Synodaler Weg

Instagramseite „Synodale Memes“ zieht den Synodalen Weg durch den Kakao

Die Instagramseite „Synodale Memes“ zieht den Synodalen Weg durch den Kakao. Mittlerweile hat die Seite mit den lustigen Bildern über 800 Follower. „Die Tagespost“ traf einen der Gründer, der aber anonym bleiben möchte.
Ein Meme ist ein Bild, das durch einen Text ergänzt wird
Foto: Synodale Memes | Ein Meme ist ein Bild, das durch einen Text ergänzt wird und eine satirische oder gesellschaftskritische Botschaft enthält.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Meme-Seite auf Instagram zu gründen, die sich über den Synodalen Weg lustig macht?

Ein Kumpel von mir und ich haben uns zusammen mit einem Glas Bier die letzte Synodalversammlung im Februar angesehen. Als Gläubige hatten wir, wie wir dachten, einfach den Anspruch, wir wollen da am Puls sein und das mitvollziehen. Doch es war von der ersten Minute an furchtbar. Wir haben dann gesagt, dass wir diese Erfahrung des Synodalen Wegs irgendwie verarbeiten müssen. Uns kam der Gedanke, dass es vielleicht mehrere Leute gibt, denen der Synodale Weg auf die Nerven geht und die sagen: „Lieber lache ich darüber anstatt zu weinen oder mich zu ärgeren.“ Wir therapieren uns mit Lachen und mit dem Zeigen des Grotesken.

Wie ist es dann weiter gegangen?

Plötzlich haben wir gemerkt, dass viele Liberale auf die Instagramseite aufmerksam wurden und sie zunächst geliked haben. Dann haben sie sich aber furchtbar geärgert darüber, weil nicht das präsentiert wurde, was sie sich anfangs dachten, nämlich, dass es sich um Memes über die Synodalität handle. Es hat sich ganz schnell eine linke Gegenseite gebildet mit dem Namen „Synodalere Memes“. Der hat aber nicht lange durchgehalten, weil seine Memes unlustig waren.

„Viele Bischöfe folgen uns mittlerweile auf Instagram, genauso wie Johannes Hartl.
Es ist schön zu sehen, dass Leute unsere Seite wahrnehmen und sagen:
‚Ich würde gerne sagen, was ihr verkündet, aber ich darf es nicht sagen.‘“

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Wie suchen Sie Ihre Inhalte aus?

Wir sind ein Team aus 13 jungen Leuten. Die meisten sind Studenten. Wir besprechen zusammen was online geht und welche Aktionen wir machen wollen.

Wir versuchen auf aktuelle kirchliche Geschehnisse, wie zum Beispiel den Synodalen Weg, zu reagieren. Dieser ist ja nur ein Symptom für die Krankheit, die herrscht. Es ist die Krankheit der Beliebigkeit und dessen, was man nicht mehr als Kirche verkünden möchte, wozu man aber stehen sollte. Da wollen wir einen Finger in die Wunde legen und sagen: „Hey, da müsstet ihr eigentlich dran, das ist der Kern der Botschaft, da könnt ihr euch nicht wegducken“.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Zum Beispiel hat eine Frau Bischof Bätzing vehement gefragt: „Wann weihen Sie jetzt Diakoninnen?“ Bätzing hat wütend reagiert mit: „Jetzt lassen Sie mich mal in Ruhe.“ Wenn er sich hinterfragen würde, wüsste er nämlich: Wir könnten Diakoninnen weihen, wenn wir aus der katholischen Kirche austreten oder wenn wir das Diakonat aus dem Weiheordo entfernen würde. Aber diese Wahrheit möchte er nicht formulieren. Ganz ehrlich, wenn ich ein Linker wäre, würde ich sagen, wir warten nun schon seit 50 Jahren, seit dem Konzil, immer auf die gleichen Sachen. Die deutsche Kirche ist Meisterin darin, Leute anzulügen. Ich hasse es, dass die Kirche lügt und deswegen machen wir „Synodale Memes“. Um zu zeigen, die Kirche hat hier nichts zu verbergen, nichts vorzulügen, man weiß von vornhinein, was man bekommt, wenn man katholisch ist. Ich finde es traurig, dass Leute Kirchensteuern zahlen müssen und sie dann sowas wie den Synodalen Weg präsentiert bekommen. Man kommt sich verarscht vor und dann ist es naheliegend, dass man Leute durch den Kakao zieht.

