Äußerungen zu Abtreibung

Die ZdK-Präsidentin ignoriert die Lehre

Nach skandalösen Äußerungen zur Abtreibung: Erste Gläubige fordern Irme Stetter-Karp zum Amtsverzicht auf.
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp
Foto: IMAGO/Jens Schulze (www.imago-images.de) | Vergangenen Donnerstag hatte die ZdK-Präsidentin in einem Namensbeitrag für die Beilage "Christ und Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit" (Ausgabe v.

Die Kritik an der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, ebbt nicht ab. Anfang der Woche forderte die Initiative "Maria 1.0" den Rückzug der Sozialwissenschaftlerin von der Spitze des Laiengremiums. Und auf dem Internetportal "change.org" starteten Laien eine Petition, die den Rücktritt Stetter-Karps fordert. Bis Mittwochnachmittag hatten bereits mehr als 1.900 Personen diese Petition unterzeichnet.

DBK-Pressesprecher weist Forderung zurück

Vergangenen Donnerstag hatte die ZdK-Präsidentin in einem Namensbeitrag für die Beilage "Christ und Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit" (Ausgabe v. 14.7.) den flächendeckenden Ausbau von Angeboten vorgeburtlicher Kindstötungen gefordert. Wie Stetter-Karp dort schreibt, gelte es, "sicherzustellen, dass der medizinische Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs flächenddeckend ermöglicht wird". Das sei "derzeit nicht der Fall, weil insbesondere im ländlichen Raum - unabhängig von seiner konfessionellen Prägung - die gynäkologische Versorgung fehlt". Des weiteren stehe "eine Reflexion" darüber an, "wie das Angebot sichergestellt werden kann - was auch die Schulung von Ärzt*innen in der Ausbildung umfasst".

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Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, wies noch am gleichen Tag auf Anfrage des Internetportals "kath.net" die Forderung zurück und erklärte: "Die von ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp vorgetragene Position zur Notwendigkeit eines flächendeckenden Angebots von Schwangerschaftsabbrüchen widerspricht der Haltung der Deutschen Bischofskonferenz. Statt einer flächendeckenden Möglichkeit für Abtreibungen brauchen wir ein flächendeckendes qualifiziertes Beratungsangebot für Frauen." Weiter heißt es in der Erklärung: "Die katholische Kirche lehnt Abtreibungen grundsätzlich ab." Insofern habe die DBK auch die Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibungen (  219a StGB) bedauert, der ein "wichtiger Bestandteil des Schutzkonzepts der    218 ff. StGB" gewesen sei.

In einer tags darauf vom ZdK verbreiteten Mitteilung wies Stetter-Karp die Klarstellung Kopps zurück. Entscheide sich eine Frau nach der Beratung "selbstbestimmt für einen Abbruch der Schwangerschaft", müsse es auch möglich sein, ihn durchführen zu lassen. Und weiter: "Alles Recht auf Selbstbestimmung hilft nicht, wenn die Hürden unüberwindlich sind."

Was die kirchliche Lehre dazu sagt

In seiner Patoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute "Gaudium et spes" bezeichnet das II. Vatikanische Konzil die vorgeburtliche Kindstötung als ein "verabscheuungswürdiges Verbrechen" (GS, Nr. 51). Papst Franziskus nennt Ärzte, die Abtreibung durchführen, in der ihm eigenen, für Europäer oft ungewohnt hemdsärmelig klingenden Art "Auftragsmörder". Und der Katechismus der katholischen Kirche hält fest: "Das menschliche Leben ist vom Augenblick der Empfängnis an absolut zu achten und zu schützen. Schon im ersten Augenblick seines Daseins sind dem menschlichen Wesen die Rechte der Person zuzuerkennen, darunter das unverletzliche Recht jedes unschuldigen Wesens auf das Leben" (KKK, 2270). Und weiter: "Seit den ersten Jahrhunderten hat die Kirche es für moralisch verwerflich erklärt, eine Abtreibung herbeizuführen. Diese Lehre hat sich nicht geändert und ist unveränderlich. Eine direkte, das heißt eine als Ziel oder Mittel gewollte, Abtreibung stellt ein schweres Vergehen gegen das sittliche Gesetz dar ( )" (KKK, 2271).

Aus dem ZdK selbst wurde bislang keine Kritik an den Äußerungen Stetter-Karps laut. Die deutschen Bischöfe sind nicht zu beneiden. Weshalb sie meinen, verantworten zu können, die Fortsetzung des Synodalen Wegs mit einem Gremium zu beschreiten, das sich nicht dagegen wehrt, dass seine Präsidentin für ein "Recht auf Abtreibung" eintritt und den Ausbau einer Infrastruktur zur Begehung "abscheulicher Verbrechen" fordert, dürfte sich einfachen Gläubigen wohl kaum erschließen.

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