Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Moskau

Kyrill sieht Invasoren als Märtyrer

Moskauer Patriarch rechnet die Ukraine zu den „Weiten Russlands“ und setzt weiterhin auf Putins Sieg.
Kyrill I. setzt weiterhin auf Putins Sieg
Foto: IMAGO/Vyacheslav Prokofyev (www.imago-images.de)

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill Gundjajew sieht in den russischen Soldaten, die in der Ukraine kämpfen und fallen, Märtyrer: In einer Predigt in Moskau sagte Kyrill am Sonntag, dass jemand, der aus Pflichtgefühl und angesichts der „Notwendigkeit, einen Eid zu erfüllen, seiner Berufung treu bleibt und im Militärdienst stirbt, zweifellos eine Tat begeht, die gleichbedeutend ist mit einem Opfer“. Und weiter: „Er opfert sich für andere auf. Und deshalb glauben wir, dass dieses Opfer alle Sünden wegwäscht, die eine Person begangen hat.“

Auf Kriegsverbrechen geht Kyrill nicht ein

Auf die Kriegsverbrechen, die eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen den russischen Soldaten in der Ukraine anlastet, darunter Vergewaltigungen von Frauen und Kindern, ging Kyrill ebenso wenig ein, wie auf die Polizeigewalt gegen Menschen in Russland, die derzeit gegen den Krieg demonstrieren. Stattdessen sprach er von einem „Krieg, der jetzt in den Weiten Russlands stattfindet“ und meinte, „die gegenwärtigen Feindseligkeiten“ dürften nicht den „geistlichen Raum des heiligen Russlands zerstören“.

Lesen Sie auch:

Kyrill rechnete in seiner Predigt Belarus und die Ukraine ausdrücklich zu den „Weiten des historischen Russlands“ und sprach von einem „Bruderkrieg“. Die russisch-orthodoxe Kirche bete „für den Sieg der Gerechtigkeit, für die Wiederherstellung der brüderlichen Gemeinschaft und die Überwindung all dessen, was sich im Laufe der Jahre angesammelt hat und schließlich zu einem blutigen Konflikt geführt hat“, so der Moskauer Patriarch.  DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Russlands Krieg gegen die Ukraine Kriegsverbrechen Kyrill I. Religiöse und spirituelle Oberhäupter Russisch-Orthodoxe Kirche UNO Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Die Ukraine als Teil der „Heiligen Rus“? Mit einer geschichtlichen Tiefenbohrung widerlegt der ukrainische Kirchenhistoriker Andriy Mykhaleyko Wladimir Putins nützliche Narrative.
29.07.2026, 07 Uhr
Stephan Baier
Lorca wurde zum Märtyrer, Machado zum Dichter des „anderen Spanien“, Picassos „Guernica“ zur Ikone des Antifaschismus stilisiert. Doch die Wirklichkeit war komplexer. 
19.07.2026, 19 Uhr
José García

Kirche

Schneller, höher, weiter: Wie das Forum Altötting der Gemeinschaft Emmanuel Menschen dabei hilft, den Schalter im Alltag umzulegen und Gott neu zu entdecken.
15.08.2026, 17 Uhr
Esther von Krosigk
Die Kirche auf Sri Lanka lässt nicht locker, die Aufklärung der mörderischen Osteranschläge von 2019 zu fordern.
15.08.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Vorbild heidnische Kanaanäerin: entscheidend ist ein existenziell gelebter Glaube an den Messias. Damit wird klar: Der Glaube ist die „demokratischste“ Sache der Welt.
15.08.2026, 21 Uhr
Andrzej Kucinski
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk