Islam-Unterricht an Schulen in Deutschland kann aus Sicht einer Bildungsexpertin ein wichtiger Baustein für die Extremismusprävention sein. Dort könne vermittelt werden, „dass es im Islam unterschiedliche Auslegungen und Rechtsschulen gibt. Schülerinnen und Schüler lernen, religiöse Fragen differenziert zu betrachten und nicht in Kategorien von Schwarz und Weiß zu denken“, sagte die Pädagogin Margit Stein im Interview der „Welt“. „Das kann Radikalisierungstendenzen entgegenwirken.“ Stein ist Leiterin des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts UWIT, das die Rolle angehender muslimischer Theologen bei der Prävention islamistischer Radikalisierung untersucht hat.
Im Unterricht werde muslimischen Schülerinnen und Schülern ermöglicht, Themen anzusprechen, die sie im Elternhaus oder mit dem Imam nicht besprechen würden, so die Hochschullehrerin der Universität Vechta. Das seien etwa Fragen zu vorehelichen Partnerschaften, zu Freundschaften oder zu Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen. „Solche Themen lassen sich in einem geschützten schulischen Rahmen offen diskutieren.“
Lehrkräfte greifen oft nicht ein
Zugleich mahnte die Expertin, dass der Unterricht allein nicht ausreiche. „Schule muss Extremismusprävention insgesamt stärken, also nicht nur mit Blick auf Islamismus, sondern auch auf andere Formen des Extremismus“, erklärte Stein. Dafür brauche es mehr Personal in den Bereichen Sozialarbeit und Psychologie an den Schulen.
Damit sollten auch Lehrerinnen und Lehrer unterstützt werden, etwa wenn sie mit Mobbing durch fundamentalistisch eingestellte Schüler konfrontiert seien. „Teilweise greifen die Lehrkräfte nicht ein, weil sie sich nicht darüber sicher sind, was der Koran dazu vorgibt. In den Konflikt mit streng muslimischen Schülern zu gehen, ist ihnen dann zu heikel“, so Stein.
Zudem könne die Schule nur bedingt gegen Radikalisierungsgefahren, etwa durch islamistische Prediger in sozialen Medien, ankommen. „Präventionsangebote stehen in direkter Konkurrenz zu professionell aufbereiteten Inhalten in sozialen Netzwerken. Extremistische Botschaften werden dort oft emotional und jugendgerecht vermittelt“, betonte Stein. „Schule kann viel machen, aber sie trägt nicht die alleinige Verantwortung.“ (DT/KNA)
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