Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach Aiwanger-Affäre

Rekordumfrageergebnis für Freie Wähler in Bayern

Die „Flugblatt-Affäre“ scheint weder Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger noch seiner Partei geschadet zu haben.
Hubert Aiwanger, Freie-Wähler-Chef
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Der bayerische Landtagswahlkampf wird von der Affäre um ein antisemitisches Flugblatt, dass in Aiwangers Schulzeit in dessen Schulranzen gefunden wurde.

Die erste Umfrage zur Landtagswahl in Bayern seit der „Flugblatt-Affäre“ um Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger kennt einen überraschenden Gewinner. Denn ausgerechnet die Partei des stark in der Kritik stehenden stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten kommt darin auf einen Rekordwert. In der am Dienstag veröffentlichten Erhebung des Instituts Insa für „Bild“ verbuchen die Freien Wähler ein Plus von vier Prozentpunkten und kommen nun auf 15 Prozent.

Freie Wähler lösen Grüne als zweitstärkste Partei ab

Alle anderen Parteien hingegen müssen Verluste hinnehmen: Die CSU von Ministerpräsident Markus Söder liegt bei 37 Prozent und büßt damit einen Punkt gegenüber der Insa-Umfrage von Ende Juli ein. Auch die Grünen verschlechtern sich um einen Punkt auf 14 Prozent: Die Partei liegt nun gleichauf mit der AfD – außerdem verliert sie ihren bisherigen Status als zweitstärkste Partei im Freistaat an die Freien Wähler. Zudem büßt die SPD zwei Punkte ein und kommt in der aktuellen Umfrage auf neun Prozent. Die FDP liegt bei vier Prozent und würde damit ebenso wie die Linkspartei (3 Prozent) den Einzug in den Landtag verpassen.

Lesen Sie auch:

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte zudem in einer Umfrage für die TV-Sender RTL/ntv eine deutliche Zustimmung für die Entscheidung von Söder gemessen, Wirtschaftsminister Aiwanger nicht zu entlassen. Danach halten 58 Prozent der Befragten es für richtig, dass Aiwanger im Amt bleibt. Nur 24 Prozent der Befragten glauben, dass es dem Ansehen Bayerns und Deutschlands schadet, dass Aiwanger nicht entlassen wurde. 74 Prozent glauben dies aber nicht. 

Charlotte Knobloch lehnt Entschuldigung Aiwangers ab

Der bayerische Landtagswahlkampf wird von der Affäre um ein antisemitisches Flugblatt, dass in Aiwangers Schulzeit in dessen Schulranzen gefunden wurde, überschattet, worüber die „Süddeutsche Zeitung“ zuerst berichtete. Der Freie Wähler-Chef gab zu, dass Exemplare des Flugblatts in seinem Schulranzen gefunden wurden, bestritt aber, wie von der „SZ“ behauptet, der Urheber zu sein - später erklärte sein Bruder Helmut Aiwanger, er habe das Flugblatt verfasst.

Eine an die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern gerichtete Entschuldigung Aiwangers lehnte deren Vorsitzende, Charlotte Knobloch, ab. Knobloch bekräftigte im Deutschlandfunk, dass sie die Entscheidung von Bayerns Ministerpräsident Söder, an Aiwanger als seinem Vize festzuhalten, nur deswegen als politisch zu akzeptieren betrachte, da sie befürchtet habe, dass Aiwanger die Situation im Falle einer Entlassung für sich ausgenutzt und damit Erfolg gehabt hätte. Dies wäre aus ihrer Sicht die größere Katastrophe gewesen. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, wirft Aiwanger aufgrund seiner Ansicht, Opfer einer "Schmutzkampagne" zu sein, eine Täter-Opfer-Umkehr vor.  DT/sta

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Alternative für Deutschland CSU Charlotte Knobloch FDP Forsa-Institut Freie Wähler Hubert Aiwanger Josef Schuster Landtagswahlen in Bayern Markus Söder SPD Zentralrat der Juden in Deutschland

Weitere Artikel

Religionsunterricht ist wichtig, aber nur, wenn er nicht zur reinen Sozialkunde verkommt.
07.02.2024, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch

Kirche

Der Selige ahnte seinen Tod und die Todesart. Er bat um die Gnade, dass mit seinem Blut seine Sünden abgewaschen werden.
13.06.2024, 21 Uhr
Claudia Kock
Rom will im ökumenischen Dialog über die Ausübung des päpstlichen Primats weiterkommen und denkt an eine Neubewertung des Unfehlbarkeits-Dogmas.
13.06.2024, 11 Uhr
Guido Horst