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Wen wollen Sie ansprechen mit Ihren Memes?

Ein jüdisch-deutscher Journalist hat mal gesagt, wenn er in der Früh aufwacht und sich schon zehn Leute über ihn aufgeregt haben, ist es ein guter Tag. Er hat ein bisschen recht. Wir wollen einen Gegenpol setzten als Aufheiterung für alle Leute, die der kirchlichen Lehre treu sind, die wacker sind, die sagen, ich mach halt mein katholisches Ding. Die arbeiten gehen, beten, ihre Kinder christlich erziehen. Diesen Menschen wollen wir etwas Gutes zusprechen, ihnen sagen: „Hey, es ist nicht ganz so verkehrt, was ihr macht.“ Um das geht es. Unsere Instagramseite ist natürlich einerseits Belustigung, aber andererseits verweist sie auf etwas Ernsthaftes und zuletzt ist es auch die Belohnung, dass sich Leute über einen ärgern.

Bekommt Ihre Instagramseite viel Gegenwind?

Ja. Der Klassiker ist, dass uns vorgeworfen wird, wir seien menschenverachtend. Aber das hat uns mehr motiviert als dass es uns abgeschreckt hätte. Darum haben wir weitergemacht.

Was war die schlimmste Beschimpfung?

Das schlimmste Anschuldigung war, dass so, wie wir angeblich Kirche leben, sie im 19. Jahrhundert erfunden wurde. Das ist für mich persönlich schlimm, weil die Annahme, dass das, was wir glauben, im 19. Jahrhundert erfunden wurde, natürlich absoluter Müll ist. Das beleidigt mich intellektuell. Wir lesen in Kommentaren auch, dass wir mit Kinderschändern paktieren würden und dass wir es geil finden würden, dass unsere Kirche Täter schütze. Solche Beleidigungen sind gang und gäbe. Das verletzt natürlich, aber ich versuche, solche Kommentare nicht an mich heranzulassen.

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Bekommen Sie auch positive Rückmeldungen?

Ja, ganz viele aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Viele Bischöfe folgen uns mittlerweile auf Instagram, genauso wie Johannes Hartl. Es ist schön zu sehen, dass Leute unsere Seite wahrnehmen und sagen: „Ich würde gerne sagen, was ihr verkündet, aber ich darf es nicht sagen.“ Deswegen ist es auch gut, dass die Seite anonym ist.

Was sind Ihre Pläne mit der Instagramseite?

In Zukunft wollen wir eine Spendenfunktion einrichten. Wir haben uns das Konzept „Spende einen Dönerteller“ überlegt. Wir müssen schließlich auch was essen. Wir machten eine Umfrage und da haben über 300 Leute gesagt, sie würden einen Dönerteller spenden. Das kann man ja heute ganz easy anonym einrichten. Dann können wir Leuten auch mal Danke sagen, auch privat, die sich einbringen und sich investieren. Wir haben einen Prototyp gemacht von einem Plüschtier namens „Dogmendackel“ – ein Dackel, der Fliege trägt. Der ist ein Gegenentwurf zu dem „Synofanten“, dem Maskottchen des Synodalen Wegs. Den werden wir verlosen. Wir wollen auf Instagram richtig auf die Nerven gehen. Dass Seiten dort, die mit dem Synodalen Weg zu tun haben, sagen: „Nicht schon wieder die“. Dass ihnen mal klar wird, dass das, was sie da tun, niemanden interessiert. Es interessiert niemanden, ob sie wieder aus Ziegeln eine Klagemauer aufgebaut haben, wo man Zettelchen reinstecken kann. Die Leute, die in der Kirche sind, wollen Kirche haben und nicht einen zweiten Parteitag.


Synodale Memes auf Instagramm

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