45 Prozent ein. Foto: dpa

Auch wenn Amerikas überwiegend linksliberal geprägte Medienlandschaft in ihrer Berichterstattung bejubelte, dass mit Joe Biden wieder ein ihr nahestehender, verbindlich auftretender Präsident im Weißen Haus sitzt –intern dürfte man in den Redaktionen von CNN, MSNBC, der Washington Post oder der New York Times nicht unbedingt in Feierlaune sein. Denn die Einschaltquoten der marktführenden TV-Sender und die Online-Klickzahlen der großen Zeitungen sind seit Trumps Abschied aus Washington deutlich gesunken.

Die Washington Post,die sich in den Händen des ehemaligen Amazon-Chefs Jeff Bezos befindet, berichtete jüngst selbst in einem ausführlichen Beitrag über das Phänomen. Im Februar ist demnach die Zahl der Online-Leser im Vergleich zum Vormonat um 26 Prozent eingebrochen. Und auch im Jahresvergleich mit dem Februar 2020 steht ein Minus von sieben Prozent. Auch das Konkurrenzblatt Nr. 1 des linken US-Qualitätsjournalismus, die New York Times, verzeichnete ähnliche Einbußen. Im Vergleich zum Januar verlor die Times im Februar 17 Prozent ihrer Nutzer, im Vorjahresvergleich 16 Prozent.

Rasanter Abwärtstrend

Trump verabschiedet sich
Trump verabschiedet sich. Foto: Evan Vucci (AP)

Richtet man den Blick auf den TV-Bildschirm, bestätigt sich der Abwärtstrend. Am härtesten hat es CNN erwischt: Während das linksliberale Aushängeschild im Januar 2021 sogar dem konservativen Konkurrenz-Kanal und Platzhirsch Fox News den Rang ablaufen konnte, brachen die Einschaltquoten zur besten Sendezeit in den letzten Wochen um drastische 45 Prozent ein. Für den ebenfalls links zu verortenden Kanal MSNCB gingen die Werte zwar nicht ganz so deutlich in den Keller – es steht aber dennoch ein Minus von 26 Prozent im Vergleich zum Januar. Fox News hingegen konnte die Position des Marktführers in der Fernsehbranche zurückerobern – der Kanal, der lange als Trumps Lieblingssender galt, verzeichnete nur einen verhaltenen Quoten-Rückgang von sechs Prozent.

Der ehemalige Präsident Trump, so scheint es zumindest, hat diese massiven Abwärtstendenzen schon länger prophezeit. Bereits im Jahr 2017 hatte er gegenüber der New York Times erklärt: „Zeitungen, das Fernsehen, ja alle Medienformate werden abstürzen, wenn ich nicht mehr da bin.“ Ohne ihn würden die Zugriffswerte „den Bach runtergehen“.

Jeden Schritt, jeden Fehltritt, jedes Wort Trumps
griff man bereitwillig auf.

In der Tat war zuvor über Jahre hinweg das komplett gegenteilige Phänomen zu beobachten. Quasi seit 2015, als der damalige Reality-TV-Star Trump im Rennen um die Präsidentschaftsnominierung der Republikaner seinen Hut in den Ring warf, schnellten Einschaltquoten von TV-Sendern sowie Klickzahlen und Online-Abos von Zeitungen drastisch nach oben. Allein die New York Times verzeichnete vom Beginn der Trump-Ära im Jahr 2016 bis zu seiner Abwahl 2020 einen sprunghaften Abo-Zugewinn von drei auf 7,5 Millionen. Insofern erwies sich Trump für die Medien als regelrechte „Cash Cow“ – kaum eine andere Präsidentschaft stieß wohl auf derart großes Interesse unter Amerikas Bürgern wie die Trumps. Und die Medien bedienten jenes Interesse, mit einer Berichterstattung, fast schon rund um die Uhr. Jeden Schritt, jeden Fehltritt, jedes Wort Trumps griff man bereitwillig auf.

Unabhängig davon, ob die Berichterstattung zu seinen Gunsten verlief oder ihn kritisch bis offen feindselig beleuchtete – für Trump kam all dies kostenloser Werbung gleich. Die Rolle, die die Medien so bei seinem Wahlsieg 2016 spielten, ist daher keinesfalls zu unterschätzen. Gerade die äußerst kritischen Berichte linksliberaler Formate erzielten in der polarisierten US-Gesellschaft oft das Gegenteil der gewünschten Wirkung: Anstatt die Bürger von ihm abzuschrecken, trieben sie Trump viele Wähler in die Arme, da sie den Republikaner unfair behandelt sahen.

Mit Biden tritt Ruhe ein

Nun sind die exzellenten Quoten und Klickzahlen des Jahres 2020 und auch das Januars 2021 keinesfalls nur Trump zu verdanken. Vielmehr erlebten die USA einfach auch eine sehr turbulente Zeit. Die Ausbreitung des Coronavirus; die teilweise eskalierenden Proteste gegen übermäßige Polizeigewalt im Umgang mit Schwarzen; schließlich der Präsidentschaftswahlkampf und das Schauspiel rund um Trumps These des großflächigen Wahlbetrugs – all das ereignete sich innerhalb gut eines Jahres. Und hielt das Interesse der Nutzer dauerhaft auf einem hohen Niveau.

Die großen Medienhäuser wussten schon länger, dass mit Joe Biden wohl erst einmal etwas Ruhe einkehren würde. Sowohl, was das sich überschlagende politische Geschehen betrifft, wie auch das Interesse der Bürger an der Berichterstattung. Bleibt die Frage, wie die US-Medien sich für eine womöglich langfristig Trump-freie Zukunft rüsten wollen. Die Washington Post kündigte bereits an, als ersten Schritt das journalistische Angebot zu erweitern. Man sei derzeit dabei, mehr als 1000 Journalisten anzustellen. Erweitern will man das Angebot internationaler Nachrichten sowie die Berichterstattung zu den Themen Gleichberechtigung von Minderheiten und Identitätspolitik. Über die linksliberale Blase hinaus wird man damit kaum Zugewinne generieren.

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