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Nikki Haley: Die größte Gefahr für Trump

Die ehemalige UN-Botschafterin Nikki Haley avanciert derzeit zur aussichtsreichsten parteiinternen Konkurrentin Donald Trumps. Wofür steht sie? Und wie stehen ihre Chancen?
Wahlkampf in den USA - Haley in Iowa
Foto: Nick Rohlman (The Gazette via AP) | Wenn es so etwas wie eine politische Kernbotschaft Haleys gibt, dann klingen in ihr am ehesten noch die althergebrachten Ideale des einstigen republikanischen Establishments an: schlanker Staat, niedrige Steuern, ...

Sobald Donald Trump politische Widersacher als ernsthafte Konkurrenten wahrnimmt, gibt er ihnen gerne Spitznamen. Joe Biden taufte er den „schläfrigen Joe“, Floridas Gouverneur Ron DeSantis wurde zum „scheinheiligen Ron“. Und auch eine weitere Mitbewerberin um die republikanische Präsidentschaftskandidatur hat es erwischt: In Trumps Welt heißt sie Nikki „Spatzenhirn“ Haley.

Haley, die Trump von 2017 bis 2018 als Botschafterin bei den Vereinten Nationen diente, ist die einzige Frau in einem von Männern dominierten Bewerberfeld. Herumschubsen lassen werde sie sich deshalb nicht, betonte sie schon bei der Bekanntgabe ihrer Kandidatur – sie verteile lieber selbst Tritte. „Und das tut noch mehr weh, wenn man Schuhe mit Absätzen trägt.“

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Derzeit hat die 51-jährige frühere Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina durchaus Grund zur Zuversicht. Denn im Duell der Trump-Verfolger hat sie schon mit DeSantis gleichgezogen, der bislang als aussichtsreichster Herausforderer galt. Insbesondere im frühen Vorwahlstaat New Hampshire rückt sie sogar immer näher an Trump heran. Das hat sie einerseits einem überzeugenden Abschneiden in den TV-Duellen zu verdanken.

Prominentes Koch-Netzwerk unterstützt Haley

Erhöhte Aufmerksamkeit verschaffte ihr zuletzt aber die Unterstützung, die ihr mehrere prominente Größen aus der Wirtschafts- und Finanzwelt zusprachen. Allen voran das von den einflussreichen Milliardär-Brüdern Charles und David Koch gegründete Netzwerk „Americans for Prosperity Action (AFP Action). Die Bedeutung von derlei Solidaritätsbekundungen ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, verschaffen sie einem Kandidaten gleich mehrere Vorteile: mehr Geld, mehr Werbung, mehr Aufmerksamkeit.

Doch wofür steht Nikki Haley? Und kann sie den übermächtigen Trump wirklich in Bedrängnis bringen? Sollte sie irgendwann einmal ins Weiße Haus einziehen, wäre Nikki Haley nicht nur die erste Frau, sondern auch die erste Person mit indischen Wurzeln im Oval Office. Ihre Eltern, beide Akademiker, wanderten 1964 aus dem nordindischen Bundesstaat Punjab zunächst nach Kanada aus und zogen 1969 nach South Carolina, wo Haleys Vater eine Biologieprofessur ausübte. Die Familie gehörte der Religionsgemeinschaft der Sikh an und erzog auch Haley und ihre drei Geschwister in dem monotheistischen Glauben, der im 15. Jahrhundert in Indien entstanden war.

Haley, die mit bürgerlichem Namen Nimarata Nikki Randhawa hieß, konvertierte in den späten 1990ern, ein Jahr nach ihrer Heirat, zum Christentum. Wie ihr Ehemann Michael Haley, ein Berufssoldat der amerikanischen Nationalgarde, gehört sie nun einer methodistischen Kirche an und hob auch öffentlich die wichtige Rolle hervor, die der Glaube an Jesus Christus in ihrem Leben spiele. Zu Beginn ihrer politischen Laufbahn warfen manche ihrer parteiinternen Widersacher die Frage auf, ob bei Haleys Konversion nicht auch die Überlegung eine Rolle gespielt habe, ihren Aufstieg innerhalb der republikanischen Partei zu beschleunigen. Ihrer Karriere haben derartige Vorwürfe jedoch nicht geschadet, heute spielen sie keine Rolle mehr.

Ihren Heimatstaat South Carolina führte Haley, die stolz darauf verweist, ihren Bachelor-Abschluss in Rechnungswesen nicht an einer Elite-Universität sondern an einer staatlichen Bildungseinrichtung in ihrem Heimatstaat erzielt zu haben, von 2011 bis 2017. 2014 wurde sie wiedergewählt. Das Amt der Gouverneurin übte sie relativ geräuschlos aus, galt als pragmatische Konservative, die sich von Extrempositionen fernhielt.

Haleys Verhältnis zu Trump gilt als ambivalent

Donald Trump, der Anfang 2017 ins Weiße Haus einzog, soll ihr mehrere Posten in seiner Regierung angeboten haben, die Haley zunächst ablehnte. Schließlich akzeptierte sie das Angebot, das Amt der Botschafterin bei den Vereinten Nationen zu übernehmen, trat nach nur knapp zwei Jahren im Dezember 2018 jedoch auf eigenen Wunsch wieder zurück. Haleys Verhältnis zu Trump gilt als ambivalent. Während ihrer Zeit als Botschafterin stand sie weitestgehend hinter der Politik des polarisierenden Präsidenten, scheute sich aber gleichzeitig nicht, Trump zu widersprechen: So plädierte sie schon damals für eine harte Linie im Umgang mit Russland und sprach sich für Sanktionen aus, während Trump eher den Schulterschluss mit Wladimir Putin suchte.

