Kommentar um "5 vor 12"

Merz und die falsche Sehnsucht nach einem Hoffnungsträger

Der designierte CDU-Parteivorsitzende bekräftigt, dass er ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare für bedenkenswert hält. Dass er damit einige seiner Anhänger verstört, muss ihm bewusst sein.
Merz bei der ARD
Foto: Michael Sohn (AP Pool) | Merz mag in vielen Punkten gesellschaftspolitische Auffassungen vertreten, die auch denen in der Union wichtig sind, die das C-Profil der Partei stärken wollen. In manchen aber eben auch nicht.

Er hat es wieder getan: Friedrich Merz hat seine Offenheit gegenüber einem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare bekräftigt. Dieses Mal in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der designierte CDU-Parteivorsitzende verwies dabei auf psychologische Studien, die er zu Kenntnis genommen habe und bei ihm einen Umdenkungsprozess angestoßen hätten. Konservativ zu sein, so Merz in dem Interview, heiße eben auch, immer für gute Argumente offen zu sein.

Wie Merz seine Machtbasis einschätzt

Dass Merz mit solchen Aussagen einige seiner Anhänger verstört, muss dem Christdemokraten bewusst sein. Er nimmt es aber in Kauf. Und das sagt wiederum etwas darüber aus, wie der kommende CDU-Parteivorsitzende seine eigene Machtbasis einschätzt. Diejenigen, die diese Vorstellung von homosexueller Elternschaft nicht teilen, können aus seiner Sicht offenbar sowohl als Parteifreunde wie auch als Wähler vernachlässigt werden. Ob diese Rechnung aufgeht? 

Lesen Sie auch:

Jedenfalls wird hier wieder deutlich, was auch schon zuvor zu erkennen war: Merz mag in vielen Punkten gesellschaftspolitische Auffassungen vertreten, die auch denen in der Union wichtig sind, die das C-Profil der Partei stärken wollen. In manchen aber eben – siehe oben – auch nicht. Das entwertet nicht automatisch die gesamte politische Agenda von Merz. Zeigt aber auch, warum er nicht der Hoffnungsträger ist, den manche immer noch in ihm sehen wollen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Der Kölner Sozialethiker Elmar Nass plädiert für eine Impfpflicht-Debatte, die eine soziale Spaltung vermeidet.
26.01.2022, 17  Uhr
Stefan Rehder
Für Abgeordnete gilt weiterhin eine Dauer von sechs Monaten – Länder üben Kritik an Lauterbach. Virologen halten Verkürzung für wissenschaftlich unbegründet.
25.01.2022, 14  Uhr
Meldung
Themen & Autoren
Sebastian Sasse CDU

Kirche

Zur Debatte um Benedikt XVI. nimmt der Heiligenkreuzer Abt und Ratzinger-Preisträger Maximilian Heim gegenüber der „Tagespost“ Stellung. Wir dokumentieren die Anmerkungen im Wortlaut.
27.01.2022, 17 Uhr
Maximilian Heim OCist