Kommentar um „5 vor 12“

Der Laschet-Effekt oder Das Ende der CDU

Rheinisch- katholisch funktioniert nicht mehr. Die Wähler der CDU sind nicht mehr christlich sondern cool. Der Laschet- Effekt beendet die alte CDU.
Armin Laschet
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, war als Kanzlerkandidat der letzte Versuch, noch einmal die alte katholische, rheinische Schunkel-Volkspartei CDU zu reanimieren.

Inzwischen haben es auch die größten Realitätsverdränger erkannt: Der Kanzlerzug 2021 ist für die Union abgefahren. Beim RTL/n-tv-Trendbarometer liegen CDU/CSU jetzt nur noch bei 19 Prozent, während die SPD auf 25 Prozent kommt. Noch drastischer ist der Direktvergleich der Kandidaten: nur neun Prozent wünschen sich Armin Laschet (CDU) als Kanzler, 30 Prozent hingegen Olaf Scholz (SPD). Dass sich 38 Prozent der Wähler für Markus Söder (CSU) als Kanzler entscheiden würden, wäre er der Unions-Kandidat, und dass Olaf Scholz dann nur 21 Prozent abbekäme – geschenkt. In der Politik zählen Fakten und keine hypothetischen Konstruktionen.

Söder in den Startlöchern

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Dabei hatte es die Union selbst in der Hand, mit dem Erfolg versprechenden Kandidaten ins Rennen zu gehen. Die Chancen für Söder standen im Frühjahr ausgezeichnet. Die Weichen wurden falsch gestellt – Laschet zum Kandidaten erkoren. Gegen die Stimmung in der Bevölkerung und an der Parteibasis. Diese Mischung aus Altherren-Arroganz und Ignoranz wird nun bestraft. So sehr, dass sogar die Umfrage-Werte von Söder in Bayern einbrechen und er ein Opfer des Laschet-Effektes zu werden droht.

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Zu steif

Dabei gilt es festzuhalten: Die Wähler lehnen Armin Laschet und das Konzept seiner Berater nicht nur deshalb ab, weil er an der falschen Stelle gelacht hat oder weniger staatsmännisch als Scholz wirkt. Auch den Medien den Vorwurf der Manipulation zu machen, wäre allzu platt und billig. Die Wähler lehnen ihn ab, weil er sogar mit seinem ulkig wirkenden „Zukunftsteam“ eine konservative Rückwärtsgewandtheit und Steifheit repräsentiert, mit der sich die deutliche Mehrheit der Bevölkerung nicht identifizieren kann.

Cool statt christlich

Denn: die „Lebenswirklichkeit“, um einen Begriff von Kardinal Marx zu gebrauchen, hat sich in 16 Jahren Merkel drastisch gewandelt. Die Deutschen sind nicht mehr christlich, sondern spirituell, nicht mehr bürgerlich, sondern weltoffen und cool. Sie sind geprägt von dem Gefühl, an einer „Zeitenwende“ zu leben. Nur Politiker und Parteien, welche dieses Lebensgefühl widerspiegeln, haben überhaupt eine Chance, gewählt zu werden.

Für die Zukunft der Union bedeutet dies: Die Zeit des protzigen, oft aber auch hohlen C‘s sollte endgültig vorbei sein. Die Kandidatur des Mannes aus Aachen war der verzweifelte Versuch, nach der Merkel-Ära noch einmal die alte katholische, rheinische Schunkel-Volkspartei CDU zu reanimieren. Dieser Versuch ist grandios gescheitert; der Effekt nach hinten losgegangen. Etwas ganz Neues muss kommen.

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