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Das Spiel der Apostaten

Wer sich als Arbeitnehmer öffentlich illoyal zum Arbeitgeber zeigt, wer als VW-Manager mit einem BMW erscheint, muss mit deutlichen Konsequenzen rechnen. In der Kirche hingegen leugnen Funktionsträger Teile der Lehre, leben offen in Sünde oder wenden sich gar gegen die Schöpfungsordnung. Was haben Sie zu befürchten, außer als mutige Kritiker gefeiert zu werden?
Platzverweis
Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) | Wer sich nicht an die Regeln hält, wird selbst im Spiel sanktioniert: Er muss vom Platz gehen. Die Kirche tut sich schwer mit solcher Konsequenz, obschon es hier nicht nur um ein Spiel geht, sondern sehr ernst ist ...

Ein Autofahrer, der aus England auf das Festland zurückkehrte, berichtete von chaotischen Verkehrsverhältnissen. „Ist Ihnen ein Geisterfahrer entgegengekommen?“ – „Einer?“ stöhnte der Mann, „Hunderte!“ In der Kirche nennt man Geisterfahrer Apostaten. Apostaten sind Leute, die in die falsche Richtung unterwegs sind, weil sie vom Glauben abgefallen sind. Natürlich nicht von ihrem persönlichen Glauben; von seiner Privatmeinung ist noch niemand abgefallen. Gemeint ist: vom Glauben der Kirche. Das soll vorkommen. Sogar im Herzen der Kirche – bei ihren Angestellten: Professoren, Lehrern, pastoralen Mitarbeitern, auch Priestern.

„Er lebt nicht, was die Kirche lebt.
Er lehrt nicht, was die Kirche lehrt.“

Nehmen wir den Fall eines kirchlich angestellten Apostaten. Er lebt nicht, was die Kirche lebt. Er lehrt nicht, was die Kirche lehrt. Er will daran auch nichts ändern. Warum macht er dann nicht die Biege? Antwort: Er hätte niemand mehr, der ihm für seine persönlichen Ansichten ein Monatsgehalt zahlt.

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Übrigens hat meines Wissens noch nie ein Apostat von sich gesagt: „Ich bin ein Apostat!“ Eher sind Apostaten geneigt, alle anderen für Geisterfahrer zu halten, die ihren Ansichten nicht schnell genug beipflichten. Überall in der Welt werden Apostaten ausgegrenzt, nur nicht in der katholischen Kirche. Ein Fußballer, der Hand spielt, wird mit einer Gelben oder Roten Karte bestraft. Die Köchin, die ins Ragout spuckt, darf nie wieder die Küche betreten. Einem Psychotherapeuten, der sich mit auf die Couch legt, wird die Lizenz entzogen. Einem Apostaten aber, der mit der Eucharistie spielt, droht weder die Gelbe noch die Rote Karte. In seinem Pontifikat, soll Papst Franziskus gesagt haben (und hoffentlich ist es nicht wahr), drohe niemand eine kirchliche Verurteilung.

Ein Professor, der auf das Lehramt und in den Katechismus spuckt, wird nicht etwa des Lehrstuhles verwiesen. Er wird aufgenommen in den Club kritischer Theologen. Und fromme Männer, die Knaben oder Pfarrköchinnen beiliegen, müssen auch nicht unbedingt mit Lizenzentzug rechnen. Natürlich ist mit der Apostasie allerlei Schindluder getrieben worden seit dem Dreikaiseredikt von 380, als Theodosios I., Gratian und Valentin II. verkündeten: „Alle Völker ... sollen sich, so ist unser Wille, zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat ... Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen, so gebieten wir, katholische Christen heißen dürfen; die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen ... Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist.“ Im aufgeklärten Rechtsstaat könnte so etwas nie passieren. Eher schon könnten die „für toll und wahnsinnig“ erklärt werden, die noch daran glauben, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat, und dass dieser Gott auch in der Biogenetik, der Gynäkologie und der Gerontologie Herr über Leben und Tod ist.

 

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