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Solidaritätsbekundungen und scharfe Worte

Ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft wird von einem Syrer krankenhausreif geschlagen. Die Organisation reagiert mit einer Kundgebung gegen antisemitische Gewalt.
Kundgebung Würzburg
Foto: Privat | Der Vorsitzende der DIG Würzburg, Konstantin Mack, bei seiner Rede auf der Kundgebung gegen antisemitische Gewalt.

Am sonnengefluteten Freitagabend bildet sich auf dem Unteren Markt im unterfränkischen Würzburg eine Menschentraube. Aus dem im Zentrum des Platzes gelegenen Obeliskenbrunnen plätschert Wasser. An ihm lehnt ein Schild mit der Aufschrift „Würzburg steht für Zusammenhalt. Nicht für ,Globalize the Intifada‘“. Fünf Tage nach dem Angriff auf ein 65-jähriges Mitglied der Organisation hat die „Deutsch-Israelische Gesellschaft“ (DIG) zu einer Kundgebung gegen antisemitische Gewalt aufgerufen.

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Details zu der Attacke stehen auf einem Infozettel mit der Überschrift „Antisemitischer Angriff in Höchberg bei Würzburg“, der von einem jungen Mann mit Israelflagge um den Schultern verteilt wird. Was war geschehen? Am 20. Juli wurde ein DIG-Mitglied auf dem Nachhauseweg „wegen eines Israel-Ansteckers an seinem Revers israelfeindlich“ angesprochen. Der Angreifer soll dem Opfer während des Gesprächs „unvermittelt ins Gesicht“ geschlagen und, als „der Betroffene bereits wehrlos am Boden lag“, weiterhin auf dessen „Kopf und Körper“ eingetreten haben. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Pressemeldung des Polizeipräsidiums Unterfranken wurde der Tatverdächtige festgenommen und befand sich in Untersuchungshaft.

Mit Wirbelbruch im Krankenhaus

Das Opfer lag mit einem Wirbelbruch auf der Intensivstation. Dass es sich laut Angaben der Polizei bei dem Angreifer um einen 20 Jahre alten Syrer handelte, ist auf dem Flyer der DIG nicht erwähnt. Auf der Rückseite des Zettels befindet sich zudem ein Spendenaufruf des Verlags „Ça ira“. Denn das verletzte DIG-Mitglied ist Autor des nach einem französischen Revolutionslied benannten Publikationsorgans. Der Verlag wurde 1985 von der „Initiative Sozialistisches Forum“ (ISF) gegründet und wird der antideutschen Strömung innerhalb der politischen Linken zugerechnet, die eine ausdrücklich proisraelische Haltung vertritt. Auf der Webseite des Verlags finden sich unter anderem ein E-Book mit dem Titel „Antideutscher Katechismus“ sowie der Text „Was bedeutet: ,Nie wieder Deutschland‘? Eine ungehaltene Rede“ des 2019 verstorbenen Publizisten Joachim Bruhn, der mit den Worten „Liebe Linksradikale“ beginnt.

Noch bevor die Kundgebung beginnt, ruft ein Mann einem Teilnehmer mit einem Tanktop, auf dem das Logo der „Israel Defense Forces“ (IDF) aufgedruckt ist, im Vorbeigehen zu: „Das ist schon ein bisschen peinlich. Also Kinder töten findet man geil, oder?“ Der Angesprochene zeigt jedoch keine Reaktion. Etwas später tritt Konstantin Mack an das vor dem Obeliskbrunnen aufgebaute Mikrofon. Der Grüne Lokalpolitiker und Vorsitzende der DIG Würzburg verkündet den laut Angaben eines anwesenden Polizisten rund 100 Teilnehmern der Kundgebung, dass sie seit der Bekanntmachung des Angriffs „unzählige Anrufe und Nachrichten aus der gesamten Bundesrepublik“ erreicht hätten. Zudem gab er bekannt, dass das Opfer aus dem Krankenhaus entlassen worden sei und sich auf dem Weg der Besserung befinde. „Wir erwarten eine vollständige Genesung ohne bleibende Schäden“, so Mack. Von einer Bekanntgabe des Namens des Betroffenen auf der Kundgebung sehe die DIG „auch in nach Absprache mit dem Staatsschutz“ ab. Das Bedrohungsszenario sei nach wie vor real.

