Jos

Drastische Verfolgung von Christen in Nigeria

Es kann sehr gefährlich sein, als Christ im Norden Nigerias zu leben. Dort gilt die Scharia-Gesetzgebung. 3 731 Christen sind 2018 in Nigeria um ihres Glaubens willen ermordet worden.

Christenverfolgung in Nigeria
Mehrere Schusswunden trug AbabakarMbomi davon, als „Boko Haram“ versuchte, seine Frau zu entführen. Das Foto von Marco Gualazzini wurde mit dem„World Press Photo Award 2019“ ausgezeichnet. Foto: Marco Gualazzini (Contrasto)

Christ sein in Nigeria war noch nie so gefährlich wie heute. Nie zuvor sind so viele Christen diskriminiert, bedroht, verfolgt – und getötet worden. Laut Verfolgungsindex 2019 des Hilfswerks Open Doors wurden 2018 deutlich mehr Christen getötet als im Jahr zuvor: 3 731 Christen seien in Nigeria um ihres Glaubens willen ermordet worden.

Seit zehn Jahren leiden die Bürger im Nordosten unter islamistischem Terror

Was ist dran an dieser schockierenden Zahl? Gibt es die systematische blutige Verfolgung von Christen in Nigeria? Kein Zweifel: Es kann sehr gefährlich sein, als Christ im Norden Nigerias zu leben. Dort, wo die Scharia-Gesetzgebung gilt. Wo es Anschläge durch die islamistische Miliz „Boko Haram“ gibt. Im Nordosten Nigerias leidet die Bevölkerung seit zehn Jahren unter den Angriffen der islamistischen Terrorgruppe. Wörtlich übersetzt heißt ihr Name „Westliche Bildung ist unrein“. Die Gruppe selbst nennt sich jedoch „Sunnitische Vereinigung für Glaubensverbreitung und Islam“.

Seit 2009 hat es in diesem Konflikt rund 30 000 Tote gegeben. Der Terror richtet sich nach den Worten von Johannes Seibel, Pressesprecher von missio Aachen, „gezielt gegen staatliche Einrichtungen, das Militär und gegen Kirchen und Christen, nimmt aber bei Anschlägen auf öffentlichen Plätzen auch muslimische Opfer in Kauf.“ Die katholische Kirche und Vertreter des Islams würden in Nigeria „zum Teil sehr eng zusammenarbeiten, um Konflikte im Keim zu ersticken und sich gemeinsam gegen den Terror von ,Boko Haram‘ zu wehren, weil darunter die gesamte Gesellschaft leidet,“ sagte Seibel dieser Zeitung.

2,2 Millionen Menschen sind innerhalb Nigerias auf der Flucht

Innerhalb des Landes sind mittlerweile rund 2,2 Millionen Menschen auf der Flucht, die Hälfte davon sind Kinder. Die geflohenen Menschen leben nach Angaben der UN-Flüchtlingshilfe derzeit in 84 Lagern und Siedlungen. Etwa 200 000 Nigerianer sind in die Nachbarländer Niger, Kamerun und Tschad geflohen. Der Konflikt droht sich auf diese Länder auszuweiten.

Warum der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sich trotz der dramatischen Lage hoffnungsvoll zeigt, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 16. Mai 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT