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Synodaler Weg, einmal mehr blamiert

Ein Aspekt des Papstinterviews von Dienstag wird fleißig ignoriert. Brüllendes Schweigen ist die Antwort der Amtskirche.
Papst Franziskus kritisiert den synodalen Weg
Foto: Andrew Medichini (AP) | Der Papst kritisiert den synodalen Weg und die deutschen Bischöfe schweigen.

„Papst gibt Woelki recht“: Das ist die Überschrift, nach der man in den Reaktionen auf das am Dienstag veröffentlichte Interview des Heiligen Vaters mit den Chefredakteuren der europäischen Kulturzeitschriften der Jesuiten vergeblich sucht. Stattdessen stürzen sich kirchennahe Redaktionen auf den „Fall Woelki“ („Papst Franziskus: Habe Rücktrittsgesuch Kardinal Woelkis in der Hand“) oder bemühen sich, Lorbeeren für die Kirche Deutschlands einzuheimsen, die ihr aber gar nicht angedacht sind („Papst kritisiert Traditionalisten und lobt Europas Kirche“).

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Das Bonner Schweigen

Die brisanten Aussagen des Heiligen Vaters zum Synodalen Weg verstecken sich in vorletzten Absätzen oder Folgeartikeln. Noch beredter ist die Reaktion der Bischöfe, nämlich Schweigen: Bischof Bätzing wird öffentlich keine Stellung zu den päpstlichen Aussagen nehmen, wie dieser Zeitung auf Anfrage mitgeteilt wurde.

Bischof Bätzing, so erzählt der Pontifex lachend, habe er mit Blick auf den Synodalen Weg gesagt: „Es gibt eine sehr gute evangelische Kirche in Deutschland. Wir brauchen nicht zwei von ihnen.“ Deutlicher kann man es kaum ausdrücken. Was der Heilige Vater auch sonst über Kardinal Woelki gesagt hat, diese zwei Sätze sind die schönste Bestätigung, die sich der Kölner Kardinal erhoffen konnte. Schon nach der ersten Synodalversammlung 2020 sah dieser mit dem „quasi protestantischen Kirchenparlament“ seine Befürchtungen zum deutschen Reformvorhaben nämlich bereits bestätigt.

Lob für Kritiker des synodalen Weges

Dies war der Ausgangspunkt eines nicht abreißenden Proteststurms gegen den Erzbischof von Köln. Damals warfen Kirchenkreise ihm und allen, die eine Entkernung des katholischen Glaubens kommen sahen, vor, „protestantisch“ als Schimpfwort zu verwenden. „Ich lasse mir mein Katholischsein von niemandem absprechen“, wurde zum Mantra derjenigen, die die Abrissbirne gegen die Grundmauern der Kirche schwingen.

Und wo lobt Papst Franziskus Europas Kirche? Genau dort, wo sie ihrem göttlichen Auftrag entspricht und „durch soziale oder seelsorgliche Betreuung“ bei den Menschen ist, anstatt sich in innerkirchlichem Ringen selbst zu zerfleischen. Er hebt den Stockholmer Kardinal Anders Arborelius als herausragendes Beispiel eines wahrhaft apostolischen Kirchenmanns hervor. Der geneigte Leser wird sich erinnern, dass gerade dieser Kardinal zu den Mitunterzeichnern eines offenen Briefs der skandinavischen Bischöfe an Bischof Bätzing gehört.

Der Duck steigt

Dort brachten sie ihre Sorge über die inhaltliche Ausrichtung des Synodalen Wegs zum Ausdruck, wie vor ihnen bereits die polnischen Bischöfe und nach ihnen eine Gruppe amerikanischer und afrikanischer Bischöfe.

Der Druck auf den deutschen Sonderweg steigt. Gleichzeitig haben die Bischöfe mit ihren Voten bei der letzten Synodalversammlung die Erwartung auf baldige Reformen ins Unermessliche steigen lassen. Noch ist es aber nicht zu spät, die Bremsleine zu ziehen, auch wenn dies mit einem ordentlichen Gesichtsverlust einhergehen wird. Weltkirchlich mehr blamieren geht aber sowieso nicht mehr.

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