Leipzig

Kommentar: Ein Königsmörder, ein Königsmacher und ein Anwärter

Der "Mythos Merz" ist endgültig verblasst, das Ende der Ära Merkel markiert - aber nicht so wie erwartet. Eine Bilanz des CDU-Parteitags.

CDU-Bundesparteitag: Das Fazit
Markus Söder will als CSU-Chef mit entscheiden. Das sichert ihm eine starke Position im Machtgefüge der Union und gleichzeitig sein Amt als bayerischer Ministerpräsident. Foto: Kay Nietfeld (dpa)

Der CDU-Parteitag war eine Zäsur, allerdings ganz anders als viele gedacht haben. Denn er markiert einerseits zwar schon das endgültige Ende der Ära Merkel, aber eben nicht so wie erwartet. Friedrich Merz mag vielleicht den Dolch im Gewande getragen haben, zugestochen hat er aber nicht. Dass ihn tatsächlich der letzte Satz in Annegret Kramp-Karrenbauer Rede berührt hat, scheint eher unwahrscheinlich. Beeindruckt war er da wohl schon eher von der Reaktion– stehende Ovationen – der Delegierten auf diesen Satz. AKK hatte dazu aufgefordert, reinen Tisch zu machen. Wenn man sie nicht wolle, dann solle dies hier und heute geklärt werden.

Merz sendet Loyalitätsadresse an AKK

Das rief offenbar bei den Delegierten Mitleid hervor. Merz hat dies gespürt. Und so hielt er keine Kampfrede, sondern sendete eine Loyalitätsadresse an AKK, letztlich auch an Merkel. Helmut Kohl sagte früher immer, ein CDU-Parteitag sei für ihn wie ein Familientreffen. Und natürlich, bei Familienfeiern ist Krach immer unbeliebt. Aber Merz droht das Rollenfach des Mecker-Onkels. Er schimpft und schimpft und schimpft – aber wenn es hart auf hart kommt, knickt er ein. Mag sein, dass er Angst hatte von der Parteifamilie als Königsmörder geächtet zu werden. Das kann man verstehen. Das ist menschlich. Aber müsste jemand, den seine Fans als personifizierte politische Führungsstärke feiern, nicht anders reagieren? Der Mythos Merz ist endgültig verblasst.

Wer wird dann der Kandidat? Das hängt von jemandem ab, der erst am Samstagvormittag seinen Auftritt hatte, aber für viele so etwas wie der Kandidat der Herzen war: Markus Söder. Der CSU-Chef gab sich entspannt, hielt eine launige Rede und fand doch klare Aussagen gegenüber der AfD wie den Grünen, die er beide als Hauptgegner für die Union ausmachte. Kurz: Ihm gelang alles das, was AKK in ihrer fast zwei Stunden langen Rede nicht geschafft hat. Manche sehen in Söder nun den geborenen Kandidaten.

Söder will der Königsmacher sein

Der bayerische Ministerpräsident scheint aber nach einer anderen Aufgabe zu greifen, die ihn einerseits weder dazu zwingt, AKK zu meucheln, noch das Risiko einzugehen, eine Bundestagswahl zu verlieren. Er will der Königsmacher sein. Deswegen war Söder auch gegen die Urwahl des Kanzlerkandidaten durch die Basis. Er will als CSU-Chef mit entscheiden. Das sichert ihm eine starke Position im Machtgefüge der Union und gleichzeitig den schönsten Job der Welt, wie bayerische Ministerpräsidenten ja gemeinhin ihr Amt bezeichnen.

Und wer wird nun der Kandidat? Armin Laschet, der Ministerpräsident des anderen großen Flächenlandes, hat sich, ohne es freilich auszusprechen, als die Integrationsfigur präsentiert, die die Unionsflügel zusammenhalten kann. Solche Integrationsfiguren mag die Parteifamilie, denn sie sorgen für Harmonie. Streit mögen CDU-Funktionäre nämlich gar nicht. Streiten – das ist doch das, was die SPD immer tut. Merz wird das Image des gescheiterten Königsmörders nicht mehr los. Laschet braucht jetzt nur etwas Geduld – und die Hilfe vom Kollegen aus Bayern. Was wird mit AKK? Den beiden Gentlemen wird schon eine Lösung einfallen. Wichtig ist nur, es muss freundlich aussehen. Bloß nicht den Merz machen. Denn das würden die harmoniesüchtigen CDUler beim nächsten Parteitag bestrafen.

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