Laut Mack schlachte die Boulevardpresse „den Fall aus“ und schüre dabei „rassistische Vorurteile“. Der gesellschaftliche Kontext werde dabei vollständig ausgeblendet. Antisemitismus sei laut Mack in Deutschland „tief verwurzelt“ und seit dem 7. Oktober in „allen politischen Lagern salonfähig“. Das „dröhnende Schweigen der Würzburger Zivilgesellschaft“ befremde ihn. Zudem erhalte die DIG in den sozialen Netzwerken „hunderte Kommentare, die abgrundtief antisemitisch“ seien. „Unter Klarnamen, mit Urlaubs-Selfie als Profilbild, werden da Hakenkreuze gepostet, um zur Gewalt gegen genau diese Kundgebung aufzurufen“, erklärt Mack. Dies zeige, „wie groß die antisemitische Enthemmung“ in Deutschland sei.

Unter den Rednern bei der Kundgebung befindet sich auch Josef Schuster, der Präsident des „Zentralrats der Juden in Deutschland“ (ZdJ). „Ich bin persönlich tief erschüttert, weil ich es nicht für möglich gehalten habe, solche Gewalt auch im Raum Würzburg zu erleben“, erklärt er. Ein Bekenntnis zum Jüdischen Staat reiche offenbar aus, „um solche Gewaltexzesse zu produzieren“. Antisemitischer Hass richte sich laut Schuster „gegen unsere offene Gesellschaft und gegen die liberale Demokratie“.

Zudem verliest eine Angehörige des Opfers des Angriffs ein von diesem verfasstes Grußwort. Darin bedankt sich der 65-Jährige unter anderem bei den „Genossinen und Genossen der Würzburger DIG“ und dem Bischof von Würzburg, Franz Jung, für die Unterstützung. Das DIG-Mitglied berichtet davon, dass es bereits im vergangenen Jahr Angriffe auf seine Person gegeben habe. Auslöser sei „stets das Symbol, das sowohl für den Staat Israel als auch für das jüdische Volk weltweit einsteht“, gewesen: „der Stern, das Schild Davids, Schutzschild der Juden“.

Oberbürgermeister bekundet Solidarität

Auch der Würzburger Oberbürgermeister Martin Heilig samt Rathausspitze ist auf der Kundgebung vertreten. In seinem Redebeitrag spricht Heilig dem DIG-Mitglied Genesungswünsche aus und bekundet diesem gegenüber seine Solidarität. Der Grünen-Politiker weist darauf hin, dass es „sehr starke Hinweise“ darauf gebe, dass hinter dem Angriff ein antisemitisches Motiv stecke, auch „wenn der Täter psychologisch noch so vorbelastet“ sei. Antisemitismus beginne nicht erst bei körperlicher Gewalt, sondern „dort, wo Äußerungen gemacht werden, die herabwürdigend sind, wo Hass auf Zustimmung oder Gleichgültigkeit trifft“. Hass und Gewalt hätten in Würzburg keinen Platz. „Unsere Geschichte hat gezeigt, wohin Hass führen kann“, so Heilig.

Die energischste Rede hält der Münchner Kabarettist Christian Springer. „Vielleicht hilft ein Wort an die Judenhasser. Was in aller Welt haben Jüdinnen und Juden euch angetan? Und ich kann es euch sagen: Nämlich nichts und noch einmal nichts!“, ruft er ins Mikrofon. Es gebe wieder Todesangst von Juden in Deutschland. „Eingeführt ist sie von den Zuwanderern, von den Muslimen, von den Asylbewerbern?“ lautet Springers rhetorische Frage, die er mit „Nein“ beantwortet. „Die Saat stammt aus Deutschland und sie lebt“, erklärt der Kabarettist, woraufhin die Teilnehmer der Kundgebung applaudieren. Judenhass verbinde „Linke, Rechte, Islamisten und Putin-Freunde, Corona-Leugner, Nachbarn, Kegel-Freunde, Studenten und leider auch Künstler“.

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Am Ende der Kundgebung weist der DIG-Vorsitzende Konstantin Mack auf die auf den Flyern beworbene und am Vortag gestartete „Solidaritätskampagne“ hin. Mit den Spendengeldern sollten die Kosten des anstehenden Strafverfahrens gedeckt werden, „um das Opfer nicht mit der finanziellen Belastung allein zu lassen“. Wer „ein paar Euro“ übrig habe, könne sich einen Flyer mitnehmen. Zudem zeigt sich Mack erfreut darüber, dass es in Würzburg „durchaus auch sehr viele Menschen mit einer klaren Haltung“ gebe.

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