Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Merz und die falsche Sehnsucht nach einem Hoffnungsträger

Der designierte CDU-Parteivorsitzende bekräftigt, dass er ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare für bedenkenswert hält. Dass er damit einige seiner Anhänger verstört, muss ihm bewusst sein.
Merz bei der ARD
Foto: Michael Sohn (AP Pool) | Merz mag in vielen Punkten gesellschaftspolitische Auffassungen vertreten, die auch denen in der Union wichtig sind, die das C-Profil der Partei stärken wollen. In manchen aber eben auch nicht.

Er hat es wieder getan: Friedrich Merz hat seine Offenheit gegenüber einem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare bekräftigt. Dieses Mal in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der designierte CDU-Parteivorsitzende verwies dabei auf psychologische Studien, die er zu Kenntnis genommen habe und bei ihm einen Umdenkungsprozess angestoßen hätten. Konservativ zu sein, so Merz in dem Interview, heiße eben auch, immer für gute Argumente offen zu sein.

Lesen Sie auch:

Wie Merz seine Machtbasis einschätzt

Dass Merz mit solchen Aussagen einige seiner Anhänger verstört, muss dem Christdemokraten bewusst sein. Er nimmt es aber in Kauf. Und das sagt wiederum etwas darüber aus, wie der kommende CDU-Parteivorsitzende seine eigene Machtbasis einschätzt. Diejenigen, die diese Vorstellung von homosexueller Elternschaft nicht teilen, können aus seiner Sicht offenbar sowohl als Parteifreunde wie auch als Wähler vernachlässigt werden. Ob diese Rechnung aufgeht? 

Jedenfalls wird hier wieder deutlich, was auch schon zuvor zu erkennen war: Merz mag in vielen Punkten gesellschaftspolitische Auffassungen vertreten, die auch denen in der Union wichtig sind, die das C-Profil der Partei stärken wollen. In manchen aber eben – siehe oben – auch nicht. Das entwertet nicht automatisch die gesamte politische Agenda von Merz. Zeigt aber auch, warum er nicht der Hoffnungsträger ist, den manche immer noch in ihm sehen wollen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Adoptionsrecht CDU Friedrich Merz Homosexuelle

Weitere Artikel

Die ehemalige CDU-Vorsitzende war bisher kirchenpolitisch nicht besonders konservativ profiliert. Wenn sie nun aus dem ZdK austritt, müssten dort die Alarmsirenen schrillen.
05.02.2025, 21 Uhr
Sebastian Sasse
War Thomas Mann homophob? Oder war er homosexuell? Beides, behauptet Tilmann Lahme. Überzeugend ist das nicht.
05.11.2025, 07 Uhr
Markus Günther

Kirche

Für Haltung, Demokratie, und Erneuerung in der Kirche: Irme Stetter-Karp wird das ZdK weiterhin als Präsidentin anführen. Bei der Vollversammlung in Berlin erhält sie gut 80 Prozent.
28.11.2025, 18 Uhr
Meldung
Das Christus-Bekenntnis verbindet die Kirchen: Vertreter vieler Konfessionen beten gemeinsam mit dem Papst und dem Ökumenischen Patriarchen am Ort des Konzils.
28.11.2025, 16 Uhr
Stephan Baier
Unerwarteter Gast: Der Attentäter von Johannes Paul II., Mehmet Ali Ağca, taucht in Iznik auf, verteidigt Papst Leo gegen Verschwörungstheorien und hofft auf eine Begegnung mit ihm.
28.11.2025, 14 Uhr
Meldung
Von Christus hängt das Heil ab: Eine Tagung der Kölner Hochschule für Katholische Theologie beleuchtet die Geschichte des Konzils von Nizäa.
28.11.2025, 13 Uhr
Regina Einig