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Theologe Arnold: Kirche muss Umgang mit AfD überdenken

Statt reiner Verweigerungshaltung brauche es Diskussionsangebote auf Grundlage der christlichen Sozialethik, so der Theologe. Auch die CDU sieht er in der Pflicht.
Diskussion um AfD und Brandmauer
Foto: IMAGO/Michael Bihlmayer (www.imago-images.de) | Die Kirchen hätten dabei den Vorteil gegenüber Parteien, nicht von Legislaturperioden abhängig zu sein, schreibt Thomas Arnold. Dadurch könnten sie auch unangenehme Wirklichkeiten aussprechen.

In der Diskussion um den Umgang mit der AfD ruft der Theologe Thomas Arnold die katholische Kirche auf, ihren Umgang mit der AfD zu überdenken. Statt einer reinen Verweigerungshaltung müsse sie zukunftsfähige und versöhnende Diskussionsangebote auf Grundlage der christlichen Sozialethik bieten, schreibt Arnold in einem Beitrag, der in der Dezember-Ausgabe der „Herder“-Korrespondenz erscheint.

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Nach der Erklärung der deutschen Bischöfe zu völkischem Nationalismus und Christentum vom Frühjahr 2024 drohe in der Kirche „eine rasche und vollumfängliche Verweigerungshaltung im Umgang mit Mitgliedern und Anhängern der AfD“. In derselben Erklärung hätten die Bischöfe aber auch betont, dass das nicht bedeute, „dass die Kirche sich dem Dialog mit jenen Menschen entziehen wird, die für diese Ideologie empfänglich, aber gesprächswillig sind.“

„Kultur des Streits der Argumente statt der Meinungen“

Für Arnold, der von 2016 bis 2024 Direktor der katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen war, brauche es daher eine „Kultur des Streits der Argumente statt der Meinungen“. Diese zeige sich in einer redlichen Vorbereitung, einer guten Gesprächsführung sowie einem ehrlichen Blick auf Probleme vor Ort. Gerade die Kirchen hätten mit ihrer Sozialethik und einem diese reflektierenden akademischen Personal gute Angebote parat.

Allerdings müsse sich die Kirche auch über diözesane Regelungen hinaus ungeklärten Fragen im Umgang mit AfD-Mitgliedern und -Anhängern stellen, beispielsweise bezüglich Segensbitten von Mandatsträgern für ihre Einrichtungen oder auch der versöhnlichen Integration ehemaliger AfD-Anhänger. Eine weitere wichtige Aufgabe der Kirchen sei es, sich in Debatten über den Zusammenhalt einer pluralisierten Gesellschaft einzubringen und politische Parteien der Mitte mit ihren christlichen Positionen zu stärken – ohne selbst Parteipolitik zu betreiben.

Die Kirchen hätten dabei den Vorteil gegenüber Parteien, nicht von Legislaturperioden abhängig zu sein. Dadurch könnten sie auch unangenehme Wirklichkeiten aussprechen. Wenn es den Kirchen zudem gelinge, Emotionen in „zukunftsfähige und versöhnende Debatten zu lenken“, könnten sie einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der Wurzeln der Gesellschaft und zur Resilienz gegen die Stürme dieser Zeit leisten.

Verschiedenheiten nicht verschweigen, Gegenüber nicht als Feind vernichten

Darüber hinaus fordert Arnold in dem Beitrag die CDU dazu auf, sich politisch zurück auf die Mitte zu besinnen und statt auf Brandmauer oder einer gemeinsamen Politik mit der AfD auf das christliche Erbe und eine auf Argumenten basierende Politik der Kompromisse zu setzen. Der Theologe, der selbst CDU-Mitglied ist, hebt das Dilemma hervor, in dem sich die Partei derzeit im Umgang mit der AfD befinde: Mit der Brandmauer einerseits und Überlegungen zu mehr Zusammenarbeit aus einer Sehnsucht nach mehr konservativer Politik heraus andererseits drohe ihr eine Zerreißprobe. Beides ist aus Arnolds Sicht problematisch: Weder sei für die CDU eine politische Koalition mit der von verschiedenen Institutionen des Landesverfassungsschutzes als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD möglich, noch könne die Besinnung auf lediglich konservative Politik auf Dauer Mehrheiten in der Mitte der Gesellschaft sichern.

Stattdessen plädiert Arnold, der sich auch in der CDU-Grundwertekommission engagiert, für eine vernünftige Politik, die Verschiedenheiten nicht verschweige, aber das Gegenüber auch nicht als Feind vernichten wolle – sondern vielmehr zum Wohl des Landes auf Kompromisse hinarbeite. Dazu seien „vernunftgeleitete Diskussionen“ notwendig, „die benennen, was ist, und die formulieren, wie es anders besser werden kann“. Beispiele in anderen Ländern hätten gezeigt, wie „mit der Benennung von Sorgen und von adäquaten Lösungsangeboten sowie nicht verächtlich machender Sprache“ Mehrheiten in der Mitte der Gesellschaft möglich seien.

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