Im Kleinen Michel in Hamburg spielt sie regelmäßig die Orgel, wenn die Gerüchte stimmen, könnte sie demnächst im Adenauer-Haus in die Tasten greifen: Franziska Hoppermann, so der Tenor einiger Medienberichte, soll nach dem Willen von Friedrich Merz CDU-Generalsekretärin werden. Das wäre die spannendste Folge des Personalkarussells, das der Fall Spahn in Gang gesetzt hat. Denn die 44-jährige Hoppermann steht für ein christdemokratisches Profil, für das zumindest ursprünglich gerade der Kanzler nicht als Gewährsmann galt.
Hoppermann ist so etwas wie ein weiblicher Armin Laschet. Sie zählt zu einer Spezies von CDU-Politikern, die in der Partei mittlerweile unter Artenschutz stehen müsste, weil sie auszusterben droht: katholisch und kirchlich geprägt. Aber nicht so wie ein Jens Spahn, der ja selbst noch in seinen letzten Rechtfertigungen versuchte, sein Katholischsein damit zu vermischen, gleichzeitig damit aber nur einen recht eigenwilligen Blick auf seine Kirche und deren Lehre bewies: Was nicht passt, wird passend gemacht, schien hier die Devise des ehemaligen Fraktionsvorsitzenden zu sein.
Im kirchlichen Umfeld herangewachsen
So etwas ist von Hoppermann nicht zu erwarten: Für die verheiratete Hamburgerin, die Mutter eines Sohnes ist, ist das kirchliche Leben so etwas wie der Humus, in dem sie als politische Persönlichkeit herangewachsen ist. Eben ganz ähnlich wie bei Laschet, der immer wieder betont: Erst war da der Katholik Laschet und dann erst der Politiker. Das politische Engagement ist bei ihm die Folge des Glaubens.

Freilich hatte gerade Laschet in jüngster Zeit immer wieder Sorge darüber geäußert, dass dieser Typus des engagierten katholischen Laien, der bei den Christdemokraten aktiv ist, zum Relikt werden könnte. Hat das nun auch Friedrich Merz erkannt? Es war wohl ein Lernprozess mit vielen Hammerschlägen. Zwar stammt der Kanzler aus dem Sauerland, aus dem katholischen Milieu, ist ebenso wie Laschet als Student beim katholischen CV aktiv geworden. Für die politische Dimension, die so eine Verwurzelung eigentlich nach sich zieht, zeigte er aber bisher wenig Sensibilität.
Besonders deutlich wurde das im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit Frauke Brosius-Gersdorf, als er viele Christen unter seinen Wählern verunsicherte. Der Fall Spahn war dann wohl das Tüpfelchen auf dem I. Ganz klar: Merz war vor allem der Kandidat der Konservativen und der Wirtschaftsliberalen in der Partei. Gerade von konservativer Seite in der Partei wird freilich bei jeder Gelegenheit die Bedeutung des „C“ in Sonntagsreden deklamiert. Aber wie weit ist es wirklich damit?
Carsten Linnemann wird es schwer haben, Pluspunkte zu sammeln
Eine Frage, die wohl jetzt Merz beschäftigt, schließlich war es ja mit Jens Spahn einer der prominentesten Vertreter dieses Flügels, der nun seine Partei so in die Bredouille gebracht hat. Der christlich-soziale Flügel, zu dem neben den CDU-Arbeitnehmern CDA auch die Frauen Union zu rechnen ist, zeigte in der Spahn-Debatte, dass er nicht nur das christliche Menschenbild beschwören, sondern auch programmatisch ausbuchstabieren will. Das scheint auf Merz Eindruck gemacht zu haben.
Carsten Linnemann hingegen, der bisher noch im Adenauer-Haus die Zügel in der Hand hält, muss in die Produktion: Als Gesundheitsminister wird es schwer werden, Pluspunkte bei den Beliebtheitswerten zu sammeln. Ehrgeiz, diese Gesellschaft zu reformieren – und da liegt in seinem neuen Ressort tatsächlich ein Schlüssel –, den hat er sicher schon. Aber der war auch schon da, als der Paderborner neuer Generalsekretär der Partei geworden war und sogleich die CDU-Ikonen Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf als Vorbilder beschwor. Zum Schluss war da von dieser Tatkraft nicht mehr viel zu spüren.
Mit Nina Warken im Kanzleramt will Merz vermutlich ähnlich wie bei Hoppermann sein Vertrauen in die CDU-Frauen unterstreichen. Und der Aufstieg von Amthor vom Parlamentarischen Staatssekretär zum Staatsminister soll wohl sagen: Ein paar Junge haben wir auch noch. Bleibt der menschlich schwierige Umgang mit Verkehrsminister Patrick Schnieder (übrigens ein Cartellbruder des Kanzlers), der nun abserviert wurde. Ob der Kanzler dank neuer weiblicher Beratung hier künftig feinfühliger wird?
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