Berlin

Erzbischof Schick warnt vor Einfluss Boko Harams im Tschad

Die radikalislamistische Terrormiliz verübe Terrorakte, verlange Unterwerfung und wolle einen islamischen Staat aus dem afrikanischen Land machen, so der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz.

Boko Haram im Tschad
Pressegespräch in Berlin v.l.n.r.: Missio-Präsident Dirk Bingener, Erzbischof Ludwig Schick, Erzbischof Edmond Diitangar, Dolmetscherin Edith Völker. Foto: Leh

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick warnt vor einem zunehmenden Einfluss der Terrormiliz „Boko Haram“ im Tschad. Die radikalislamistische Organisation verübe Terrorakte, verlange Unterwerfung und wolle einen islamischen Staat aus dem afrikanischen Land machen, so der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Schick äußerte sich bei der Vorstellung einer Informationsbroschüre über verfolgte und bedrängte Christen in der Sahelzone in Berlin, bei der er gemeinsam mit dem Erzbischof in der Hauptstadt N'Djamena, Edmond Djitangar, auftrat.

Neue salafistische Strömungen sorgen für Angst im Tschad

Schick war im Juni zu einem Solidaritätsbesuch im Tschad. „Dort haben Christen und Muslime viele Jahre friedlich miteinander gelebt“, erklärte er. Im Vergleich zu anderen Staaten in der Sahelzone herrsche im Tschad neben Burkina Faso noch die größte Toleranz, ergänzte Erzbischof Djitangar. Dies hänge mit der Ausrichtung des traditionellen Islam im Tschad zusammen. Dort ist ein spiritueller Sufi-Islam vorherrschend. Djitangar warnte jedoch, dass neue salafistische Strömungen auch dem Staat Tschad Angst einflößten. „Die Salafisten haben es hauptsächlich auf das Bildungssystem abgesehen und untergraben es von innen“, so Djitangar.

Auf die Frage dieser Zeitung zum Vorgehen Saudi-Arabiens, das im Tschad ebenfalls starken Einfluss nimmt und einen radikal-wahhabitischen Islam fördert, erklärte der Erzbischof: „Der Botschafter Saudi-Arabiens betrachtet es  ganz offiziell als seinen Auftrag, als Diplomat auch religiös zu wirken.“ Dem Verständnis des Botschafters nach gehöre es zu seiner Aufgabe, nach Ende seiner Dienstzeit im Tschad sagen zu können, er habe dort 100 Moscheen gebaut.

35 bis 40 Prozent Christen im Tschad

Der Sahel (arabisch „Küste“ oder „Ufer der Wüste“) umfasst von Westen nach Osten die Länder Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Tschad und Sudan. Die Sahel-Region gehört zu den ärmsten Gegenden weltweit. Nach Angaben des Erzbischofs sind von den schätzungsweise dreizehn Millionen Einwohnern des Tschad zirka 35 bis 40 Prozent Christen, davon etwa zwei Drittel Katholiken.

DT/leh/mlu

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