Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Hilfswerke werden gebraucht

Leidende Christen nicht im Stich lassen

Ob im Orient oder in Afrika: Die Weltpolitik nimmt keine Rücksicht auf das Schicksal der Christen. Ein Kommentar.
"Red Wednesday" von Kirche in Not
Foto: IMAGO/Ryan Eduard Benaid (www.imago-images.de) | Auf den Philippinen wird eine Kirche im Rahmen der Aktion "Red Wednesday", organisiert vom Hilfswerk "Kirche in Not", rot angestrahlt.

Es gab eine Zeit, da war nicht nur die westliche Öffentlichkeit, sondern auch mancher ranghohe vatikanische Amtsträger bereit, die leidenden Christen im kommunistischen Ostblock dem Vergessen anheim zu geben. Der Weltfrieden, die "Entspannung" zwischen der freien Welt und der totalitären Kreml-Gerontokratie, die ökumenischen Drähte zur russischen Orthodoxie, all das schien nicht nur Politikern und Medienmachern, sondern auch Kurienkardinälen wichtiger als die Untergrundkirche in der Sowjetunion, die schikanierten und verfolgten Christen hinter dem "Eisernen Vorhang".

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Das Hilfswerk "Kirche in Not" dachte und handelte anders: Für die Christen unter dem roten Joch war es helfende Hand und laute Stimme. Vor dreieinhalb Jahrzehnten zeigte sich, dass die Geschichte nicht den politischen Illusionisten eines "Wandels durch Annäherung" Recht gab, sondern der christlichen Solidarität. Was Ronald Reagan mit Recht das "Reich des Bösen" nannte, zerfiel zu Staub, und die Christen im Osten Europas blühten auf.

Die westliche Außenpolitik ist mit anderen Krisen beschäftigt

Auch heute nimmt die Weltpolitik keine Rücksicht auf das Schicksal der Christen. Im Orient wie in Afrika werden alteingesessene Kirchen nicht nur Opfer eines wachsenden islamischen Fundamentalismus, sondern ebenso einer erratischen westlichen Außenpolitik. Gewiss, viele Muslime in beiden Weltregionen klagen mit Recht, dass Washington, London oder Paris - und immer brutaler auch Moskau und Peking - im Orient wie in Afrika vor allem an die eigenen wirtschaftlichen und geostrategischen Ziele denken. Die Christen vor Ort sind dann oft die ersten Opfer von Chaos, Staatszerfall, Rachegelüsten und Radikalisierung. Von der arabischen Halbinsel wurde ein gewaltbereiter, salafistischer Islam nach Afrika exportiert, wo er die traditionelle christlich-muslimische Koexistenz zersetzt und sich terroristisch gebärdet. 

Und erneut: Die westliche Außenpolitik ist mit anderen Krisen beschäftigt, und selbst im Vatikan setzt man andere Prioritäten. Wieder sind es Hilfswerke wie "Kirche in Not", die verlässlich vor Ort sind und die leidenden Christen nicht im Stich lassen. 

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