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Libanesischer Erzbischof: „Muslime wollen, dass die Christen bleiben“

Der Erzbischof von Tripoli, Joseph Soueif, berichtet vom interreligiösen Dialog und der schweren Krise im Libanon.
Der maronitische Erzbischof von Tripoli, Joseph Soueif
| Auch in Tripoli mache sich die seit 2019 anhaltende Wirtschaftskrise bemerkbar, so Erzbischof Soueif. Besonders betroffen seien die Priester, von denen viele in der unierten maronitischen Kirche verheiratet sind.

Der maronitische Erzbischof von Tripoli, Joseph Soueif, hat die großen Herausforderungen für den interreligiösen Dialog im Libanon betont. Gegenüber einer Delegation des weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN), die ihn in seiner Bischofsstadt besuchte, sagte er trotz der schwierigen Situation: „Die Muslime wollen uns hier haben. Sie sagen uns oft: ,Nur mit euch zusammen können wir die volle Identität des Libanon verwirklichen.‘“

Wirtschaftskrise trifft besonders Priester

Wie der Erzbischof betonte, betreiben die Christen im Libanon 16 kirchliche Schulen mit über 6.000 Schülern. Die christliche Minderheit vermittle aber über solche Wege „eine Botschaft des Friedens. Die Muslime hier wollen diese Botschaft.“ Viele muslimische Eltern würden ihre Kinder bewusst auf christliche Schulen schicken, gerade weil sie die Qualität der Ausbildung und die vermittelten Werte sehr schätzten. „Wir respektieren den Glauben der anderen, bieten aber auch unseren christlichen Glauben an“, betonte Soueif, denn die „Schulen sind das Herz unserer Mission“. Ein Ergebnis davon sei ein regelmäßiger Strom von Menschen, die um die Taufe bitten.

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Gerade in Tripoli finde der interreligiöse Dialog im alltäglichen Leben statt, erklärte Erzbischof Soueif: „Manche Herausforderung lässt sich nicht am Schreibtisch lösen.“ Doch auch in der Stadt mache sich die seit 2019 anhaltende Wirtschaftskrise bemerkbar. Besonders betroffen seien die Priester, von denen viele in der unierten maronitischen Kirche verheiratet sind.

Dies erschwere wiederum den Dialog und alle anderen pastoralen Möglichkeiten seiner Diözese: „Sie bekommen kein Gehalt. Ihren Lebensunterhalt decken sie durch die Kollekten in den Sonntagsgottesdiensten. Doch oft ist die nicht höher als umgerechnet etwa zehn Euro. Davon können sie nicht leben“, so Soueif.

Junge Familien ziehen weg

Neben der aktuellen Situation der Priester bedauert der Erzbischof auch, dass viele gut ausgebildete Paare oft ins Ausland ziehen würden. Aus diesem Grund habe die Erzdiözese auf ihrem eigenen Boden landwirtschaftliche Möglichkeiten genutzt, um 200 Menschen eine Arbeit zu geben und die produzierten Lebensmittel vergünstigt an die lokale Bevölkerung zu verkaufen.

Tripoli liegt an der Mittelmeerküste im Norden des Libanon und ist die zweitgrößte Stadt des Landes - und zugleich eine der ärmsten. Der Anteil der Christen ist seit den 1970er-Jahren von knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung auf lediglich zwei Prozent gefallen. DT/jmo

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