Lebensrechtler mahnen

Suizid-Vorstoß ist „Bärendienst“ und „Weg in die Barbarei“

Keine Suizidhilfe in kirchlichen Einrichtungen: Lebensrechtler weisen Vorstoß protestantischer Theologen und Kirchfunktionäre in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zurück.
Suizid oder Selbstmord führt zu Nulllinie
Foto: Adobe Stock | Ärztlich assistierter Suizid, „Tötung auf Verlangen“ und „medizinische Hilfe beim Sterben“ werden global immer häufiger legalisiert.

Bei Lebensrechtlern hat die Forderung hochrangiger protestantischer Kirchenfunktionäre, assistierte Suizide in kirchlichen Einrichtungen anzubieten oder zumindest zuzulassen, für Irritationen und Empörung gesorgt. So erklärte die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), Cornelia Kaminski, heute in Augsburg: „Sollten EKD und Diakonie tatsächlich begleitete Suizide in von ihnen betriebenen Einrichtungen ,anbieten oder zumindest zulassen‘, betrieben sie de facto das Geschäft der right-to-die-societies wie des Vereins ,Sterbehilfe Deutschland‘ und der ,Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben‘. Das kann unmöglich Ziel der EKD sein. Kirchen sollten Besseres zu tun haben, als Suizidhelfern Konkurrenz machen zu wollen.

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Wie andere Lebensrechtler auch, teile auch die ALfA zwar den Ansatz, dass ein „Urteil über Suizidwillige“ nur Gott zukomme, der „allein auf den Grund der menschlichen Herzen blicken“ könne. Daraus folge jedoch nicht, dass Suizide in kirchlichen Einrichtungen willkommen geheißen und begleitet werden sollten. Richtig sei vielmehr das Gegenteil. Kaminski: „Wer Suizide auch nur toleriert, bestätigt damit das Urteil, das der Suizident über sein Leben fällt. Ob man sich dessen bewusst ist oder nicht: Suizidhilfe anbieten, bedeutet Akzeptanz der subjektiven Sicht des Selbstmordwilligen, der seine aktuelle Lebenssituation für lebensunwert hält.“

Verbreiten Protestanten bald das Suizid-Virus?

Aus Sicht der ALfA ignoriere der Vorstoß der evangelischen Amtsträger „zahlreiche wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse der in der Suizidforschung und -prävention tätigen Mediziner und Forscher. Demnach ist Suizidalität nicht nur heilbar, sondern auch hochgradig ansteckend. Es wäre völlig absurd, wenn die Evangelische Kirche – wie etwa an Weihnachten geschehen – Gottesdienste untersagt, um mit einfachen Mitteln zu verhindernde Ansteckungen mit dem Virus SARS-CoV-2 in ihren Kirchen völlig auszuschließen, sich aber bereitfände, das Suizid-Virus in ihren Einrichtungen durch – ganz anrührend und herzerwärmend – gestaltete Lebensabschiedsfeiern zu verbreiten.“

„Fakt ist: Suizidale brauchen Hilfe. Alle Anstrengungen müssen sich ausschließlich darauf richten, diese so professionell wie rechtzeitig bereitzustellen und die Lebenssituation der Suizidwilligen zu verbessern. Eine Akzeptanz oder gar Begleitung von Suiziden in kirchlichen Einrichtungen erweist nicht nur suizidalen Menschen einen Bärendienst, sondern macht auch den Suizid salonfähig und begünstigt darüber hinaus schwerwiegende seelische Verletzungen von Mitbewohnern, Angehörigen und Bekannten“, so Kaminski weiter.

„Ärzte für das Leben“-Chef warnt vor Weg in die Barbarei

Der Vorsitzende der Ärzte für das Leben, Professor Paul Cullen, erklärte in Münster, in seinem Urteil vom 26. Februar 2020 habe das Bundesverfassungsgericht noch argumentiert, „dass die restriktive Haltung der Ärzteschaft den Zugang zum assistierten Suizid in vielen Fällen faktisch unmöglich mache, weshalb es nötig sei, Angebote wie die der Sterbevereine zuzulassen. Nach dem Urteil lässt sich eine Rochade beobachten.“ Nun werde argumentiert, dass viele Menschen die Einschaltung solcher Vereine ,für weniger wünschenswert halten als die Unterstützung durch Ärztinnen und Ärzte, die ihren Patienten vertraut sind‘. „Die Befürchtung, dass es am Ende immer Ärzte“ sein werden, die diese Aufgabe übernehmen sollten, bestätige nun auch der Vorstoß protestantischer Theologen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Cullen: „Die Sache ist recht einfach. Wir als Ärzte müssen immer auf der Seite des Lebens stehen. Es darf also keine Interaktion zwischen Arzt und Patient mit dem ausdrücklichen Ziel geben, dass der Patient hinterher tot ist. Vielmehr besteht unsere Aufgabe darin, dem Patienten auch in sehr schweren Situationen beizustehen. Keinesfalls dürfen wir vor dieser Aufgabe kapitulieren und versuchen, das Leid zu beenden, indem wir den Leidenden beseitigen. Dieser Weg führt in eine Barbarei, vor der am Ende niemand mehr sicher ist.“

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