Kommentar um "5 vor 12"

Raus aus den Hinterzimmern, rein in die Öffentlichkeit

Schluss mit dem Briefeschreiben: Warum die katholischen Verbände die Präsidentin des ZdK öffentlich kritisieren müssen.
Ulrich Hemel, Präsident des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), gratuliert Irme Stetter-Karp
Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa) | Der unterlegene Kandidat für das Amt des Präsidenten, Ulrich Hemel, Präsident des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), gratuliert Irme Stetter-Karp, der neuen Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen ...

Die „correctio fraterna“, die „brüderliche Zurechtweisung“, liebevoll und unter vier Augen erteilt, ist in der katholischen Kirche – wie so manche andere Tugendübung auch – aus der Mode gekommen. Das kann nicht wundern, setzt sie doch voraus, dass einem am Fortschritt des anderen in der Nachfolge Christi etwas liegt und dieser Weg überdies von beiden auch tatsächlich beschritten wird.

Weggemeinschaften solcher Art finden sich allenfalls noch in Orden und geistlichen Gemeinschaften. Im katholischen Verbandskatholizismus wird man sie heute hingegen wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen müssen. Sollten sich also Katholiken nicht freuen, wenn der Bundesvorsitzende des BKU, Ulrich Hemel, der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, eine solche „correctio“ nun schriftlich zukommen lässt.

Öffentliche Forderungen erfordern öffentliche Kritik

Nein, sollte man nicht. Denn die öffentliche Forderung nach einem flächendeckenden Ausbau von Abtreibungsangeboten ist kein bloßer Mangel an Tugendhaftigkeit, sondern offene Rebellion gegen das Gebot Gottes „Du sollst nicht töten“. Daran ändert auch der Sprachgebrauch nichts. Im Gegenteil: Die Verharmlosung der vorgeburtlichen Tötung eines unschuldigen und wehrlosen Menschen im Frühstadium seiner Entwicklung als „Schwangerschaftsabbruch“ ist Teil des Problems. Er verbildet die Herzen und führt zur Abstumpfung der Gewissen.

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Die öffentliche Forderung nach einem bundesweiten Abtreibungsangebot in einer der auflagenstärksten Zeitungen des Landes durch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken kann daher nur eine Reaktion kennen: Die öffentliche Kritik und eine unmissverständliche Distanzierung.

Zeugnis von Amts- und Funktionsträgern gefragt

Dies umso mehr als diejenigen, um die geht, die ungeborenen Kinder, noch gar keine andere Stimme haben, als die jener, die von einer Abtreibung verschont geblieben sind. Sei es, weil die Liebe ihrer Eltern sie davor bewahrte, sei es, weil deren Achtung des Dekalogs oder staatliche Gesetze sie davor schützten. Ihnen ist nicht damit geholfen, wenn in den Hinterzimmern des katholischen Verbandskatholizismus eine Emotionalisierung der „Debatte um den Schwangerschaftsabbruch in Deutschland“ beklagt und offene Rebellion zur „persönlichen Meinung“, die sich respektieren lasse, herunterschwadroniert wird.

Viele, die der ZdK-Präsidentin in der Angelegenheit in den vergangenen zwei Woche geschrieben haben, berichten von Zweizeilern als Antwort, andere warten noch immer auf eine Eingangsbestätigung. Papier ist geduldig und die „Ablage P“ Bestandteil jedes Büros. Wer katholisches Tafelsilber öffentlich feilbietet, dem müssen Katholiken auch öffentlich auf die Finger schlagen. Ihre Amts- und Funktionsträger dürfen es sich hier nicht bequem machen. Dabei geht es weder um Stilfragen noch um Haltungsnoten: Hier geht um das öffentliche Zeugnis von Katholiken gegenüber einer vielfach erschreckend gleichgültig gewordenen Gesellschaft und sogar um mehr als das: nämlich buchstäblich um Leben oder Tod.

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