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Mike Pence: Werde Trump bei den Wahlen nicht unterstützen

Er könne sich nicht „guten Gewissens“ hinter seinen ehemaligen Vorgesetzten stellen, so der Ex-Vizepräsident. Zwischen ihm und Trump gebe es „tiefgreifende Unterschiede“.
Der ehemalige Vizepräsident Mike Pence
Foto: IMAGO/Gage Skidmore (www.imago-images.de) | Wörtlich erklärte Pence: „Donald Trump verfolgt eine Agenda, die im Widerspruch zu der konservativen Agenda steht, die wir während unserer vier Jahren im Weißen Haus durchgesetzt haben.“

Der frühere US-Vizepräsident Mike Pence wird den Republikaner Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf nicht unterstützen. Pence, der von 2017 bis 2021 als Trumps Stellvertreter fungierte, erklärte am Wochenende im Gespräch mit dem TV-Sender „Fox News“: „Es dürfte keine Überraschung sein, dass ich Donald Trump dieses Jahr nicht unterstütze.“ Er könne dies nicht „guten Gewissens“ tun, so der 64-Jährige.

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Pence, der seine eigene Präsidentschaftskandidatur vergangenen Oktober zurückgezogen hatte, betonte, er sei „unglaublich stolz“ auf die Bilanz der Trump-Regierung. „Es waren konservative Errungenschaften, die Amerikas Wohlstand und Sicherheit gesteigert haben.“ Während seines Präsidentschaftswahlkampfes habe er jedoch bereits deutlich gemacht, „dass es tiefgreifende Unterschiede zwischen mir und Präsident Trump hinsichtlich einer Reihe von Themen gibt“.

Pence: Trumps Agenda im Widerspruch zu konservativen Prinzipien

Diese Unterschiede, so Pence, bestünden nicht nur in der Einschätzung der verfassungsgemäßen Pflichten eines Vizepräsidenten, wie er sie beim Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 erfüllt habe. Vielmehr sehe er, dass sich Trump mit seiner Kandidatur „entfernt von unserer Verpflichtung, die Staatsschulden zu reduzieren, ich sehe, dass er bezüglich der unbedingten Schutzbedürftigkeit des menschlichen Lebens einen Rückzieher macht“. Damit dürfte sich Pence auf Medienberichte bezogen haben, wonach Trump im Falle seiner Wiederwahl vorhabe, Abtreibungen bundesweit bis zur 16. Schwangerschaftswoche zu erlauben.

Wörtlich erklärte Pence: „Donald Trump verfolgt eine Agenda, die im Widerspruch zu der konservativen Agenda steht, die wir während unserer vier Jahren im Weißen Haus durchgesetzt haben.“ Er werde seine Kraft nun darauf verwenden, den Wählern zu zeigen, „wofür wir stehen sollten. Und das ist die breite, klassische konservative Agenda, die unsere Partei schon immer ausgemacht und Amerika stark, wohlhabend und frei gemacht hat“. Seine Prinzipien seien ein schlanker Staat, die Treue zur Verfassung, die Verpflichtung zu einer starken Verteidigung und zu Amerikas Rolle als globale Führungsmacht sowie zu traditionellen Werten.

„Ich würde nie für Joe Biden stimmen"

Offen ließ Pence die Frage, für wen er im November stimmen werde, betonte jedoch gleichzeitig: „Ich würde nie für Joe Biden stimmen.“ Der amtierende demokratische Präsident liegt in Umfragen derzeit hinter seinem Herausforderer Trump. Indes sind offenbar nur wenige US-Bürger davon überzeugt, dass Biden ein frommer Katholik sei, was dieser im Laufe seiner Karriere jedoch immer wieder betonte. Aus einer aktuellen Umfrage des in Washington ansässigen „Pew Research Center“ geht hervor, dass nur 13 Prozent der Amerikaner Biden für „sehr religiös“ halten. 41 Prozent halten den Präsidenten demnach für „ein bisschen religiös“, während 44 Prozent der Meinung sind, Biden sei „kaum“ oder „überhaupt nicht religiös“.

Bei den Wahlen 2020 waren die Katholiken gespalten: Etwa 50 Prozent stimmten für Trump, 49 Prozent für Biden. Der Demokrat polarisiert insbesondere aufgrund seiner Haltung in der Abtreibungsfrage. Als Privatperson lehne er Abtreibungen ab, so Biden; als Politiker machte er sich vor allem in den vergangenen Jahren zunehmend für einen freien Zugang zu Abtreibungen stark.  DT/mlu

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