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„Maria 1.0“ fordert Rücktritt von ZdK-Präsidentin Stetter-Karp

Die ZdK-Präsidentin könne sich „offensichtlich nicht mit zentralen Inhalten katholischer Positionen identifizieren“, so „Maria 1.0“.
DBK kritisiert Stetter-Karp
Foto: Christian Johner (dpa)

Die Kritik an der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, aufgrund ihrer Äußerungen zu Abtreibungen reißt nicht ab. Die konservative Kirchenreform-Initiative „Maria 1.0“ forderte am Montag den Rücktritt Stetter-Karps, da sich diese „offensichtlich nicht mit zentralen Inhalten katholischer Positionen identifizieren“ könne.

Nicht erst seit gestern gegen katholische Lehre positioniert

Stetter Karp hatte vergangene Woche in einem großangelegten Namensbeitrag für die Beilage „Christ & Welt“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ gefordert, „sicherzustellen, dass der medizinische Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs flächendeckend ermöglicht wird“. Das sei, „derzeit nicht der Fall, weil insbesondere im ländlichen Raum – unabhängig von seiner konfessionellen Prägung – die gynäkologische Versorgung fehlt“. Auch stehe nun „eine Reflexion“ darüber an, so die ZdK-Präsidentin, „wie das Angebot sichergestellt werden kann, steht an – was auch die Schulung von Ärzt*innen in der Ausbildung umfasst“.

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Damit stelle sich Stetter-Karp in der Abtreibungsfrage „gegen die katholische Lehre“, heißt es in einer Stellungnahme von „Maria 1.0“. Die Initiative weist darin auch darauf hin, dass die ZdK-Präsidentin ihre Position „nicht erst seit gestern“ vertrete. „Bereits 1999 positionierte sie sich offen gegen Rom und den damaligen Papst Johannes Paul II., indem sie den Verein ,Donum Vitae‘ mitgründete.“

Die Leiterin von „Maria 1.0“, Clara Steinbrecher, wirft zudem die Frage auf, wie es überhaupt dazu kommen konnte, „dass eine Person mit derart offenen anti-katholischen Haltungen in ein solches Leitungsamt gelangen konnte“. Es sei zwar nichts Neues, dass sich Vertreter katholischer Laiengremien in Deutschland „immer wieder gegen die Lehre der Kirche stellen, die sie vorgeben zu vertreten“. Dass sich mit Stetter-Karp aber „eine der obersten Vertreterinnen des Funktionärskatholizismus“ bei dem „sensiblen und wichtigen Thema“ Lebensschutz „so explizit gegen die offizielle Lehre der katholischen Kirche stellt, erschreckt“.

DBK kritisiert Stetter-Karp

Zuvor hatte auch der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, Kritik an den Worten Stetter-Karps geübt. Auf Anfrage des Internetportals „kath.net“ erklärte Kopp: „Die von ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp vorgetragene Position zur Notwendigkeit eines flächendeckenden Angebots von Schwangerschaftsabbrüchen widerspricht der Haltung der Deutschen Bischofskonferenz. Statt einer flächendeckenden Möglichkeit für Abtreibungen brauchen wir ein flächendeckendes qualifiziertes Beratungsangebot für Frauen.“ Die katholische Kirche habe stets darauf hingewiesen, dass sie „mit dem rechtlichen und gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Schwangerschaftsabbrüche nicht konform“ gehe. „Die katholische Kirche lehnt Abtreibungen grundsätzlich ab.“

Diese Kritik wies die ZdK-Präsidentin jedoch zurück: Entscheide sich eine Frau nach der Beratung „selbstbestimmt für einen Abbruch der Schwangerschaft“, müsse es auch möglich sein, ihn durchführen zu lassen. So sehe es das Gesetz vor. Die ärztliche Versorgung sei in diesem Punkt nicht flächendeckend gesichert. „Alles Recht auf Selbstbestimmung hilft nicht, wenn die Hürden unüberwindlich sind.“  DT/mlu/reh

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