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Aiwanger will nach Berlin, der CSU muss das stinken

Sollte das neue Wahlrecht tatsächlich kommen, braucht die CSU jede bayerische Stimme, um die Fünf-Prozent-Hürde bundesweit zu nehmen.
Hubert Aiwanger, stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Hubert Aiwanger sieht seine Freien Wähler in einer Lücke zwischen der Union und der AfD. Und so hofft er aus beiden Richtungen Unterstützer für seine Truppe abzuzwacken.

Hubert Aiwanger will in den Bundestag. Nein, angesichts dieser Ankündigung wackelt noch nicht das Brandenburger Tor. Trotzdem: Der Plan des Bierzeltkönigs aus Niederbayern wirkt zumindest auf Wähler rechts der Mitte elektrisierend. Aiwanger sieht seine Freien Wähler nämlich in einer Lücke zwischen der Union und der AfD. Und so hofft er aus beiden Richtungen Unterstützer für seine Truppe abzuzwacken.

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Der jetzt noch bayerische Wirtschaftsminister träumt davon, das gleiche Amt auf Bundesebene auszuüben, in einer Bayern-Koalition in groß. Also mit der Union als Seniorpartner. Dafür hofft er, auch frustrierte FDP-Wähler rüber zu ziehen. Und dann, so die Rechnung, müsste es klappen. 

Die Schwarzen brauchen jede bayerische Stimme

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Foto: privat / dpa | Woche für Woche berichtet unser Berlinkorrespondent in seiner Kolumne über aktuelles aus der Bundeshauptstadt.

Doch zwei große Aber: Die bayerischen Freien Wähler sind nicht die deutschen Freien Wähler. Auf die weiß-blauen Anhänger Aiwangers passt das Mitte-Rechts-Profil, aber für die Freien Wähler insgesamt sieht das anders aus. Im Ländle etwa flirtet Grünen-Dissident Boris Palmer mit ihnen. Der ist sicher kein Linker, aber eben auch kein politischer Zwilling Aiwangers. Außerdem kann es der Tübinger Oberbürgermeister auch rhetorisch mit dem Niederbayern aufnehmen. In Palmer könnte Aiwanger also ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen.

Und dann ist da noch das Wahlrecht. Sollte die von der Ampel geplante Änderung tatsächlich Bestand haben, dann muss die CSU es unbedingt schaffen, auch bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken. Und das ist durchaus sportlich, schließlich tritt die CSU nur im Freistaat an. Die Schwarzen brauchen also wirklich jede bayerische Stimme, um dieses Ziel zu erreichen. Das heißt: Egal ob Partner in München oder potentieller Bündnisgenosse in Berlin, der Wahlkampf gegen Aiwangers Freie Wähler muss hart sein. Die CSU hat nichts zu verschenken. Will Hubert Aiwanger also wirklich in die Hauptstadt, er wird sich anstrengen müssen.  

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