Moskau

Kyrill sieht Invasoren als Märtyrer

Moskauer Patriarch rechnet die Ukraine zu den „Weiten Russlands“ und setzt weiterhin auf Putins Sieg.
Kyrill I. setzt weiterhin auf Putins Sieg
Foto: IMAGO/Vyacheslav Prokofyev (www.imago-images.de)

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill Gundjajew sieht in den russischen Soldaten, die in der Ukraine kämpfen und fallen, Märtyrer: In einer Predigt in Moskau sagte Kyrill am Sonntag, dass jemand, der aus Pflichtgefühl und angesichts der „Notwendigkeit, einen Eid zu erfüllen, seiner Berufung treu bleibt und im Militärdienst stirbt, zweifellos eine Tat begeht, die gleichbedeutend ist mit einem Opfer“. Und weiter: „Er opfert sich für andere auf. Und deshalb glauben wir, dass dieses Opfer alle Sünden wegwäscht, die eine Person begangen hat.“

Auf Kriegsverbrechen geht Kyrill nicht ein

Auf die Kriegsverbrechen, die eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen den russischen Soldaten in der Ukraine anlastet, darunter Vergewaltigungen von Frauen und Kindern, ging Kyrill ebenso wenig ein, wie auf die Polizeigewalt gegen Menschen in Russland, die derzeit gegen den Krieg demonstrieren. Stattdessen sprach er von einem „Krieg, der jetzt in den Weiten Russlands stattfindet“ und meinte, „die gegenwärtigen Feindseligkeiten“ dürften nicht den „geistlichen Raum des heiligen Russlands zerstören“.

Lesen Sie auch:

Kyrill rechnete in seiner Predigt Belarus und die Ukraine ausdrücklich zu den „Weiten des historischen Russlands“ und sprach von einem „Bruderkrieg“. Die russisch-orthodoxe Kirche bete „für den Sieg der Gerechtigkeit, für die Wiederherstellung der brüderlichen Gemeinschaft und die Überwindung all dessen, was sich im Laufe der Jahre angesammelt hat und schließlich zu einem blutigen Konflikt geführt hat“, so der Moskauer Patriarch.  DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Russlands Krieg gegen die Ukraine Kriegsverbrechen Kyrill I. Religiöse und spirituelle Oberhäupter Russisch-Orthodoxe Kirche UNO Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Seit Jahren verbreitet der Kreml hasserfüllte Ressentiments gegen die Ukrainer. Und Moskaus Patriarch Kyrill verspielt den letzten Rest an Sympathie im Nachbarland. Ein Kommentar.
05.05.2022, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke äußert sich zum „Ad-limina-Besuch“ der deutschen Bischöfe, zur Gefahr eines Schismas und zum neuen kirchlichen Arbeitsrecht.
26.11.2022, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Vatikan hat die Kritik der Kardinäle Ladaria und Ouellet am Synodalen Weg veröffentlicht. Diese Transparenz schafft Orientierung, wo bisher nur ungläubiges Staunen über die Bischöfe war.
25.11.2022, 11 Uhr
Guido Horst
Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in zwei Fällen gegen den Kölner Kardinal wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Ökumenisches Gebet abgesagt. 
25.11.2022, 11 Uhr
Meldung
Im Wortlaut die Stellungnahme von Kardinal Marc Ouellet zum Synodalen Weg beim interdikasteriellen Treffen mit den deutschen Bischöfen.
24.11.2022, 17 Uhr
Kardinal Marc Ouellet