Zu einem Zerwürfnis kam es zwischen Haley und Trump nie. Nach dessen unrühmlichen Ausscheiden aus dem Präsidentenamt 2021 verfolgte Haley einen Schlingerkurs: Zunächst betonte sie, Trump habe sein politisches Kapital verspielt, um später auf die Position umzuschwenken, die Partei brauche den Ex-Präsidenten auch in Zukunft noch. Im Wahlkampf distanziert sich Haley zwar von Trump, übt jedoch keine fundamentale Kritik an ihrem parteiinternen Widersacher – ein Spagat, der sicher auch der Tatsache geschuldet ist, dass sie es sich nicht mit den Trumps-Fans verscherzen möchte. Deren Stimmen könnten schließlich noch einmal wichtig sein. Mit dieser Haltung macht sich Haley jedoch auch angreifbar: Kritiker werfen ihr schon seit längerem vor, ihr Fähnchen stets nach dem Wind zu richten. Haleys Umfeld freilich würde es anders formulieren. Dort spricht man von der Fähigkeit, ihre politische Botschaft an den Moment anzupassen.

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Wenn es so etwas wie eine politische Kernbotschaft Haleys gibt, dann klingen in ihr am ehesten noch die althergebrachten Ideale des einstigen republikanischen Establishments an: schlanker Staat, niedrige Steuern, interventionistische Außenpolitik. Anders als im Falle Trumps entspricht ihrem Vorbild eher John McCain als Wladimir Putin. Kaum ein anderer republikanischer Kandidat betont derart deutlich, wie wichtig Amerikas Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine ist. Und sie weiß den russischen Angriffskrieg auch in einen breiteren Kontext einzuordnen: „In diesem Krieg geht es nicht um die Ukraine, es geht um die Freiheit“, sagte sie bei einer Wahlkampfveranstaltung. Nicht weniger entschieden verspricht sie Israel im Krieg mit der Hamas die Unterstützung der USA, hebt sich damit jedoch kaum vom übrigen Bewerberfeld ab. Denn Solidarität mit der einzigen Demokratie im Nahen Osten gilt in republikanischen Kreisen – anders als im Falle der Ukraine – als Selbstverständlichkeit.

Als ebenso selbstverständlich gilt für republikanische Bewerber das Bekenntnis zum Lebensschutz. Und Haley, Mutter zweier erwachsener Kinder, macht hier keine Ausnahme: Immer wieder betont sie, überzeugt „pro-life“ zu sein. Dennoch schimmert auch hier die Pragmatikerin durch. Mit Verweis darauf, dass es auf Bundesebene in absehbarer Zeit keine Mehrheit für ein striktes Abtreibungsverbot gebe, plädierte sie für eine nicht näher definierte Konsenslösung. „Warum sprechen wir nicht davon, dass wir so viele Babys wie möglich retten und so viele Mütter wie möglich unterstützen sollten?“, fragte sie in einem Interview. Als Gouverneurin von South Carolina unterzeichnete sie ein Abtreibungsverbot ab der 20. Schwangerschaftswoche. Jüngst betonte sie, dass sie auch viel frühere Verbote unterzeichnen würde, sollten die Mehrheiten dafür existieren. Bislang scheint sie damit auch bei potenziellen Wählern anzukommen – wohl auch aus dem Grund, da sie ansonsten in identitäts- und gesellschaftspolitischen Debatten die konservative Linie der republikanischen Kernklientel teilt. Von ihrem Konkurrenten Ron DeSantis unterscheidet sie sich hier eher in der Rhetorik als in den politischen Inhalten.

Die Opposition muss sich hinter Haley vereinen

Wie weit Nikki Haley damit kommen wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Einer davon: Donald Trumps juristische Probleme. Mehrere Strafverfahren könnten den ehemaligen Amtsinhaber im Vorwahlkampf noch massiv schwächen. Trumps Team jedoch will das Prozedere verzögern und plädiert darauf, seine Immunität als Präsident schütze Trump vor Strafverfolgung. Hier wird wohl der Oberste Gerichtshof entscheiden.

Darüber hinaus hängt Haleys Erfolg auch davon ab, ob sich die anderen Bewerber bald aus dem Rennen zurückziehen. Denn nur eine geeinte Opposition genießt Aussichten, Trump vom Sockel zu stoßen. Das realistischste Szenario besteht aber darin, dass Haley am Ende eine Kandidatin bleibt, die lediglich einen Teil der republikanischen Wähler anspricht – nämlich das Anti-Trump-Lager. Damit hat sie zwar durchaus Chancen, Donald Trump in einigen Bundesstaaten zu schlagen. Um ihm die Kandidatur streitig zu machen, müsste sie jedoch in großem Stil in das Lager der Trump-Sympathisanten vordringen. Am wahrscheinlichsten bleibt daher, dass auch Nikki Haley den eisernen Griff nicht lockern wird, mit dem Donald Trump die republikanische Partei kontrolliert.

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