Dresden/Rottenburg

Kritik an Stetter-Karp reißt nicht ab

Die Forderung der ZdK-Präsidentin nach einem flächendeckenden Abtreibungsangebot drohe Polarisierungen innerhalb und außerhalb der Kirche zu verstärken, so der Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen.
Irme Stetter-Karp
Foto: Christian Ditsch via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Stetter Karp hatte in einem Namensbeitrag für die Beilage „Christ und Welt“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ den flächendeckenden Ausbau von Angeboten vorgeburtlicher Kindstötungen gefordert.

Die Debatte um die Äußerungen der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, zum Angebot von Abtreibungen geht weiter. Der Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, Thomas Arnold, erklärte am Mittwoch gegenüber dem Portal „katholisch.de“, er halte es „zumindest für gewagt, angesichts großer Herausforderungen wie dem Krieg in der Ukraine nun eine solch existentielle Debatte anzustoßen“.

Gleiches Angebot auch am Lebensende?

Er hätte es besser gefunden, so Arnold, der auch ZdK-Mitglied ist, mit diesem Impuls die nächste Vollversammlung zu eröffnen, „um sich als ganzes ZdK in einer veränderten Zeit der eigenen Position zu versichern". Eine neue Debatte laufe Gefahr, Polarisierungen innerhalb und außerhalb der Kirche zu verstärken. Zudem mahnte er, wer am Lebensanfang ein flächendeckendes Angebot fordert, laufe Gefahr, das Gewissen des Einzelnen und die Freiheit der freien Träger zu unterlaufen. „Und wer ein flächendeckendes Angebot für den Lebensanfang fordert, läuft Gefahr, mit gleicher Begründung auch das flächendeckende Angebot am Lebensende umsetzen zu müssen.“

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Stetter Karp hatte in einem Namensbeitrag für die Beilage „Christ und Welt“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ den flächendeckenden Ausbau von Angeboten vorgeburtlicher Kindstötungen gefordert. Es gelte, „sicherzustellen, dass der medizinische Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs flächenddeckend ermöglicht wird“, schrieb die ZdK-Präsidentin. Das sei „derzeit nicht der Fall, weil insbesondere im ländlichen Raum – unabhängig von seiner konfessionellen Prägung – die gynäkologische Versorgung fehlt“. Des weiteren stehe „eine Reflexion“ darüber an, „wie das Angebot sichergestellt werden kann – was auch die Schulung von Ärzt*innen in der Ausbildung umfasst“.

Kritik an der Positionierung Stetter-Karps äußerte auch der Rottenburger Weihbischof Thomas Maria Renz. Ohne die ZdK-Präsidentin beim Namen zu nennen, schrieb Renz in einem Beitrag für das Online-Portal „kath.net“, es könne nicht katholisch sein, „wer sich nicht klar und eindeutig zum uneingeschränkten Recht auf Leben von Anfang an bekennt!“. Wer katholisch sein und bleiben wolle, werde ein flächendeckendes Angebot von vielfältigen Hilfen für Schwangere in Konfliktsituationen fordern, „nicht aber ein flächendeckendes Angebot an Möglichkeiten, sich des eigenen Nachwuchses zu entledigen“. 

Fast 2.300 Personen wollen Rücktritt Stetter-Karps

Zuvor hatte die Initiative „Maria 1.0“ bereits den Rückzug der Sozialwissenschaftlerin Stetter-Karp von der Spitze des Laiengremiums gefordert. Auf dem Internetportal „change.org“ starteten Laien auch eine dementsprechende Petition. Bis Donnerstagvormittag hatten bereits knapp 2.300 Personen diese Petition unterzeichnet.

Indes stellte sich die Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Mechthild Heil, an die Seite Stetter-Karps: Gegenüber „katholisch.de“ betonte sie den Wert der ergebnisoffenen Beratung von Schwangeren und erklärte, dass diese Beratung flächendeckend angeboten werden solle, „sowie dann ggf. auch die Möglichkeit eines medizinischen Eingriffs“. Als katholische Frauengemeinschaft achte man „die beiden zu schützenden gleichwertigen Persönlichkeitsrechte: das Selbstbestimmungsrecht der Frau und das Lebensrecht des Kindes“.  DT/mlu

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