Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar

Islamistischer Terrorismus: Darum braucht es islamischen Religionsunterricht

Eine offene Auseinandersetzung mit religiösen Fragen macht Jugendliche weniger anfällig für extremistische Deutungen.
Nach islamistischem Attentat auf CSD: Blumen am Tatort
Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur | Der weltanschaulich neutrale Staat muss eine Antwort auf die Tatsache finden, dass manche Menschen meinen, es sei ihre religiöse Pflicht, andere Menschen mit dem Auto zu überfahren.

Der Täter von Berlin ist 2005 als deutscher Staatsbürger geboren worden. Seine Eltern stammen aus dem Libanon. Offenbar hat die Tat einen islamistischen Hintergrund. Wie wird aus einem jungen Menschen in Deutschland ein islamistischer Terrorist? Ein wichtiger Faktor ist radikale Online-Propaganda, die Jugendliche unmittelbar auf ihren Smartphones erreicht.

Lesen Sie auch:

In Deutschland herrscht Religionsfreiheit. Der weltanschaulich neutrale Staat darf den Religionsgemeinschaften nicht vorschreiben, was ihre Anhänger zu glauben haben. Religionsfreiheit heißt aber nicht, dass religiös begründete Handlungen auch dann erlaubt wären, wenn sie gegen allgemeine Gesetze oder die Grundrechte anderer verstoßen.

Die Aufgaben eines weltanschaulich neutralen Staates 

Der Staat kann niemanden zwingen, gegen seine religiösen Überzeugungen Veranstaltungen wie den CSD gutzuheißen. Aber er muss eine Antwort auf die Tatsache finden, dass manche Menschen meinen, es sei ihre religiöse Pflicht, andere Menschen mit dem Auto zu überfahren.

Der weltanschaulich neutrale Staat kann keinen politisch genehmen Islam konstruieren und festlegen, welche Auslegungen des Korans gedeihlicher sind. Er darf aber sehr wohl davon ausgehen, dass eine offene und reflektierte Auseinandersetzung mit religiösen Fragen Jugendliche weniger anfällig für extremistische Deutungen macht.

Deswegen fördert die Politik vielfach die Einführung des islamischen Religionsunterrichts auch als Mittel, Radikalisierung entgegenzuwirken. Eine Studie des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster deutet darauf hin, dass der Unterricht die Religionsmündigkeit stärkt und dem Einfluss fundamentalistischer Deutungen entgegenwirkt.

Wer sich gegen islamischen Religionsunterricht an Schulen ausspricht, muss deshalb erklären, wo muslimische Jugendliche stattdessen lernen sollen, religiöse Autoritätsansprüche kritisch zu prüfen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Benjamin Leven Islamistischer Fundamentalismus Religionsmündigkeit Religionsunterricht

Weitere Artikel

Islamischer Religionsunterricht, erzieht zu eigenständigem Denken, zu Mündigkeit und zu gemeinsamen Werten. Wer ihn abschafft, überlässt die religiöse Bildung Instagram und Tiktok.
28.08.2026, 15 Uhr
Mouhanad Khorchide
Wird die Europäische Union angesichts der islamistischen Bedrohung zur wehrhaften Demokratie? Immerhin ist der „politische Islamismus“ als Phänomen nun auf die Agenda gerückt.
17.10.2026, 15 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Nach ihm ist St. Gallen benannt: Der heilige Gallus errichtete dort eine Einsiedelei. Auch in Füssen, Kempten und am Bodensee ist er noch heute ein Begriff.
16.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock