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Europa hat mehr als einen Vogel

Die Entwürfe der neuen Euro-Scheine spiegeln auch die Identitätskrise Europas. Dabei ließe sich so leicht visualisieren, was Europa Innersten zusammenhält.
Neue Euroscheine mit Vogel-Motiven
Foto: IMAGO / Hannelore Förster | Warum sollen ausgerechnet Vögel die Identität und Einheit Europas symbolisieren? Die EZB findet Vögel „frei, widerstandsfähig, inspirierend“ und will sie deshalb auf unseren künftigen Euro-Scheinen sehen.

Nichts gegen Vögel. Aber, die Ornithologen mögen die Frage verzeihen, warum sollen ausgerechnet Vögel die Identität und Einheit Europas symbolisieren? Die Europäische Zentralbank (EZB), Inbegriff der europäischen Poesie, findet Vögel „frei, widerstandsfähig, inspirierend“ und will sie deshalb auf unseren künftigen Euro-Scheinen sehen. Eisvogel und Weißstorch als neue Wappentiere des vereinten Europas? Um die so inspirierten Eurozonenbürger wieder auf den Boden der EU-Wirklichkeit zu holen, prangen auf der Rückseite architektonische Glanzlichter wie die EZB in Frankfurt, der Europäische Gerichtshof in Luxemburg und der Palast der EU-Kommission in Brüssel.

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Helfen solche Motive, etwas von Sinn und Sendung Europas zu begreifen? Ist der Weißstorch dem Europäer, was der Weißkopfseeadler dem US-Bürger ist? Lässt ein Blick auf das architektonisch durchaus anspruchsvolle Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg das Herz patriotischer Europäer höherschlagen? Wohl kaum. Denn Europa manifestiert sich ebenso wenig in Büro- und Verwaltungsgebäuden oder Parlamenten wie seine Mitgliedstaaten. Will der Italiener „bella Italia“ oder der Franzose die „Grande Nation“ ins Bild setzen, wird er wohl weder Parlament noch Regierungssitz oder Höchstgericht visualisieren. Und vermutlich nicht einmal Vögel.

Geformt durch den Geist

Deutlich näher an dem, was Europa im Innersten zusammenhält, ist die zweite Entwurfsreihe der EZB: Maria Callas, Ludwig van Beethoven, Marie Curie, Miguel de Cervantes, Leonardo da Vinci sind zweifellos von übernationaler Bedeutung und Bekanntheit. Noch deutlicher heben unsere bisherigen Euro-Scheine die Einheit Europas ins Bild: Baustile kannten selten Ländergrenzen. Architektur erfasste stets größere Kulturräume. Romanik, Gotik, Renaissance und Barock sind nicht singulär einer Nation zuzuordnen.

Im Gegensatz zu Australien oder Afrika ist es nicht die Geografie, die Europa zu einem Kontinent formt, sondern der Geist. Was spräche dagegen, große abendländische Denker – beginnend mit Aristoteles, Cicero und Thomas von Aquin – auf unsere Euro-Scheine zu heben? Gerne auch große Künstler oder Kunstwerke und die konfessionsübergreifend bewundernswerten Heiligen, die die Kirche zu „Patronen Europas“ erklärte.

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