Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Sasses Woche in Berlin

Aiwanger will nach Berlin, der CSU muss das stinken

Sollte das neue Wahlrecht tatsächlich kommen, braucht die CSU jede bayerische Stimme, um die Fünf-Prozent-Hürde bundesweit zu nehmen.
Hubert Aiwanger, stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Hubert Aiwanger sieht seine Freien Wähler in einer Lücke zwischen der Union und der AfD. Und so hofft er aus beiden Richtungen Unterstützer für seine Truppe abzuzwacken.

Hubert Aiwanger will in den Bundestag. Nein, angesichts dieser Ankündigung wackelt noch nicht das Brandenburger Tor. Trotzdem: Der Plan des Bierzeltkönigs aus Niederbayern wirkt zumindest auf Wähler rechts der Mitte elektrisierend. Aiwanger sieht seine Freien Wähler nämlich in einer Lücke zwischen der Union und der AfD. Und so hofft er aus beiden Richtungen Unterstützer für seine Truppe abzuzwacken.

Lesen Sie auch:

Der jetzt noch bayerische Wirtschaftsminister träumt davon, das gleiche Amt auf Bundesebene auszuüben, in einer Bayern-Koalition in groß. Also mit der Union als Seniorpartner. Dafür hofft er, auch frustrierte FDP-Wähler rüber zu ziehen. Und dann, so die Rechnung, müsste es klappen. 

Die Schwarzen brauchen jede bayerische Stimme

Sasses Woche in Berlin
Foto: privat / dpa/Montage pwi | Woche für Woche berichtet unser Berlinkorrespondent in seiner Kolumne über aktuelles aus der Bundeshauptstadt.

Doch zwei große Aber: Die bayerischen Freien Wähler sind nicht die deutschen Freien Wähler. Auf die weiß-blauen Anhänger Aiwangers passt das Mitte-Rechts-Profil, aber für die Freien Wähler insgesamt sieht das anders aus. Im Ländle etwa flirtet Grünen-Dissident Boris Palmer mit ihnen. Der ist sicher kein Linker, aber eben auch kein politischer Zwilling Aiwangers. Außerdem kann es der Tübinger Oberbürgermeister auch rhetorisch mit dem Niederbayern aufnehmen. In Palmer könnte Aiwanger also ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen.

Und dann ist da noch das Wahlrecht. Sollte die von der Ampel geplante Änderung tatsächlich Bestand haben, dann muss die CSU es unbedingt schaffen, auch bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken. Und das ist durchaus sportlich, schließlich tritt die CSU nur im Freistaat an. Die Schwarzen brauchen also wirklich jede bayerische Stimme, um dieses Ziel zu erreichen. Das heißt: Egal ob Partner in München oder potentieller Bündnisgenosse in Berlin, der Wahlkampf gegen Aiwangers Freie Wähler muss hart sein. Die CSU hat nichts zu verschenken. Will Hubert Aiwanger also wirklich in die Hauptstadt, er wird sich anstrengen müssen.  

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Alternative für Deutschland Boris Palmer CSU Deutscher Bundestag Freie Wähler Hubert Aiwanger

Weitere Artikel

Bei allen, die in der Debatte um das Schuldenpaket ihre Hoffnung auf Aiwangers Widerstandsgeist setzten, ist dieser erstmal unten durch. Aber er beweist mit seinem Einlenken Format.
19.03.2025, 21 Uhr
Sebastian Sasse
Nikola Eterović ist Ende April als Nuntius ausgeschieden. Er hat sich auch grundsätzlich mit den Möglichkeiten der päpstlichen Diplomatie auseinandergesetzt.
16.05.2026, 19 Uhr
Michael Feldkamp

Kirche

Thommy Schott ist mehr als ein Anwalt. Der fünffache Familienvater setzt sich mit seinem Verein Pro Fide Ecclesiae auch für seinen Glauben ein.
24.07.2026, 09 Uhr
Regina Einig
Tech-Milliardär Peter Thiel ist fasziniert vom Antichristen und sieht in Papst Benedikt XVI. einen zögerlichen Verbündeten. Was dabei völlig fehlt, ist ein Blick in den Spiegel.
24.07.2026, 13 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die Bischöfe stecken in einer lähmenden Doppelbindungssituation zwischen Vorgaben Roms und synodalen Erwartungen in Deutschland. Marx gibt diesen Konflikt an seine Seelsorger weiter.
23.07.2026, 07 Uhr
Benjamin Leven
Sie haben Fragen, er hat es nicht eilig: Nach der Empfehlung des Münchner Erzbischofs zugunsten von Segensfeiern für irreguläre Beziehungen regt sich erstmals Unmut im Klerus.
23.07.2026, 07 Uhr
Jakob Ranke
Die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen wollen eine gemeinsame Katholisch-Theologische Fakultät gründen. Dabei hat der Vatikan ein Wort mitzureden.
23.07.2026, 15 Uhr
Benjamin Leven