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Schlosser: Katharina von Siena hat nie ein Amt erstrebt

Am Gedenktag der Heiligen Katharina findet heute der bundesweite „Tag der Diakonin“ in Speyer statt — ein Zusammenhang der hinkt, findet Theologin Marianne Schlosser.
Marianne Schlosser zum Tag der Diakonin
Foto: Vatican Media (KNA) | Marianne Schlosser ist Universitätsprofessorin und Vorstand des Fachbereichs Theologie der Spiritualität an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Es gibt zwar keine Diakoninnen in der katholischen Kirche, doch in Deutschland wird trotzdem seit 1998 jeweils am 29. April, dem Gedenktag der heiligen Katharina von Siena, der „Tag der Diakonin“ begangen. Heute findet der Tag, der erstmals „Tag der Diakonin +plus“ heißt und unter dem Motto „Lasst die Fülle zu!“ steht, in Speyer statt. Wie die katholische Nachrichtenagentur (KNA) berichtet, wollen dort katholische Frauen verschiedener Frauenverbände und des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) vehement für ihre Reformforderungen einstehen. Die Forderung nach einer Öffnung aller Dienste und Ämter in der katholischen Kirche für Frauen dürfte im Zentrum stehen. Zu dieser Veranstaltung erwartet werden rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 

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Dass dieser Tag ausgerechnet am Tag der heiligen Katharina stattfindet, kann die Theologin Marianne Schosser nicht nachvollziehen. Wie sie gegenüber der Tagespost erklärte, „gibt es bei Katharina keinen Ansatzpunkt dafür, dass sie jemals ein Amt in der Kirche erstrebt hat“. Die Heilige habe sich „auf der Seite der Braut Kirche“ gesehen, „nicht auf Seite der ministeriellen Ämter. „Sie fühlte sich als Frau nicht benachteiligt“, so Schlosser. Ganz im Gegenteil habe sie „mit großem Selbstbewusstsein ihre Charismen gelebt“: Prophetie und Nächstenliebe.

Frauen leiten Gottesdienst

Unter den Frauen, die laut Programm bei der zentralen Veranstaltung ein Statement halten werden, sind auch die ehemaligen Synodalinnen Birgit Mock und Agnes Wuckelt. Sie haben sich auf dem Synodalen Weg vehement für die Frauenweihe eingesetzt. Auch der Auftakt der Veranstaltung weist in diese Richtung: Der Eröffnungsgottesdienst um 16 Uhr im Speyerer Dom wir allein von Frauen geleitet. 

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, befürwortet das Diakonat der Frau. Ende März sagte er, er fände es „wunderbar“, wenn er Frauen zu Diakoninnen weihen könnte. Die Frage ist, welche Aufgaben Diakoninnen in der Geschichte wahrgenommen haben.

Nicht alles hängt vom Amt ab

Die historische Forschung ringt mit einer Komplexität aufgrund einer dürftigen Quellenlage und mit einer sakramententheologischen Schwierigkeit, bemerkte 2020 der Zisterzienserpater vom Stift Heiligenkreuz, Judas Thaddäus Maria Hausmann, in einem Aufsatz. Der Papst selbst hat eine Sonderkommission einberufen, die den Diakoninnen in der alten Kirche auf die Spur geht. Die Frage ist keineswegs abschließend geklärt.

Was Diakone zur Zeit der Katharina von Siena waren, erläuterte Schlosser in einem Beitrag auf „Synodale Beiträge“: Diakone hätten damals „nur als Archidiakone Bedeutung“ gehabt — was möglicherweise vergleichbar sei mit dem heutigen Generalvikar. Mit einem Amt sei immer eine gute Portion Verantwortung verbunden. Aber nicht alles hänge von Ämtern ab – sondern von der Heiligkeit, „zu der alle von Christus Erlösten berufen sind“.  DT/dsc

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