Am 30. April 1905 erließ der russische Zar Nikolaus II. ein Toleranzedikt, das die freie Wahl der Konfession gestattete und die Abkehr von der Orthodoxie nicht länger unter Strafe stellte. Dies war die Geburtsstunde der mit Rom unierten Russischen Griechisch-Katholischen Kirche, die die Liturgie im byzantinischen Ritus feiert. Für sie errichtete Papst Benedikt XV. 1917 das Exarchat von Russland und berief zum ersten Exarchen den Studitenmönch Leonid Fjodorow, einen Konvertiten aus der Orthodoxie. Dieser verbrachte den größten Teil seiner Amtszeit in einem sowjetischen Arbeitslager. Er wurde 2001 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen; sein Gedenktag ist der 7. März.
Leonid Fjodorow wurde am 4. November 1879 in einer russisch-orthodoxen Familie geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters führte seine Mutter ein Lokal in Sankt Petersburg, das zu einem Treffpunkt von Intellektuellen wurde. So kam Leonid in Kontakt mit vielen philosophischen und religiösen Ideen, interessierte sich vorübergehend für den Hinduismus, fand aber schließlich zum christlichen Glauben zurück.
Nach der Schulzeit trat er in die theologische Akademie ein, um orthodoxer Priester zu werden. Durch den Einfluss des Philosophen und Dichters Wladimir Solowjow (1853–1900) und dessen Wunsch nach einer „Rückkehr nach Rom“ der Orthodoxie kam in ihm früh der Wunsch nach Konversion zur katholischen Kirche auf: „Ich war zwanzig“, schrieb er später, „als ich durch die Lektüre der Kirchenväter und der Geschichte die wahre Universalkirche entdeckte.“
Dem östlichen Ritus treu
Da eine Konversion in Russland aufgrund der Gesetzgebung nicht möglich war, reiste Leonid am 19. Juni 1902 nach Lemberg, wo er von Erzbischof Andrej Scheptyzkyj, dem Metropoliten der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, ein Empfehlungsschreiben für Papst Leo XIII. bekam, und von dort aus nach Rom. Hier wurde er am 31. Juli, dem Gedenktag des heiligen Ignatius von Loyola, in der Kirche „Il Gesù“ in die katholische Kirche aufgenommen und nahm dann mit einem päpstlichen Stipendium das Priesteramtsstudium in Anagni südlich von Rom auf.
Im Austausch mit seinen westlichen Kommilitonen, die kaum etwas von den östlichen Riten kannten, kam er zu dem Bewusstsein, „dass es meine wahre Pflicht als Katholik ist, dem östlichen Ritus und den russischen Traditionen treu zu bleiben“. Leonid wurde 1911 zum Priester geweiht, trat im folgenden Jahr in ein Studitenkloster ein und ging im Frühjahr 1917 nach Sankt Petersburg, um sein Amt als erstes Oberhaupt der neu gegründeten Russischen Griechisch-Katholischen Kirche anzutreten. Hier kümmerte er sich um die Seelsorge und Unterweisung der Katholiken des östlichen Ritus und knüpfte gleichzeitig enge Verbindungen zur Orthodoxie, mit dem Ideal einer Wiedervereinigung zwischen Ost- und Westkirche vor Augen.
Im Oktober 1917 begann durch die Revolution eine schwere Verfolgung der Kirche in Russland.
Der Atheismus wurde zur Staatsideologie, die Kirchen geschlossen, ihr Besitz enteignet, die katechetische Unterweisung von Kindern und Jugendlichen unter Strafe gestellt. Viele Gläubige und Priester endeten in Gefängnissen und Straflagern. Anfang Februar 1923 wurde auch Pater Fjodorow vom Revolutionsgericht in Moskau zu dreijähriger Haft verurteilt, während der er zwei Katechismen verfasste. 1926 wurde er freigelassen, aber noch im selben Jahr erneut verurteilt, diesmal zur Lagerhaft auf den Solowezki-Inseln, einem Archipel unweit des Polarkreises. Dort musste er im Wald arbeiten. Er kümmerte sich um den geistlichen Beistand der Gefangenen, organisierte Gebete und Gottesdienste. Im Frühjahr 1929 wurde er wegen seines schlechten Gesundheitszustands in das Krankenlager eingewiesen. Im Spätsommer aus der Lagerhaft entlassen, musste er im Exil bleiben, zunächst auf einem Bauernhof im Norden, dann im Haus eines Eisenbahners. In seinem letzten Lebensabschnitt litt er unter chronischem Husten; er starb am 7. März 1935. Pater Leonid Fjodorow war ein wichtiger Wegbereiter für die vom Zweiten Vatikanischen Konzil geförderte Annäherung zwischen byzantinischen und lateinischen Christen.
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